Mittwoch 22. Februar 2017
16. Januar 2013

Ökumene nach evangelischem Verständnis

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker erläutert aus Anlass des Weltgebetstages für die Einheit den evangelischen Ökumene-Begriff

Die drei evangelischen Kirchen Österreichs gehören gemeinsam mit den Altkatholiken zu den Gründungskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich. Voll Dankbarkeit blicken sie auf das zurück, wie im vergangenen halben Jahrhundert das Miteinander der Kirchen gewachsen ist. Die große Zahl der orthodoxen und orientalischen Kirchen und der Beitritt der römisch-katholischen Kirche haben es möglich gemacht, dass die Ökumene in Österreich in vielerlei Hinsicht beispielhaft ist. Dieses Miteinander, das sich dem Wirken des Heiligen Geistes verdankt, ist Gabe und Aufgabe zugleich. Daher setzen sich die evangelischen Kirchen mit Überzeugung für die Vertiefung und Weiterentwicklung der Ökumene ein.

 


» Tipp: Dossier zur "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen"


 

Für evangelisches Verständnis ist die Einheit der Kirche begründet durch die rechte Verkündigung des Evangeliums und die stiftungsgemäße Feier der Sakramente (Augsburger Bekenntnis, Art. VII). Die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden wird durch die Botschaft von der freien Gnade Gottes, die allen Menschen allein aus Glauben gilt, begründet und erhalten. Diese Botschaft begründet den Glauben und sammelt Menschen zur Gemeinschaft der Glaubenden, zur Kirche.

 

Das Miteinander, das sich dem Wirken des Heiligen Geistes verdankt, ist Gabe und Aufgabe zugleich. Daher setzen sich die evangelischen Kirchen für die Vertiefung und Weiterentwicklung der Ökumene ein.

 

Wo Kirchen entdecken, dass sie in diesem Verständnis des Evangeliums übereinstimmen, kann und soll Kirchengemeinschaft erklärt und verwirklicht werden. Dazu ist es notwendig, die Unterschiede zwischen den Kirchen daraufhin zu überprüfen, ob ihnen noch eine kirchentrennende Funktion zukommt. Dass solche Lehrunterschiede nicht länger kirchentrennend sein müssen, haben die evangelischen Kirchen in der Leuenberger Konkordie von 1973 untereinander festgestellt. Auf der gleichen Grundlage beruht die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999.

 

Kirchengemeinschaft bedeutet Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft, die gegenseitige Anerkennung der Ämter und eine möglichst große Übereinstimmung in Zeugnis und Dienst. Kirchengemeinschaft ist kein statisches, sondern ein dynamisches Modell der Einheit. Sie ist ständig zu vertiefen und erlangt durch wachsende Verbindlichkeit selbst eine ekklesiale Qualität.

 

Die "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE)" auf der Basis der Leuenberger Konkordie verbindet mehr als einhundert evangelische Kirchen, darunter auch die drei evangelischen Kirchen in Österreich (Evangelische Kirche A.B., Evangelische Kirche H.B., Evangelisch-methodistische Kirche) zur Kirchengemeinschaft. Der gemeinsam gefeierte Gottesdienst ist so etwas wie der "Herzschlag" der Kirchengemeinschaft und bringt die so gewonnene Einheit sichtbar zum Ausdruck.

 

Michael Bünker

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