Sonntag 4. Dezember 2016
07. Februar 2013

Sako: Enge Verbundenheit zu Österreich

Neuer chaldäisch-katholischer Patriarch Louis Raphael I. Sako zelebrierte festlichen Gottesdienst in Wien - Inthronisierung des Patriarchen am 6. März in Bagdad

Die enge Verbundenheit der orientalischen Christen mit der katholischen Kirche in Österreich hat der neue chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael I. Sako betont. Sako war am Mittwochabend nach Wien gekommen, um mit der hier ansässigen chaldäischen Gemeinde einen Gottesdienst zu feiern. Der Gottesdienst im chaldäischen Ritus fand in der Kirche St. Peter am Leberberg im 11. Wiener Bezirk statt. "Ich bin der Kirche von Wien und ihrem Bischof, Kardinal Christoph Schönborn, sehr dankbar, sie haben uns viel geholfen", sagte der Patriarch wörtlich in deutscher Sprache am Beginn der Messfeier.

 

Lobend erwähnte Patriarch Sako den Gründer und Vorsitzenden der "Initiative Christlicher Orient" (ICO), Prof. Hans Hollerweger, der bei der Messfeier anwesend war, und die Stiftung "Pro Oriente", die sich um die Christen im Irak große Verdienste erworben hätten. Die österreichischen Katholiken würden ihre Solidarität "nicht nur im Wort, sondern vor allem durch die Tat" zeigen.

 

Louis Raphael I. Sako war am war 31. Jänner von der in Rom versammelten Bischofssynode seiner Kirche zum neuen Patriarchen von Babylon gewählt worden. Die Inthronisierung findet am 6. März in Bagdad statt.

 

In seiner arabischen Predigt unterstrich der neue chaldäische Patriarch seine Entschlossenheit, den Dialog unter den getrennten christlichen Kirchen, aber auch den Dialog mit den Muslimen zu vertiefen. Die chaldäische Kirche sei zahlenmäßig nicht so groß, aber sie könne für die Gesellschaft im Irak "Licht" und "Salz" sein. Louis Raphael I. dankte den chaldäischen Katholiken in Wien, dass sie ihrer Kirche und ihrer Tradition treu bleiben. Die Chaldäer in Europa könnten durch ihre Treue zur Neu-Evangelisierung des Kontinents beitragen, damit "die Menschen in Europa wieder zu Christus finden".

 

Mit dem neuen Patriarchen waren auch der Bagdader Kurienbischof Shlemon Warduni und Bischof Mikha Maqdassi von Alqosh nach Wien gekommen. Mit ihnen konzelebrierten auch der Wiener Weihbischof Franz Scharl und die in Wien tätigen arabischsprachigen Priester des maronitischen und des melkitischen Ritus. Bischof Scharl, der für die anderssprachigen Gemeinden in Wien zuständig ist, erinnerte in seinem Grußwort an seine tiefen Eindrücke, als er 2008 mit einer Delegation aus Österreich beim damaligen Erzbischof Louis Sako in Kirkuk war. Alle Christen "und alle Menschen guten Willens" sollten aufeinander hören, einander bestärken und zusammenhelfen, so Scharl. Er hoffe, so der Weihbischof, dass Wien auch einmal Sitz eines chaldäischen Bischofs werden könne, wenn die Gemeinde in Österreich weiter wächst.

 

In einem arabischen Grußwort sagte Alexander Kraljic, der Generalsekretär der "Arbeitsgemeinschaft afro-asiatischer und lateinamerikanischer Gemeinden in der Erzdiözese Wien", die Wahl von Louis Sako zum neuen chaldäisch-katholischen Patriarchen sei "ein Segen für uns alle". Jetzt gehe es darum, die großen Traditionen der Chaldäer für die ganze Kirche fruchtbar zu machen.

 

Nach der Messfeier stand der Patriarch im Mittelpunkt eines orientalischen Kirchenfestes im Pfarrzentrum von St. Peter am Leberberg: Die Pfarrkirche in einem Neubaugebiet ist für die chaldäischen Katholiken Wiens Heimat geworden; zwei Mal im Monat finden dort Messfeiern im chaldäischen Ritus statt. Insgesamt leben in Österreich rund 500 chaldäische Gläubige. Die Mehrheit davon in Wien, eine größere Zahl auch in Linz.

 

Amtssitz bleibt in Bagdad

 

Der neue chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael I. Sako, ist am Donnerstag von Wien nach Erbil, der Hauptstadt der kurdischen Region im Norden des Irak, geflogen. Die Begegnung mit den Repräsentanten der Regionalregierung und der Religionsgemeinschaften fand in der chaldäischen Josefskathedrale in Ankawa, einem Vorort von Erbil, statt. In der kommenden Woche wird der neue Patriarch nach Bagdad übersiedeln.

 

Im Gespräch mit der vatikanischen Nachrichtenagentur "Fides" wies der Patriarch alle Gerüchte über eine Übersiedlung des Patriarchatssitzes in die USA zurück: "Ich werde in Bagdad residieren, weil ich inmitten meiner christlichen Brüder und Schwestern sein will - und aller anderen, die hier unter Schwierigkeiten und Leiden leben. Als Hirten müssen wir ein Beispiel geben und nicht unsere eigene Sicherheit suchen, vor allem nicht in einem kritischen Augenblick, wie ihn der Irak erlebt."

 

Die nächste Synode der chaldäischen Kirche, die für den kommenden Juni anberaumt ist, werde in Bagdad stattfinden, betonte Sako: "Ich habe persönlich alle Bischöfe - auch die aus der Diaspora - gebeten, anwesend zu sein." Auch dies könne eine Unterstützung für die Christen, für die Regierung und für alle Iraker sein: "Wenn man sieht, dass die chaldäischen Bischöfe ihre Synode abhalten und den Präsidenten der Republik und den Ministerpräsidenten begrüßen können, wird das für alle ein Zeichen sein, dass die Kirche präsent ist und dass man nicht weggehen muss".

 

Der Patriarch äußerte seine Besorgnis darüber, dass auch die Christen von der "sektiererischen Haltung" angesteckt werden könnten, die derzeit das Zusammenleben im Nahen Osten bedrohe: "Leider hört man Leute, die sagen, 'ich bin in erster Linie Armenier, oder Assyrer oder Chaldäer usw.' Und es gibt auch eine Kirchturmmentalität, auf Grund derer jedes Städtchen 'seinen' Bischof oder gar 'seinen' Patriarchen haben will. Auf diese Weise löscht man das Christentum aus. Als Bischöfe müssen wir gegen diese kranken Formen der Identitätssuche wachsam sein".

 

Auf diesem Hintergrund sei das Band zwischen den orientalischen Kirchen und dem Heiligen Stuhl von fundamentaler Bedeutung: "Ich habe Papst Benedikt XVI. gebeten, uns nicht allein und isoliert zu lassen, wie in einem Ghetto. Unsere Kirchen haben eine große Bedeutung, um für die Universalität der Kirche Zeugnis abzulegen. Und sie sind essenziell auch für das Verhältnis zum Islam, mit dem sie seit vielen Jahrhunderten zusammenleben".

 

Quelle: Kathpress

 

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