Sonntag 25. Juni 2017
01. März 2013

Papst-Abschied: Dankgottesdienst im "Steffl"

Nuntius Zurbriggen: Benedikt XVI. wollte Gott als Zentrum des Lebens zeigen - Papst Benedikt war "ein guter Vater der Kirche"

Papst Benedikt XVI. hat in seinem theologischen Wirken alles daran gesetzt, Gott als Zentrum des Lebens zu vermitteln. Das hat der apostolische Nuntius von Österreich, Peter Stephan Zurbriggen anlässlich des Pontifikatsendes im Wiener Stephansdom betont. Erzbischof Zurbriggen feierte in Vertretung des in Rom befindlichen Kardinal Schönborn gemeinsam mit den Weihbischöfen Franz Scharl und Helmut Krätzl sowie 40 weiteren Geistliche um 19 Uhr einen Dankgottesdienst, der um 20 Uhr - dem Beginn der Sedisvakanz - in das Läuten der Pummerin mündete. In ganz Österreich läuteten zu diesem Zeitpunkt die Glocken, wie auch in allen Diözesen Gottesdienste zum Endes der Amtszeit gefeiert wurden.

 


» Tipp: Dossier zum Papst-Abschied


 

Zentrales Anliegen der liturgischen Feiern waren Dank und Bitte zugleich. Im Stephansdom wurden in neun Sprachen Fürbitten für den scheidenden Papst, für seinen Nachfolger und die Kirche in verlesen, wobei neben Deutsch, Englisch und Französisch auch Kroatisch, Polnisch, Malayalam, Tagalog und Arabisch vertreten waren. Im rahmen der Feier segnete Nuntius Zurbriggen ein vom Wiener Künstler Bernd Fasching geschaffenes Bild von Johannes Paul II. (1920-2005), das künftig in der Eligiuskapelle hängen wird. Der selig gesprochene Vorgänger Benedikts XVI. solle ein Fürsprecher für die Kirche sein, so die Intention.

 

"Mit einer gewissen Wehmut" dankte Erzbischof Zurbriggen in seiner Predigt dem scheidenden Papst: Er sei ein "großartiger" Nachfolger des Apostel Petrus gewesen, habe die Kirche "in Treue, Demut und Gehorsam dem Herrn gegenüber geführt" und sei nicht müde geworden, "gelegen oder ungelegen den wahren Glauben zu verkünden und uns alle in diesem wahren Glauben zu bestärken". Bis heute sei Benedikt XVI. der "demütige Mitarbeiter im Weinberg des Herrn" geblieben, als der er sich bei seiner Papstwahl vorgestellt habe.

 

Papst in einer "sehr schweren Zeit"

 

Benedikts XVI. sei "in einer sehr schweren Zeit" zum Papst gewählt worden, betonte der Nuntius, und sei sich dessen schon zuvor bewusst geworden, als er am Tag zuvor - damals noch als Kardinal Joseph Ratzinger - von einer "Diktatur des Relativismus" gesprochen habe.

 

Der scheidende Papst habe, als guter "pater familiaris", die "großen Schätze der Weisheit und der Frömmigkeit der Kirche aller Jahrhunderte in verständlicher Sprache uns heutigen Menschen nahe gebracht", so Zurbriggen. In seinen Dankesworten erwähnte er auch die "tiefgründigen Ansprachen und Predigten" bei den Stationen des Österreichbesuchs 2007, die eine "große Liebe" des Papstes zu Österreich deutlich gemacht hätten.

 

Gott den ersten Platz im Leben zuweisen

 

Verstehen könne man Benedikts XVI. Pontifikat erst, erklärte der Nuntius, wenn man seine wiederholte Forderung begreife, Gott den ersten Platz im Leben zuzuweisen und sich ihm zuzuwenden. Diese Perspektive sei auch für das Verständnis der drei Enzykliken Benedikts XVI. nötig, die "von der Welt mit großer Begeisterung aufgenommen" worden seien. Mit seiner Jesus-Triologie habe der Pontifex den Jesus der Evangelien als den wirklichen, "den historischen Jesus im eigentlichen Sinn" präsentiert, "strahlend und klar" sowie als Hilfe, um "an den Sohn Gottes zu glauben".

 

Auch das im Oktober 2012 gegonnene "Jahr des Glaubens" - laut dem Nuntius ein "Herzensanliegen des Papstes" anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des II. Vatikanischen Konzils - gehe auf die Intention zurück, Freude und Begeisterung an der Gottesbegegnung durch Wiederentdeckung des Glaubens zu entwickeln.

 

Das Konzil habe keine neue Kirche, die mit ihrer Tradition und Geschichte breche, sondern einen "neuen Aufbruch im Heiligen Geist" beabsichtigt, betonte der Nuntius. Benedikt XVI. habe deshalb stets auf die korrekte Auslegung, Deutung und Umsetzung der Konzilstexte mit Fokus auf Erneuerung statt Diskontinuität gepocht. "Sicher abwegig" sei es deshalb, "zwischen einer vorkonziliaren und nachkonziliaren Kirche" zu unterscheiden; dies sei auch in der ausdrücklichen Bestimmung von Benedikt XVI., das Kreuz wieder in die Mitte des Altares zu rücken, deutlich erkennbar, so Zurbriggen. Daher sei für den Papst die "Begegnung mit dem Herrn" das zentrale Anliegen gewesen.

 

Quelle: Kathpress

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