Wednesday 29. June 2016
27. July 2013

"Jesus ist in Leid und Not immer nahe"

Papst Franziskus ruft die Jugendlichen der Welt zu Barmherzigkeit und Nächstenliebe auf.

Papst Franziskus hat die Jugendlichen der Welt zu Mitleid, Barmherzigkeit und Nächstenliebe aufgerufen. In der Haltung gegenüber dem Mitmenschen sei Jesus das Vorbild, sagte der Papst am Freitagabend beim Kreuzweg zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro. Jesus lehre jeden, "den anderen immer mit Barmherzigkeit und Liebe zu betrachten - vor allem den, der leidet, der Hilfe braucht, der auf ein Wort, eine Geste wartet - und aus uns selbst herauszugehen, um ihm entgegenzukommen und ihm die Hand zu reichen."

 

Die Kreuzweg-Meditationen verbinden die traditionellen 14 Stationen des Leidens und Sterbens Jesu mit Anliegen und Leiden heutiger Jugendlicher. Die Feier gehört traditionell zu den liturgischen und emotionalen Höhepunkten des Weltjugendtages. 280 Schauspieler und Laiendarsteller aus vielen Nationen stellten vor der Papstbühne die 14 Stationen der Passion Christi an der Strandpromenade von Copacabana in aufwendigen Theaterszenen nach. Zentrum des Abends bildete ein Holzkreuz, das neben der Marienikone das zentrale Symbol der Weltjugendtage ist und vor dem Treffen zwei Jahre lang durch Brasilien unterwegs war.

 

Papst lud Müllsammler zum gemeinsamen Gebet

 

Eigens zum Kreuzweg eingeladen hatte Franziskus etwa 35 Müllsammler aus seiner Heimat Argentinien, die mit ihm auf der Bühne saßen. Schon an der Amtseinführung von Papst Franziskus Mitte März hatte ein Vertreter dieser "Cartoneros", Sergio Sanchez, im blauen Arbeitsoverall teilgenommen. Allein in Buenos Aires leben nach Angaben vatikanischer Medien 9.000 Menschen vom Müllsammeln und -trennen. In ganz Argentinien sind es 100.000, die meisten Opfer der argentinischen Wirtschaftskrise von 2001.

 

Vor mehreren hunderttausend Gläubigen erinnerte Franziskus an die Menschen, die unter schwerer Not wie Hunger, Verfolgung, Elend oder Drogensucht litten. Aber auch an jene, die existenziellen Zweifeln ausgeliefert seien.

 

Nähe auch zu den Glaubensfernen

 

Die Menschen könnten wie Pilatus sein, der seine Hände in Unschuld wasche und nicht den Mut habe, das Leben Jesu zu retten. Oder sie könnten sein wie Simon, der dem Verurteilten auf dem Weg zur Kreuzigung helfe, den schweren Balken zu schleppen; oder auch wie die Frauen, die Jesus ohne Angst bis zur Hinrichtung mit Liebe und Zärtlichkeit begleiteten, so Franziskus.

 

Jesus sei den Menschen in ihrem Leiden und ihrer Not immer nah, sagte der Papst. Das gelte auch für jene, die sich aus Enttäuschung vom Christentum abgewendet hätten. Durch sein Leiden und seine Auferstehung bleibe er auch mit denen verbunden, "die ihren Glauben an die Kirche und sogar an Gott verloren haben wegen der Unlauterkeit von Christen und von Dienern des Evangeliums". Er stehe auch den Jugendlichen bei, die kein Vertrauen mehr in die politischen Institutionen hätten, weil sie nur noch Egoismus und Korruption darin sähen.

 

Kreuz schafft Verbindung

 

Für alle Menschen in schwerer Not bleibe der auferstandene Christus ein Begleiter, der sie niemals alleine lasse. Gerade ihnen wolle Jesus die Hoffnung bringen, erklärte der Papst. "Durch das Kreuz verbindet Jesus sich mit dem Schweigen der Opfer von Gewalt, die nicht mehr schreien können, vor allem mit den Unschuldigen und den Wehrlosen; durch das Kreuz verbindet Jesus sich mit den Familien in Schwierigkeiten, die den Verlust ihrer Kinder beweinen oder daran leiden, dass sie sie in den Fängen künstlicher Paradiese wie der Droge sehen; durch das Kreuz verbindet sich Jesus mit allen Menschen, die Hunger leiden in einer Welt, die täglich tonnenweise Lebensmittel wegwirft", sagte der Papst.

 

Jede der rund über einen Kilometer verteilten 14 Stationen des Kreuzweges, die an der Tribüne des Papstes mündeten, war einer speziellen Bitte gewidmet. So sagte etwa ein junger Mann, der an der zehnten Station die "Internet-Generation" darstellte, dass soziale Netzwerke ein Weg für "echte Beziehungen" sein könnten, ebenso jedoch ihre Nutzer zu Geiseln einer "Kraft der Zerstreuung" werden könnten, die Jugendliche ihrer Identität beraube. Sein Gebet: "Möge uns deine Gnade Wege lehren die frohe Botschaft auf dem digitalen Kontinent zu verkündigen".

 

Abschlussmesse an die Copacabana verlegt

 

Wegen des schlechten Wetters in Rio de Janeiro werden die abschließenden beiden Großveranstaltungen des Weltjugendtags an den Strand der Copacabana verlegt. Der "Campus Fidei" in Guaratiba, 40 Kilometer östlich von Rio, auf dem das Abendgebet am Samstag und die Abschlussmesse am Sonntag stattfinden sollten, hat sich durch massiven Regen in das zurückverwandelt, was es früher einmal war: ein Sumpfgebiet. Das Organisationskomitee beschloss deshalb die Verlegung an die Copacabana.

 

ORF 2 überträgt am Sonntag live

 

Der Abschlussgottesdienst kann in Österreich auch über das Fernsehen miterlebt werden: ORF 2 überträgt am Sonntag ab 14.30 Uhr live den Gottesdienst mit Papst Franziskus. 1,5 Millionen Jugendliche werden zu diesem Ereignis erwartet. Begleitet ist die Sondersendung von Analysen, Hintergründen und Reportagen. Wie der ORF ankündigte, sind die Lateinamerika-erfahrenen Studiogäste der Steyler Missionar Pater Franz Helm SVD und Magdalena Holztrattner, Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreich (ksoe), sowie - via Zuschaltung aus Rio de Janeiro - ORF-Korrespondentin Mathilde Schwabeneder.

 

Quelle: Kathpress/red

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