Sonntag 4. Dezember 2016
28. Juli 2013

Papst: "Geht und habt keine Angst zu dienen!"

Franziskus feierte mit drei Millionen Jugendlichen Abschlussgottesdienst auf der Copacabana - Weltjugendtag soll "Impulse gegen Egoismus und Hass" geben.

Der Weltjugendtag von Rio de Janeiro muss nach Worten von Papst Franziskus starke Impulse in die Kirche und in die Gesellschaft hineintragen. Die Teilnehmer müssten die christliche Botschaft in die Welt bringen, um das Böse auszureißen, die Barrieren des Egoismus, der Intoleranz und des Hasses zu vernichten und eine neue Welt aufzubauen, forderte er am Sonntag bei der Schlussmesse am Strand von Copacabana. "Geht und habt keine Angst zu dienen!", so sein Appell. Die Jugendlichen hätten die Aufgabe, die Freude am Glauben weiterzugeben und in alle gesellschaftlichen Milieus zu tragen.

 

Glaube ohne Furcht und Scheu in die Welt bringen

 

Die Teilnehmer des internationalen Jugendtreffens dürften die schönen Erfahrungen und die Begegnungen aus Rio nicht auf das eigene Leben oder das der eigenen Pfarrgemeinde beschränken, betonte der Papst. Vielmehr müssen sie den Glauben ohne Furcht und Scheu in die Welt bringen. Die christliche Botschaft müsse in alle Bereiche und Schichten gelangen, "bis in die existenziellen Randgebiete, auch zu denen, die am fernsten und gleichgültigtsten erscheinen", unterstrich der Papst.

 

An der Messe bei leicht bewölktem Himmel - die Regen der vergangenen Tage hatten aufgehört - nahmen nach Angaben der Organisatoren drei Millionen Menschen teil. Unter ihnen waren auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff zusammen mit den Staatschefs Argentinien und Bolivien, Cristina Fernandez de Kirchner und Evo Morales.

 

 

"Jesus Christus rechnet mit euch! Die Kirche rechnet mit euch! Der Papst rechnet mit euch!", wandte sich Franziskus an die jugendlichen Teilnehmer, die seit Dienstag an einer Vielzahl von Veranstaltungen in der Stadt am Zuckerhut teilgenommen hatten. Die jungen Christen dürften keine Angst haben, die christliche Botschaft in die Welt zu bringen. Sie befänden sich bei dieser Mission in Begleitung der ganzen Kirche. "Wenn wir die Herausforderungen gemeinsam angehen, dann sind wir stark, dann entdecken wir Reserven, deren wir uns nicht bewusst waren." Schon Jesus habe seine Apostel nicht zum isolierten Leben berufen, sondern um eine Gruppe und eine Gemeinschaft zu bilden.

 

Besonders wandte sich Franziskus an die jungen Katholiken aus Lateinamerika, die in Rio einen Großteil der Teilnehmer stellten. "Die Kirche braucht euch, die Begeisterung, die Kreativität und die Freude, die euch kennzeichnen", hob er hervor. Der Kontinent habe die Verkündigung des Evangeliums empfangen, die seinen Weg geprägt und reiche Frucht getragen habe. "Jetzt ist diese Verkündigung euch anvertraut, damit sie mit neuer Kraft erschallt", sagte der aus Argentinien stammende Papst den Gläubigen seines Kontinents.

 

Bewegende Gebetsvigil


Bereits am Samstagabend hatte rund eine Million Jugendliche dem Papst bei der traditionellen Gebetsvigil zum Weltjugendtag einen begeisterten Empfang bereitet. Franziskus forderte dabei die katholische Jugend auf, am Aufbau einer schöneren Kirche, einer besseren Welt und einer gerechteren Gesellschaft mitzuwirken. Die Jugendlichen sollten sich nicht von einer Illusion von Freiheit oder Moden und Interessen des Augenblicks leiten lassen, sondern von Christus, betonte der Papst. Die Gläubigen müssten den Mut haben, Jesus mit Begeisterung aufzunehmen und bei Schwierigkeiten auch gegen den Strom der öffentlichen Meinung zu schwimmen.

In der Mannschaft Jesu spielen

Mit dem Aufbau einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft und Kirche müsse jeder einzelne bei sich selbst beginnen, unterstrich der Papst. Er zitierte die selige Ordensgründerin und Nobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997), die auf die Frage, was sich in der Kirche ändern müsse, antwortete: "du und ich".

"Lasst Christus und seine Botschaft in euer Leben eintreten", rief Franziskus den jungen Menschen zu. Sie sollten nicht "Teilzeit-Christen" sein; der Glaube dürfe nicht in einer Fassade bestehen, sondern müsse authentisch sein. Dazu gehöre auch die Gemeinschaft in der Kirche. «Wir sind Teil der Kirche - besser noch: Wir werden Erbauer der Kirche und Protagonisten der Geschichte», sagte Franziskus unter dem Applaus der Teilnehmer.

"Jesus bittet uns, ihm das ganze Leben hindurch zu folgen und in seiner Mannschaft zu spielen", so der Papst in Anspielung auf die anstehenden sportlichen Großereignisse in Rio, die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016. Das erfordere wie im Sport viel Training, das im Gebet und im Empfang der Sakramente aber auch in christlicher Nächstenliebe bestehe. Dazu gehöre auch, so der Papst, dass man den anderen zuhören könne, sie verstehe, ihnen vergebe und ihnen helfe; und zwar allen Menschen, ohne auszuschließen und auszugrenzen. «Liebe junge Freunde, seid wahre Athleten Christi», so Franziskus.

Jugendliche sollen Schlafsäcke an die Obdachlosen von Rio verschenken

Die bunte religiöse Feier wurde immer wieder von frenetischem Jubel, Sprechchören und Schreien unterbrochen. Über Twitter riefen die Organisatoren des Weltjugendtags die Jugendlichen, die entgegen einem sonst strikten Verbot an der Copacabana übernachten durften, auf, ihre Schlafsäcke nach Gebrauch an die Obdachlosen von Rio zu verschenken.

 

Quelle: Kathpress/red

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