Mittwoch 22. Februar 2017
07. Februar 2014

Mertes: Scharfe Kritik an UN-Bericht

Trotz aller Mängel enthalte der Bericht allerdings immer noch genügend berechtigte Vorwürfe - "Ich warne davor, auf beleidigte Leberwurst oder verfolgte Unschuld zu machen"



Der deutsche Jesuitenpater Klaus Mertes hat den UN-Bericht zum Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch von Kindern scharf kritisiert. Er könne "nur den Kopf schütteln", wenn die Experten des UN-Kinderrechtskomitees UNCRC von einer zwingenden Meldepflicht von Missbrauchsfällen an die staatlichen Behörden redeten, sagte Mertes dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitag). "Darüber sind wir in der Diskussion längst hinweg. Gerade die Opferverbände warnen vor solch einem Automatismus", so der Pater, der 2010 als Rektor am Berliner Canisius-Kolleg die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ins Rollen gebracht hatte.

Für einen staatlichen Ermittler stehe die Unschuldsvermutung zugunsten eines mutmaßlichen Täters an erster Stelle, führte Mertes zur Begründung aus. "Das heißt, er muss die Angaben der Opfer zunächst einmal bezweifeln." Vor diesem Moment und dem anschließenden Verfahren hätten jedoch viele Betroffene Angst. "Aber das sieht der UN-Bericht in seiner Naivität nicht."

 

Das Kinderrechtskomitee hatte in einem am Mittwoch veröffentlichten Report den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen als unzureichend bezeichnet. Der Heilige Stuhl habe "die Reputation der Kirche und den Schutz der Täter über die Interessen der Kinder gestellt", sagte die Vorsitzende des Expertenausschusses, Kirsten Sandberg. Der 16-seitige Bericht verlangt unter anderem mehr Transparenz und Nachbesserungen im Kirchenrecht. Er forderte zugleich Änderungen im Umgang der Kirche mit Homosexualität und Abtreibung.

 

Das Papier werfe alles in einen Topf, "was an Vorbehalten gegenüber der katholischen Kirche herumwabert", monierte Mertes. "Und wenn dann noch Themen wie Abtreibung oder Homosexualität in den Bericht einfließen, kommt endgültig gerührter Quark heraus." Einer zentralen Hotline für Missbrauchsopfer im Vatikan, wie die UN-Experten sie forderten, erteilte der Jesuit eine klare Absage. Zentralisierung sei ein Teil des Problems beim bisherigen Umgang mit Missbrauchsfällen gewesen. "Aber die UN haben die gleiche Wasserkopf-Denke wie der Vatikan selbst."

 

Trotz aller Mängel enthalte der Bericht allerdings "immer noch genügend berechtigte Kritik", betonte Mertes. An die Adresse des Vatikan gerichtet, der den Bericht zu Teilen zurückgewiesen hatte, sagte der 59-jährige Pater, der inzwischen die Jesuitenschule Sankt Blasien im Schwarzwald leitet: "Ich warne davor, auf beleidigte Leberwurst oder verfolgte Unschuld zu machen."

 

Zugleich forderte Mertes vom Vatikan ein schärferes Vorgehen gegen Bischöfe, die Missbrauchsfälle vertuscht haben oder an einer Vertuschung beteiligt waren. Die Betroffenen sollten "ihr Amt verlieren oder zurücktreten".



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