Friday 1. July 2016
21. February 2014

"Die Zeichen stehen auf Hoffnung"

Abt Christian Haidinger im "miteinander"-Interview über sein neues Amt als Vorsitzender der Superiorenkonferenz und den frischen Wind seit dem Pontifikatswechsel.

Die Orden werden auch künftig in der Kirche eine wesentliche Rolle spielen. Das hat Abt Christian Haidinger, Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften, in einem Interview für die aktuellen Ausgabe des Magazins "miteinander" des Canisiuswerkes betont. "Ich bin überzeugt, dass auch in künftigen Zeiten der Kirche das Charisma des Ordenslebens ein prägendes Element kirchlichen Lebens sein wird. Aber vielleicht sind es ganz neue Formen des Ordenslebens", sagte Haidinger. Katholisch.at dokumentiert das Interview im Wortlaut:

 


 

"miteinander": Herr Abt, seit November vergangenen Jahres sind Sie Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs. Wie empfinden Sie dieses Amt - als Bürde oder als Würde?

 

Haidinger: Von "Würde" spüre ich noch nicht viel - außer, dass mich das enorme Medienecho schon sehr überrascht hat. Es ist für mich noch sehr ungewohnt, durch dieses neue Amt so stark in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich bin mir aber bewusst, dass hinter dieser Aufgabe große Verantwortung und damit auch ein Stück Arbeit steckt. Immerhin durfte ich schon seit sechs Jahren im Vorstand der Superiorenkonferenz mitarbeiten und habe damit schon Einblick in laufende Aufgaben und Herausforderungen. Es ist aber wohl zu erwarten, dass sich in den nächsten drei Jahren auch bisher noch unbekannte Aufgabenfelder auftun werden.

 

Bisher sind Sie unter anderem durch zum Teil provokante Aussagen zu Frauenpriestertum und Zölibat in Erscheinung getreten. Ärgert Sie das, wenn so sehr auf diese "Heiße Eisen"-Fragen fokussiert wird?

 

Dafür habe ich schon manche Prügel abbekommen. Wobei mir auffällt, dass diese hauptsächlich von jüngeren Klerikern kommen. Da merke ich oft, dass wir - die "Konzilsgeneration" - noch ganz anders und wesentlich vom Aufbruch durch das Konzil geprägt sind und dass noch immer Hoffnungen in uns schlummern, die durch die Entwicklungen der letzten drei Jahrzehnte ziemlich "zugedeckt" worden sind. Dass ich so sehr auf das Thema Frauenpriestertum angesprochen werde, hängt wohl damit zusammen, dass ich acht Jahre die Katholische Frauenbewegung als geistlicher Assistent begleiten durfte. Dadurch hat dieses Thema für mich eine andere Relevanz als für viele andere.

 

Aber ich möchte nicht verschweigen, dass dies auch eine Gewissensfrage für mich ist: Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Frauen und Männer vor Gott gleich sind, dass wir durch Taufe und Firmung die eine wesentliche Berufung von Gott haben. Zudem ist mir noch kein einziges theologisches Argument untergekommen, das ich so verstehen könnte, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechtes von Berufungen in der Kirche ausgeschlossen sein könnten. Gerade in letzter Zeit habe ich aber auch immer dazugesagt, dass ich schon verstehe, dass dieses Ziel nicht in "greifbarer Nähe" ist.

 

Zumindest würde die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern derzeit den ökumenischen Dialog mit der Orthodoxie wohl sehr erschweren. Aber immer noch bete ich vertrauensvoll mit Johannes XXIII.: "Erneuere, Heiliger Geist, in deiner Kirche die Wunder wie in einem neuen Pfingsten!"

 

Vor 50 Jahren sind Sie im Stift Kremsmünster eingetreten. Ein halbes Jahrhundert "monastische Existenz". Wie fällt Ihre Bilanz aus?

 

Ich blicke auf 50 sehr erfüllte Jahre zurück. Eigentlich sollte ich von meinem Elternhaus her Hoferbe und Bauer werden. Aber dann überredete mein Volksschullehrer meinen Vater, mich ins Gymnasium nach Kremsmünster zu schicken. Ich bin auch im Kloster "geführt worden". Keine einzige Aufgabe in diesen Jahrzehnten konnte ich mir selbst auswählen. Gegen viele habe ich mich gewehrt - aber schließlich doch Ja gesagt. Rückblickend kann ich ehrlich sagen: Für alles, was mir aufgetragen wurde, bin ich heute dankbar. Ich habe viel dazugelernt, neue Horizonte haben sich dort und da aufgetan!

 

Gibt es manchmal noch Zweifel, ob der Weg der richtige war und weiterhin ist?

 

Zweifel gab es auf dem Weg genug. Das Noviziat war eine Herausforderung. Der Gedanke ans "Weggehen" tauchte immer wieder auf - aber letztlich überwog die Überzeugung, zu bleiben, nicht davonzulaufen. Auch im Lauf der Jahrzehnte gab es manche Krisen, aber nie mehr so, dass ich "aufgeben" wollte. Die Gemeinschaft und das Gebet haben mich bis heute getragen. Seien es die klösterliche Gemeinschaft, die 29 Jahre Schuldienst, die Jugendarbeit oder unzählige Cursillos, Einkehrtage und Exerzitien - all diese Erfahrungen lassen mich heute dankbar auf 50 erfüllte Jahre zurückblicken. In der Rückschau muss ich gestehen: Mir fällt kein erfüllenderer Beruf ein - es ist wohl im besten Sinn des Wortes Berufung.

 

Wie würden Sie die Situation der Orden heute im Gesamt-Setting von Kirche und Welt beschreiben? Stehen wir gar vor einer neuen "Zeit der Orden"?

 

In den vergangenen 50 Jahren hat sich in der Ordenslandschaft, zumindest bei uns in Europa, unendlich viel gewandelt. In den 1980er Jahren dachte ich - um mit Johann Baptist Metz zu sprechen -, die "Zeit der Orden" ist im Kommen. Der Zölibat war für viele Weltpriester - und auch für viele Ordensleute - nicht mehr zu leben. Dennoch sah ich das Charisma des zölibatären Lebens leuchten. Aber noch ist die "Zeit der Orden", wie mir scheint, nicht gekommen. Wenn ich die gesamte Geschichte des Ordenslebens betrachte, dann gab es immer wieder Höhen und Tiefen, Sterben und Neugründungen. Bei einem der letzten Treffen sagte unser Abtprimas Notker Wolf: "In Europa müssen wir jedes Jahr einige Klöster schließen, in der übrigen Welt werden jährlich 10 und mehr neu gegründet." Ohne jetzt stichfeste Gründe nennen zu können: Ich bin überzeugt, dass auch in künftigen Zeiten der Kirche das Charisma des Ordenslebens ein prägendes Element kirchlichen Lebens sein wird. Aber vielleicht sind es ganz neue Formen des Ordenslebens.

 

In der Weltkirche hat man seit dem Pontifikatswechsel den Eindruck von einem Neuaufbruch. Inwiefern spüren auch die Orden diesen Aufwind?

 

Zweifellos stehen seit dem Pontifikatswechsel die Zeichen auf Hoffnung. Schon durch den mutigen Rücktritt von Benedikt XVI. ist das Papsttum etwas "entmystifiziert" worden. Der einfache und wohltuende Stil von Papst Franziskus hat allein schon "atmosphärisch" ein neues Klima in die Kirche gebracht. Dazu sein immer wieder neues Bekenntnis zum Konzil, "das wir immer noch nicht verwirklicht haben". Beim Treffen der Generaloberen der katholischen Männerorden Ende November in Rom war auch einer unserer deutschsprachigen Präsides dabei - und er war begeistert, vor allem von der Art und Weise, wie Franziskus Themen ansprach, wie er zuhören und ermutigen kann. Nur ein Satz aus der dreistündigen Begegnung: "Ordensmänner und Ordensfrauen müssen die Zukunft erleuchten." Und: "Ordensleute müssen Propheten sein." Jedenfalls kehrte mein Mitbruder sehr ermutigt von diesem Treffen zurück.

 

Kann die zentrale Krise der Ortskirche der vergangenen Jahre - die Missbrauchskrise - auch für die Orden trotz weiterer laufender Prozesse als (weitgehend) überwunden betrachtet werden?

 

Für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle ist viel Kraft sowie Energie eingesetzt worden. Nach menschlichem Ermessen wurde getan, was zu tun war. Ganz wichtig war der primäre Fokus auf die Opfer. Innerhalb einzelner Gemeinschaften wird das Geschehen wohl noch viel Zeit für innere Heilung und Versöhnung benötigen.

 

Was sagen Sie Menschen heute, die nach ihrer Berufung suchen? Versuchen Sie, diese von einem Leben im Kloster zu überzeugen?

 

Zuerst geht es nicht um das Leben im Kloster, sondern um die je eigene Berufung, die es zu suchen und zu finden gilt. Dann und wann habe ich durchaus schon junge Leute, die um Begleitung auf dem Weg ihrer Gottsuche gebeten habe, auf die Möglichkeit des klösterlichen Lebens angesprochen. Allein mit Worten kann ich aber niemanden von einem Leben im Kloster überzeugen. Es gibt ein weises Wort, das auch auf das Ordensleben zutrifft: "Rede vom Evangelium nur, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass du gefragt wirst!" Tatsächlich "funktioniert" diese Weisheit und ich werde von Menschen gezielt nach dem Warum meiner Entscheidung zum klösterlichen Leben und der Hoffnung, die mich trägt, gefragt...

 

Quelle: "miteinander"

Zeitschrift des Canisiuswerkes

Ausgabe März 2014

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