Donnerstag 30. März 2017
06. März 2014

"Wert und Schönheit des Evangeliums"

Hirtenbrief zur Fastenzeit 2014 von Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz SDB

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Am Beginn der Fastenzeit möchte ich mich wieder mit einem Schreiben an Sie alle wenden. Noch sehr beeindruckt vom Besuch bei Papst Franziskus in Rom, von den Gesprächen mit ihm und seiner großen Nähe zu den Menschen sowie zur Botschaft des Evangeliums, möchte ich einige Punkte ansprechen, die mir gerade für die kommenden Tage der Besinnung und der Vorbereitung auf das Osterfest besonders wichtig erscheinen. Sie lassen sich zusammenfassen in Jesu eindringlichen Aufruf: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!" (Mk 1,15).

 

1. Kehrt um!


„Kehrt um!" – Diese Aufforderung hören wir jedes Jahr am Aschermittwoch. Sie gehört zu den ersten Worten, die Jesus gesprochen hat. Er richtet diesen Aufruf an Menschen, die auf der Suche nach Orientierung in ihrem Leben sind. „Umkehr" bedeutet dabei nicht einfach eine Kehrtwendung um 180 Grad, sondern meint vielmehr, dass man sein Leben und seine Gedanken ordnen und auf ein neues oder ursprüngliches Ziel hin ausrichten soll. Auch der Heilige Vater wird nicht müde, uns diesbezüglich auf den Wert des Evangeliums und die Worte Jesu aufmerksam zu machen.


Im apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium", das bezeichnender Weise mit den Worten: „Die Freude des Evangeliums" beginnt, führt Papst Franziskus aus, dass das Gute immer dazu neigt, sich mitzuteilen1.  Das Gute und die Freude der Botschaft Jesu wollen wir suchen und einander mitteilen. Dazu aber „dürfte ein Verkünder des Evangeliums nicht ständig ein Gesicht wie bei einer Beerdigung haben", setzt der Papst sehr anschaulich fort und fordert uns als Christen auf, stets die ursprüngliche Frische des Evangeliums zu suchen2.


Liebe Schwestern und Brüder, ich lade Sie deshalb alle ein, sich während der kommenden Wochen auf Ostern hin besonders Zeit zu nehmen und sich näher mit der Heiligen Schrift auseinander zu setzen. Umkehr kann nämlich auch bedeuten, sich vorbehaltlos mit dem Wort Gottes zu konfrontieren und sich dabei auf diese Botschaft einzulassen. Man könnte sogar – etwas frei formuliert – sagen: Umkehr bedeutet, die Gedanken Gottes zu denken.


Dort wo wir uns hingegen von den göttlichen Gedanken abwenden oder abgewendet haben, besteht immer die Chance, sich von neuem mit Gott und miteinander zu versöhnen. Dabei gibt es bekanntlich verschiedene Möglichkeiten, um Vergebung zu bitten. Ich denke etwa an das versöhnende Gespräch untereinander oder an die Vergebungsbitte am Beginn jeder  Eucharistiefeier. Gerade in der Fastenzeit bitten viele Menschen im Rahmen einer Bußfeier oder in der Feier des Heiligen Sakramentes der Versöhnung um Vergebung und erhalten diese in der Beichte auch ausdrücklich zugesprochen. Ich wünsche allen die befreiende Erfahrung, dass sie im Sakrament der Versöhnung nicht den Richterstuhl, sondern das barmherzige Wort Gottes finden und sich dadurch aufrichten lassen. „Die Beichte ist der Ort, wo wir Gottes barmherzige Liebe erfahren und Christus begegnen, der uns die Kraft zur Umkehr und zum neuen Leben gibt", sind die ermutigenden Worte unseres Papstes3.  Die Barmherzigkeit Gottes ist schließlich die Mitte des Evangeliums!

 

2. Glaubt an das Evangelium


An diese aufrichtende Mitte der Frohen Botschaft Jesu glauben zu können, ist ein Geschenk, das wir nicht für uns allein behalten sollen. Bei den persönlichen Begegnungen mit Papst Franziskus spürten wir Bischöfe, wie sehr der Heilige Vater aus der Tiefe des Evangeliums lebt. Für ihn und durch ihn lebt die Botschaft Jesu in überzeugender Weise neu auf und wir wurden angesteckt von dieser Begeisterung. Ja, es geht wohl gerade dadurch ein neuer Wind durch die Kirche und sogar durch die Welt. Es ist aber unsere gemeinsame Aufgabe, dass wir den Glauben in unserem Alltag leben und anderen Menschen verkünden.

 

Der Glaube wird vor allem in den Familien weitergegeben4, dann auch in Kindergärten und beim Religionsunterricht, in den Pfarren, bei Gruppenstunden oder vielen anderen Situationen. Ich möchte allen – Jung und Alt, Männern und Frauen – herzlich danken, die sich um die Weitergabe des Glaubens bemühen und sich dafür unter den Gegebenheiten unserer Welt und Gesellschaft konsequent einsetzten. Papst Franziskus ermutigte uns nämlich zugleich, das Evangelium „in einer Sprache auszudrücken, die deren ständige Neuheit durchscheinen lässt"5 .

 

Bitten wir daher um den Heiligen Geist, dass er uns zeigt, was es heißt, immer wieder neu und frisch von der Freude des Evangeliums zu reden. Es gibt viele Möglichkeiten das zu tun. Dies kann zu Hause geschehen oder in der Arbeit, bei verschiedensten Diskussionen und Gesprächen, in Bibelrunden oder Gebetskreisen. Aufbruch und Neuanfang ist dort möglich, wo wir die innige Verbundenheit mit Jesus suchen, sei es im Umgang mit dem Nächsten, sei es im Lesen des Wortes Gottes oder in den Sakramenten6.  An das Evangelium zu glauben heißt deshalb vor allem, auf Jesus zu schauen und sich mit ihm immer tiefer zu verbinden, der doch stets mit uns geht und für uns da ist.

 

3. Das Reich Gottes ist nahe


Das Reich Gottes wird in dieser Welt dort erlebbare Wirklichkeit, wo wir die Existenz Gottes ernst nehmen. Es soll uns daher ein Anliegen sein, dass der Schatz des Glaubens in unserer Zeit erneut besser wahrgenommen, erkannt und verstanden wird und dass das Reich Gottes in unserer Welt tatsächlich erfahren werden kann.


Liebe Getaufte und Gefirmte! Der Auftrag zur Verkündigung ist unser gemeinsamer Auftrag, wenngleich dieser je nach Lebenssituation verschieden aussehen wird. Der Papst erinnert uns dabei daran, dass die Verkündigung einen Prozess der Bildung und der Reifung in Gang setzen soll.7  Das Wort vom „lebenslangen Lernen" ist inzwischen selbstverständlich geworden, denn in jedem Beruf ist es heute notwendig, sich ständig weiter zu bilden. In unserer Diözese gibt es deshalb eine große Vielzahl von religiösen und spirituellen Weiterbildungen und eine Vielfalt von Angeboten.

 

Wer diese Bildungsmöglichkeiten in den Einrichtungen der Diözese und der Ordensgemeinschaften nützt, wird darin unterstützt, auch im Glauben zu wachsen und zu reifen, um in unserer modernen Welt glaubwürdig auskunftsfähig zu sein und ein lebendiges Zeugnis für das Reich Gottes geben zu können. Nur auf diese Weise können wir als Christinnen und Christen auch heute Menschen für den Glauben, für ein Handeln im Geiste Jesu und für verschiedene pastorale Berufe und geistliche Berufungen in der Kirche begeistern, die wir so notwendig brauchen.

 

4. LebensZeichen für die Welt


Im Rahmen des diözesanen Projektes „Lebenszeichen", an dem sich schon viele Menschen bei den bisherigen Ausstellungen mit manch aufschlussreichen Lebensgeschichten beteiligt haben, findet am 3. Mai auch ein „Sternpilgern" nach St. Florian statt. Gerne lade ich alle ein, gemeinsam mit mir an den Bekenntnis-Wurzeln unserer Diözese in der Stiftskirche zu beten, zusammen auf das Wort Gottes zu hören und miteinander Gottesdienst zu feiern. Als Kirche sind wir gemeinsam unterwegs und weisen auch die Welt offen und voll Freude auf das Lebenszeichen Jesu hin. Er ist stärker als jede Ungerechtigkeit, stärker als jedes Leid und sogar stärker als der Tod. Deshalb feiern wir zu Ostern das Fest der Auferstehung und den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit. Lassen Sie sich berühren und stärken von der Kraft dieses Lichtes, vom „Lumen Christi", dessen Ruf in der Osternacht erklingt.

 

Ich wünsche Ihnen, liebe Schwestern und Brüder in Christus, eine gute Zeit der Vorbereitung auf ein gesegnetes Osterfest!

 

+ Dr. Ludwig Schwarz SDB
Bischof von Linz

 


 

1 Vgl. Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute vom 24. 11. 2013 (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 194), Bonn 2013, hier: Nr. 9.
2 Vgl. Evangelii Gaudium, Nr. 10-11.
3 Franziskus, Ansprache an die Bischöfe der Österreichischen Bischofskonferenz zu deren Besuch „Ad limina Apostolorum" vom 30. 1. 2014.
4 Vgl. ebd.; sowie Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio über die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute vom 22. 11. 1981 (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 33), Bonn 2011, hier: Nr. 2.
5 Evangelii Gaudium, Nr. 41.
6 Vgl. Evangelii Gaudium, Nr. 23.
7 Vgl. Evangelii Gaudium, Nr. 160.

 

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