Samstag 10. Dezember 2016
25. April 2014

"Kirche ist Kommunikation"

Kommunikation zählt zu den Stärken von Papst Franziskus. Gedanken zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel am 1. Juni von Erzbischof Claudio Celli.

Die Zeitschrift "miteinander" des Canisiuswerkes hat den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, Erzbischof Claudio Maria Celli, um einen Kommentar zur Relevanz der medialen Kommunikation im neuen Pontifikat gebeten. Im Folgenden lesen Sie den Kommentar im Wortlaut, der in gekürzter Form in der Zeitschrift "miteinander" erschienen ist.

 


 

Nun ist Papst Franziskus bereits 15 Monate im Amt. In dieser Zeit hat er uns alle mit seinem Stil vertraut und seine Idee von Kommunikation greifbar gemacht. Kommunikation gehört  ganz offensichtlich zu seinen hervorragenden Stärken. Das erfahren wir täglich, angefangen bei den vielen kleinen Gesten, mit denen er die ganze Welt anspricht. Der direkte Umgang  mit Menschen ist für ihn das Fundament, auf dem das Christsein ruht, und im Zentrum dieser Kommunikation und Begegnung stehen die Frauen und Männer von heute.

 

Die erste Botschaft von Papst Franziskus zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, übrigens dem Achtundvierzigsten, ist wie ein Gesang in einem durch und durch franziskanischen Stil verfasst.

 

Das beginnt schon mit der Wahl des Themas: „Kommunikation im Dienst einer authentischen Kultur der Begegnung“. Darin kommt der tiefe Einklang zwischen dem Kirchenbild, das der Papst skizziert, und der Welt der Kommunikation zum Ausdruck. Wenn man das Thema der Kultur der Begegnung behandelt, kommt man nicht umhin, die Aufmerksamkeit zunächst auf den Mitmenschen zu richten. Ja, die Kirche selbst ist zutiefst davon überzeugt, dass sie gar nicht anders kann, als ihren Weg an der Seite der Menschen zu gehen.

 

Neue Wirklichkeit

 

Die Botschaft enthält viele der Stichworte, mit denen uns Papst Franziskus in seinen täglichen Homilien, den Reden und offiziellen Feiern vertraut macht, wenn er vom Dienst, vom Dialog, der Begegnung und der Liebe spricht.

 

All diese Begriffe reichen tief in die Realität unserer Zeit, die digitale Kultur hinein. Die Technologie ist Teil unserer Existenz, unseres Alltags. Sie ermöglicht es uns, in einer Welt der Unmittelbarkeit, des Kontakts, der Nähe − wenn auch nicht auf eigentlich physische Weise − zu leben. Die Kommunikation ist also mehr denn je vielfältig und vollzieht sich pausenlos. Sie befähigt uns, mit weit entfernten Welten und Menschen in Kontakt zu treten.

 


Papstbotschaft zum Weltkommunikationssonntag

Kommunikation im Dienst einer authentischen Kultur der Begegnung

 

[Sonntag, 1. Juni 2014]

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

wir leben heute in einer Welt, die immer „kleiner" wird und in der es folglich leicht sein müsste, dass die Menschen einander zum Nächsten werden. Die Entwicklung des Transportwesens und der Kommunikationstechnologie bringen uns einander näher und in eine immer engere Verbindung; die Globalisierung macht uns voneinander abhängig. Jedoch gibt es weiterhin – bisweilen ausgeprägte – Spaltungen innerhalb der Menschheitsfamilie. Auf globaler Ebene sehen wir den skandalösen Abstand zwischen dem Luxus der Reichsten und dem Elend der Ärmsten. Oft genügt es, durch die Strassen einer Stadt zu gehen, um den Kontrast zu sehen zwischen den Menschen, die auf dem Bürgersteig leben, und den  funkelnden Lichtern der Geschäfte. Wir haben uns so an all das gewöhnt, dass es uns nicht mehr beeindruckt. Die Welt leidet an vielfältigen Formen von Ausgeschlossensein, von Ausgrenzung und von Armut wie auch von Konflikten, in denen sich wirtschaftlich, politische, ideologische und leider auch religiöse Ursachen vermischen.

 

In dieser Welt können die Medien dazu verhelfen, dass wir uns einander näher fühlen, dass wir ein neues Gefühl für die Einheit der Menschheitsfamilie entwickeln, das uns zur Solidarität und zum ernsthaften Einsatz für ein würdigeres Leben drängt. Gute Kommunikation hilft uns, einander näher zu sein und uns untereinander besser kennenzulernen, in größerer Einheit miteinander zu leben. Die Mauern, die uns trennen, können nur dann überwunden werden, wenn wir bereit sind, uns gegenseitig zuzuhören und voneinander zu lernen. Wir müssen die Differenzen beilegen durch Formen des Dialogs, die es uns erlauben, an Verständnis und Respekt zu wachsen. Die Kultur der Begegnung macht es erforderlich, dass wir bereit sind, nicht nur zu geben, sondern auch von den anderen zu empfangen. Die Medien können uns dabei behilflich sein, besonders heute, da die Kommunikationsnetze der Menschen unerhörte Entwicklungen erreicht haben. Besonders das Internet kann allen größere Möglichkeiten der Begegnung und der Solidarität untereinander bieten, und das ist gut, es ist ein Geschenk Gottes.

 

Es gibt jedoch problematische Aspekte: Die Geschwindigkeit der Information übersteigt unsere Reflexions- und Urteilsfähigkeit und gestattet es nicht, dass wir uns selbst in abgewogener und rechter Weise ausdrücken. Die Vielfalt der vorgebrachten Meinungen kann als Reichtum wahrgenommen werden; aber es ist auch möglich, sich in einen Raum von Informationen zu verschließen, die nur unseren Erwartungen und Vorstellungen oder auch bestimmten politischen oder wirtschaftlichen Interessen entsprechen. Die kommunikative Umwelt kann uns behilflich sein zu reifen oder, im Gegenteil, die Orientierung zu verlieren. Der Wunsch nach digitaler Vernetztheit kann am Ende dazu führen, dass wir uns von unserem Nächsten absondern, von dem, der uns ganz nahe ist ist. Ganz zu schweigen davon, dass derjenige, der aus unterschiedlichen Gründen keinen Zugang zu den social media hat, Gefahr läuft, ausgeschlossen zu sein.

 

Diese Grenzen sind real, sie sind aber keine Rechtfertigung dafür, die social media abzulehnen; sie erinnern uns eher daran, dass die Kommunikation letztlich mehr eine menschliche als eine technologische Errungenschaft ist. Was also hilft uns in der digitalen Umwelt, an Humanität und gegenseitigem Verstehen zu wachsen? Ein Beispiel: Wir müssen einen gewissen Sinn für Langsamkeit und Ruhe wiedergewinnen. Das verlangt die Zeit und die Fähigkeit, Stille zu schaffen, um zuzuhören. Wir brauchen auch Geduld, wenn wir denjenigen verstehen wollen, der anders ist als wir: Der Mensch bringt sich selbst vollständig zum Ausdruck nicht dann, wenn er einfach toleriert wird, sondern wenn er weiß, dass er wirklich angenommen ist. Wenn wir wirklich den anderen zuhören möchten, dann werden wir lernen, die Welt mit anderen Augen zu sehen, dann werden wir die Erfahrung der Menschen, wie sie sich in den verschiedenen Kulturen und Traditionen zeigt, schätzen lernen. Aber wir werden auch die großen Werte besser zu schätzen wissen, die vom Christentum inspiriert sind, zum Beispiel die Sicht des Menschen als Person, die Ehe und die Familie, die Unterscheidung zwischen religiöser und politischer Sphäre, die Prinzipien von Solidarität und Subsidiarität und anderes mehr.

 

Wie kann also die Kommunikation im Dienst einer authentischen Kultur der Begegnung stehen? Und was bedeutet es für uns Jünger des Herrn, einem Menschen im Sinne des Evangeliums zu begegnen? Wie ist es trotz aller unserer Grenzen und Sünden möglich, dass wir wirklich einander nahe sind? Diese Fragen lassen sich zusammenfassen in jener, die eines Tages ein Schriftgelehrter, also ein Kommunikator, an Jesus richtete: „Und wer ist mein Nächster?" (vgl. Lk 10, 29). Diese Frage hilft uns, Kommunikation im Sinne von „Nächster sein" zu verstehen. Wir könnten das so übersetzen: Wie zeigt sich „Nächster sein" im Gebrauch der Kommunikationsmittel und in der neuen Umwelt, die von den digitalen Technologien geschaffen wird? Ich finde eine Antwort im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das auch ein Gleichnis für den Kommunikator ist. Wer nämlich kommuniziert, eine Verbindung aufnimmt, macht sich zum Nächsten. Und der barmherzige Samariter macht sich nicht nur zum Nächsten, sondern er sorgt sich um jenen Menschen, den er halb tot am Straßenrand sieht. Jesus kehrt die Perspektive um: Es geht nicht darum, den anderen als meinesgleichen anzuerkennen, sondern um meine Fähigkeit, mich dem anderen gleich zu machen. Kommunizieren bedeutet also, sich bewusst machen, dass wir Mitmenschen sind, Kinder Gottes. Ich definiere diese Macht der Kommunikation gerne als „Nächster sein".

 

Wenn die Kommunikation überwiegend dazu dient, zum Konsum zu veranlassen oder die Menschen zu manipulieren, haben wir es mit einer gewalttätigen Aggression zu tun wie jener, deren Opfer der Mann wurde, der unter die Räuber fiel und am Straßenrand seinem Schicksal überlassen wurde, wie wir im Gleichnis lesen. Der Levit und der  Priester sehen in ihm nicht jemanden, der ihr Nächster ist, sondern einen Fremden, von dem man sich besser fernhielt. Was ihr Verhalten zu jener Zeit bestimmte, waren die Vorschriften der rituellen Reinheit. Heute laufen wir Gefahr, dass einige Medien so starken Einfluss auf uns ausüben, dass sie uns unseren konkreten Nächsten ignorieren lassen.

 

Es genügt nicht, auf digitalen „Wegen" zu gehen, einfach vernetzt zu sein: Die Verbindung durch das Netz muss begleitet sein von einer wirklichen Begegnung. Wir können nicht allein leben, in uns selbst verschlossen. Wir haben es nötig, zu lieben und geliebt zu werden. Wir brauchen liebevolle Zuneigung. Es sind nicht die kommunikativen Strategien, die die Schönheit, die Güte und die Wahrheit der Kommunikation garantieren. Auch der Welt der Medien darf die Sorge um die Menschlichkeit nicht fremd sein; auch diese Welt ist aufgefordert, Zärtlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Das digitale Netz kann ein an Menschlichkeit reicher Ort sein, nicht ein Netz aus Leitungen, sondern aus Menschen. Die Neutralität der Medien ist nur scheinbar: Nur wer in die Kommunikation sich selbst einbringt, kann einen Orientierungspunkt darstellen. Das persönliche „Sich-einbringen" ist die Wurzel der Vertrauenswürdigkeit eines Kommunikators. Gerade deshalb kann das christliche Zeugnisgeben dank des Netzes die existentiellen Peripherien erreichen.

 

Ich wiederhole es oft: Bei der Alternative zwischen einer Kirche, die auf die Straße geht und dabei Probleme bekommt, und einer Kirche, die an Selbstbezogenheit krank ist, habe ich keine Zweifel, der ersten den Vorzug zu geben. Und die Straßen sind die der Welt, wo die Menschen leben, wo man sie erreichen kann – effektiv und affektiv. Unter diesen Straßen sind auch die digitalen, überfüllt von Menschen, die oft verwundet sind: Männer und Frauen, die eine Rettung oder eine Hoffnung suchen. Auch dank des Netzes kann die christliche Botschaft »bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1,8) gelangen. Die Türen der Kirchen öffnen bedeutet auch, sie der digitalen Umwelt zu öffnen; einerseits, damit die Menschen eintreten, in welchen Lebensumständen sie sich auch befinden, andererseits, damit das Evangelium die Schwelle des Gotteshauses überschreiten und hinausgelangen kann, zu allen Menschen. Wir sind aufgerufen, Zeugnis abzulegen von einer Kirche, die das Haus aller Menschen sein soll. Sind wir fähig, das Antlitz einer derartigen Kirche zu vermitteln? Die Kommunikation trägt dazu bei, der missionarischen Berufung der ganzen Kirche Gestalt zu geben, und die social media sind heute einer der Orte, an denen diese Berufung gelebt werden muss, die Schönheit des Glaubens, die Schönheit der Begegnung mit Christus wieder zu entdecken. Auch im Kontext der Kommunikation bedarf es einer Kirche, der es gelingt, Wärme zu vermitteln, die Herzen zu entzünden.

 

Christliches Zeugnis gibt man nicht dadurch, dass man die Menschen mit religiösen Botschaften bombardiert, sondern durch den Willen, sich selbst den anderen zu schenken „durch die Bereitschaft, sich mit Geduld und Respekt auf ihre Fragen und Zweifel einzulassen, auf dem Weg der Suche nach der Wahrheit und dem Sinn der menschlichen Existenz" (Benedikt XVI., Botschaft zum 47. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel, 2013). Denken wir an die Geschichte der Jünger von Emmaus. Man muss sich in das Gespräch mit den Männern und Frauen von heute einzuschalten wissen, um ihre Erwartungen, Zweifel und Hoffnungen zu verstehen, und ihnen das Evangelium anbieten, Jesus Christus, den Gott, der Mensch geworden, gestorben und auferstanden ist, um uns von der Sünde und vom Tod zu befreien. Diese Herausforderung verlangt Tiefe, Aufmerksamkeit gegenüber dem Leben und geistliche Feinfühligkeit. Miteinander in Dialog treten heißt überzeugt sein, dass der andere etwas Gutes zu sagen hat, heißt seinem Gesichtspunkt, seinen Vorschlägen Raum geben. Miteinander in Dialog treten heißt nicht, auf die eigenen Vorstellungen und Traditionen verzichten, sondern auf den Anspruch, dass sie die einzigen und absolut seien.

 

Das Bild des barmherzigen Samariters, der die Wunden des misshandelten Mannes verbindet und Öl und Wein auf sie gießt, sei uns ein Leitbild. Unsere Kommunikation sei duftendes Öl für den Schmerz und guter Wein für die Freude. Unser Leuchten soll nicht von Tricks und Spezialeffekten ausgehen, sondern davon, dass wir mit Liebe und Zärtlichkeit dem zum Nächsten werden, den wir verwundet auf unserem Weg treffen.

 

Habt keine Angst, Bürger der digitalen Umwelt zu werden. Die Aufmerksamkeit und Gegenwart der Kirche in der Welt der Kommunikation ist wichtig, um mit dem Menschen von heute im Gespräch zu sein und ihn zur Begegnung mit Christus zu führen: Eine Kirche, die den Weg begleitet, weiß sich mit allen auf den Weg zu machen. In diesem Zusammenhang ist die Revolution der Kommunikationsmittel und der Information eine große und begeisternde Herausforderung, die frische Energien und eine neue Vorstellungskraft verlangt, um den Menschen die Schönheit Gottes zu vermitteln.

 

Aus dem Vatikan, am 24. Januar 2014, dem Gedenktag des hl. Franz von Sales

 

FRANZISKUS

 


 

Papst Franziskus führt uns in seinem anschaulichen Stil ins Innere dieser neuen Wirklichkeit. Er regt uns an, über die dialogische und zwischenmenschliche Dimension beim Gebrauch der Kommunikationsmittel nachzudenken. Seine Botschaft beendet er mit dem Bild des guten Samariters und definiert damit anschaulich, was Kommunikation seinem tiefsten Wesen nach ist: sich selbst zum Nächsten zu machen.

 

In seiner Grußadresse am 21. September 2013 an die Teilnehmer der Vollversammlung unseres Päpstlichen Rates für die Soziale Kommunikation hatte der Papst bereits einige Aspekte des Themas unseres Treffens aufgegriffen.

 

In Blick auf die Kirche in ihren Wirk- und Kommunikationsbereichen betonte er: „Ich denke, dass in allen Situationen über die Technologien hinaus das Ziel darin liegt, in den Dialog mit den Männern und Frauen von heute treten zu können … um ihre Erwartungen, Zweifel und Hoffnungen zu verstehen.“ Er fährt fort: „Es ist also wichtig, einen Dialog führen zu können, indem man mit Klugheit auch in die von den neuen Technologien geschaffenen Bereiche geht, in die sozialen Netzwerke, um präsent zu sein, um so zuzuhören, miteinander zu reden, zu ermutigen.

 

Kultur der Begegnung

 

Liest man diese Worte wieder, wird es offensichtlich, dass sie die grundsätzlichen Linien der Ekklesiologie beinhalten, die uns Papst Franziskus seit den ersten Tagen seines Pontifikates vorzeichnet. Es sind bedeutsame Leitlinien, die sich mit der vielschichtigen Thematik der Welt der Kommunikation treffen und auch in der heurigen Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel aufgegriffen werden. Die Kirche, die sich Papst Franziskus vorstellt, will kommunizieren, will einen Dialog mit der Frau und dem Mann von heute führen. Daher fühlt sie die Verpflichtung, sich mit einigen Dimensionen und Ansprüchen auseinanderzusetzen, die für eine Kultur der Begegnung erforderlich sind.

 

In der Botschaft richtet sich der Papst selbstverständlich an alle, auch an die Laien, die gleichermaßen gerufen sind, den zutiefst menschlichen Wert der Kommunikation zu achten:

 

Gute Kommunikation hilft uns, einander näher zu sein und uns untereinander besser kennenzulernen, in größerer Einheit miteinander zu leben. … Wir müssen die Differenzen beilegen durch Formen des Dialogs.

 

Sodann erinnert er uns daran, dass „die Mauern, die uns trennen, nur überwunden werden können, wenn wir bereit sind, einander zuzuhören und voneinander zu lernen“. Denn „die Kultur der Begegnung erfordert es, dass wir nicht nur bereit sind, zu geben, sondern auch zu empfangen.“

 

Papst Franziskus ist gegenüber den Möglichkeiten, die uns die neuen Technologien bieten, offen, aber er weist auch auf die realen Grenzen der aktuellen digitalen Kultur hin. Diese zu beachten, ist besonders Aufgabe aller, die sich näher mit dieser wachsenden Realität auseinandersetzen und sich in ihr engagieren. Die erwähnten Grenzen freilich „rechtfertigen keine Ablehnung der sozialen Medien. Sie erinnern uns vielmehr daran, dass die Kommunikation im Letzten mehr eine menschliche als eine technologische Errungenschaft ist.“

 

Papst am Puls der Zeit

 

Ihre ganze Tiefe erreicht die Botschaft des Papstes, wo sie die Jüngerschaft anspricht. Wie ich schon weiter oben bemerkt habe, benutzt Papst Franziskus ein Gleichnis, um sein Modell von Kommunikation anschaulich zu machen. Dazu benutzt er in erster Linie Begriffe, die Nähe bezeichnen. Vor allem liest er das Gleichnis des guten Samariters auf eine erhellende Weise neu. „Wer kommuniziert, wird tatsächlich zum Nächsten ... Der gute Samariter wird nicht nur zum Nächsten, sondern er übernimmt Verantwortung für den Menschen, den er halbtot am Straßenrand findet ... Zu kommunizieren bedeutet damit, bewusst Mensch und Kind Gottes zu sein.“

 

Der Papst fordert uns, die wir Jünger des Herrn sein wollen, wenn er uns daran erinnert, dass „ es nicht reicht, auf den digitalen Wegen unterwegs, also bloß vernetzt zu sein: Es ist notwendig, dass diese Vernetzung mit einer echten Begegnung verknüpft ist … Das digitale Netz kann ein Ort reich an Menschlichkeit sein, nicht ein Netz von Leitungen, sondern von menschlichen Personen … Nur wer in die Kommunikation sich selbst einbringt, kann einen Orientierungspunkt darstellen.

 

Die Kultur der Begegnung ist vor allem Aufmerksamkeit und Nähe zum Menschen auf seinem täglichen Weg, um mit ihm einen respektvollen Dialog zu entwickeln und ihn zur Begegnung mit Christus zu führen. Dazu ist es aber nötig, sich zuerst auf eine tiefe menschliche Beziehung einzulassen, in die jeder von uns das eigene Leben, den persönlichen Umgangsstil und die ganze Aufmerksamkeit dem anderen gegenüber einbringt.

 

Im Grunde genommen treffe ich meinen Nächsten zufällig. Auch der barmherzige Samariter findet den Verletzten unvorhergesehen und hält an, um ihm zu helfen. Es ist nötig, so rät uns Papst Franziskus, stehen zu bleiben, den Sinn für Langsamkeit und Ruhe wiederzuerlangen. Erst dann kann es uns gelingen, dem anderen zuzuhören und den, der uns braucht, wahrzunehmen.

 

Verantwortung für andere übernehmen

 

Im Wirbel der digitalen Beschleunigung stellt das eine große Herausforderung dar. Das Bild des Samariters, mit dem die Botschaft schließt, lehrt uns, dass es notwendig ist, für andere Verantwortung zu übernehmen. Wir können sie vielleicht nicht heilen. Jedoch beistehen, Verletzungen lindern, um sie dann jemand anderem anzuvertrauen, das ist uns möglich.

 

Das Bild des barmherzigen Samariters, der die Wunden des misshandelten Mannes verbindet und Öl und Wein auf sie gießt, sei uns ein Leitbild. Unsere Kommunikation sei duftendes Öl für den Schmerz und guter Wein für die Freude. Unser Leuchten soll nicht von Tricks und Spezialeffekten ausgehen, sondern davon, dass wir mit Liebe und Zärtlichkeit dem zum Nächsten werden, den wir verwundet auf unserem Weg treffen. Habt keine Angst, Bürger der digitalen Umwelt zu werden. Die Aufmerksamkeit und Gegenwart der Kirche in der Welt der Kommunikation ist wichtig, um mit dem Menschen von heute im Gespräch zu sein und ihn zur Begegnung mit Christus zu führen: Eine Kirche, die den Weg begleitet, weiß sich mit allen auf den Weg zu machen.

 

Die Botschaft zeigt uns also von neuem einen Papst Franziskus, der seine Zeit aufmerksam wahrnimmt, der fähig ist, die Technologien zu nutzen, die er sehr gut kennt und gleichzeitig einen aufmerksamen Zuhörer des Menschen, seiner Hoffnungen und Leiden. Einen Papst, für den die Kommunikation von überragender Bedeutung ist, die zwar eine Herausforderung darstellt, der man sich allerdings heute weniger denn je entziehen kann. Schließlich − ich wiederhole es häufig − hat die Kirche, von der der Papst spricht, weit geöffnete Türen. Sie ist der Welt zugewandt, geht hinaus auf die Straße, um selbst zur Nächsten zu werden, immer näher jener Menschheit, die er selbst jeden Tag zu erreichen versucht.

 

Frische Kräfte und neue Ideen sind es, die der Papst von uns fordert. Ein hoher Anspruch an uns alle, die wir gerufen sind, weiterzugehen, um unserer Sendung immer mehr zu entsprechen: am Weg Halt zu machen und unserem Nächsten beizustehen.

 

 

Erzbischof Claudio Celli

Übersetzung: Georg Schimmerl

 

 

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