Donnerstag 25. Mai 2017
18. Juni 2014

1. Weltkrieg: "Urkatastrophe im 20. Jahrhundert"

Gottesdienst in Mariazell zum Abschluss der Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz

Als "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" hat Kardinal Christoph Schönborn den Ersten Weltkrieg in seiner Predigt beim Abschlussgottesdienst der Bischofskonferenz in Mariazell bezeichnet. Der Messe Mittwochmittag stand der steirische Bischof Egon Kapellari vor, der die Sorge der Bischöfe um die kriegsgeplagten Menschen - besonders auch die Christen - im Nahen Osten und den vielen anderen Kriegsschauplätzen weltweit bekräftigte. Mit den heimischen Bischöfen stand auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Stephan Zurbriggen, dem Gottesdienst vor.

 

Ohne den Ersten Weltkrieg wären weder der Nationalsozialismus noch der Kommunismus in dieser Form denkbar gewesen, unterstrich Kardinal Schönborn in seiner Predigt. Alle europäischen Integrationsbemühungen seien letztlich auch das Bemühen um die Aufarbeitung der Folgen dieses Krieges.

 

Die Gründe für den Weltkrieg seien freilich schon im 19. Jahrhundert zu suchen, als Europa immer mehr von Nationalismus und Rassenideologie erfasst worden war. Der Kardinal bezeichnete beide Entwicklungen als "Götzendienst" und "Abfall vom wahren Gott".

 

Doch auch in den schlimmsten Zeiten des 20. Jahrhunderts habe Gott Lichtgestalten gesandt, die davon zeugten, "dass Gott auch in der dunkelsten Zeit die Menschen nicht verlässt". Schönborn würdigte u.a. die heilige Sr. Maria Faustyna Kowaslka (1905-1938) und die Friedensbemühungen von Bertha von Suttner (1843-1914) und von Papst Benedikt XV. (1914-1922). Die Friedensnobelpreisträgerin, deren Todestag sich dieser Tage zum hundersten Mal jährt, und der Papst hätten sich unermüdlich um Frieden und Umkehr bemüht. Weiters ging Schönborn auf den seligen Kaiser Karl (1887-1922) ein. Dieser habe in seinen Friedensbemühungen die Ohnmacht gegenüber der Macht des Hasses erleben müssen.

 

Schließlich sei aus den Grauen des Krieges als Gegenbewegung aber auch viel Gutes gewachsen, so Schönborn. Zahlreiche Friedensinitiativen seien entstanden und nicht zuletzt sei auch die ökumenische Bewegung, die sich um die Einheit der christlichen Kirchen bemüht, eine Frucht des Weltkrieges.

 

Jeder einzelnen Christ sei aufgerufen, sich in seinem Bereich für Frieden und Versöhnung zu bemühen, so Schönborn abschließend: "Wir können nicht den Frieden im Irak, in Syrien oder in der Ukraine bewirken. Aber wir können in unserem eigenen Herzen Frieden einziehen lassen und diesen ausstrahlen."

 

Quelle: Kathpress

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