Dienstag 17. Januar 2017
09. Juli 2014

IMABE: Prävention bei Drogenpolitik vorrangig

Kirchliches Bioethik-Institut verweist auf unterschätztes Gefahrenpotenzial bei Cannabis und Zunahme der Designerdrogen.

Höchste Priorität beim Drogenthema für die Prävention fordert das in Wien beheimatete Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE): "Aus Perspektive von Public Health ist die Frage zentral, warum Menschen überhaupt zu Suchtmittel greifen. Drogenkonsum hat ein sehr hohes Potenzial, Menschen in die Selbstzerstörung zu führen", so IMABE-Geschäftsführerin Susanne Kummer gegenüber "Kathpress". Das kirchliche Institut verweist dabei auf neueste US-Studien über Gefahren von Cannabis, der weltweit am häufigsten konsumierte Droge, sowie auf den UN-Weltdrogenbericht.

Schon nach kurzfristigem Konsum des Suchtmittel Cannabis - dem Rohstoff für die Drogen Marihuana und Haschisch - zeigen sich laut der Hirnforscherin Nora Volkow vom US-amerikanischen National Institute on Drug Abuse (NIDA) Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der motorischen Koordination, zudem kann eine hohe Dosis auch Wahnvorstellungen oder Psychosen auslösen. Langfristiger Konsum könne sehr wohl zur Abhängigkeit führen, so die Forscherin, die mit ihrem Team dazu 80 Studien der vergangenen zehn Jahre ausgewertet und die Ergebnisse im "New England Journal of Medicine" publiziert hat.

 

Beginnt Cannabis-Konsum bereits im Jugendalter, ist dessen Gefahrenpotenzial deutlich höher, geht aus Volkows Daten hervor. Jugendliche werden viel eher (17 Prozent der Langzeit-Konsumenten) Cannabis-abhängig als der Durchschnittsnutzer (neun Prozent), zudem treten bei ihnen weit eher Störungen der Hirnentwicklung infolge des Konsums auf und auch ihr IQ im Erwachsenenalter verringert sich, selbst wenn sie inzwischen den Cannabis-Konsum wieder eingestellt haben.

 

Marihuana-Konsum bringe für Teenager somit gesundheitliche, soziale und schulische Risiken, so Volkow, die vor einer Legalisierung der Droge für nicht-medizinische Zwecke warnt und von Ärzten mehr Aufklärung fordert.

 

Auf ein Verschieben der Problemlage deutet indes der Ende Juni in Wien präsentierte UN-Weltdrogenbericht, der die weltweite Ausbreitung synthetischer Drogen ("Designerdrogen") abbildet. Zugenommen hat demnach vor allem die Herstellung von Amphetaminen, zu denen auch das Rauschmittel "Crystal Meth" gehört. Blieb der allgemeine Drogenkonsum auch stabil - 2012 nahmen rund 243 Millionen Menschen illegale Suchtmittel - so nehmen Designerdrogen mit 34 Millionen Konsumenten nach Cannabis (178 Millionen) bereits den zweiten Platz ein. Von 2009 bis 2013 hat sich die Zahl synthetischer Drogensorten von 166 auf 348 mehr als verdoppelt. International kontrolliert und verboten sind 234 Drogen.

 

In Europa wurde Cannabis 2013 von 18,1 Millionen Menschen (5,3 Prozent) konsumiert, 14,6 Millionen davon waren im Alter zwischen 15 und 34 Jahren. Jüngsten Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Österreicher gegen eine Cannabis-Legalisierung.

 

Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) betonte am Wochenende in den "Salzburger Nachrichten", der Konsum von Suchtmitteln wie Cannabis dürfe "keinesfalls erleichtert werden". Er wie auch Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) setzen auf Therapie und auf Prävention. Diese Position bekräftigte ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger in der ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum" am Sonntag. Hintergrund für die Debatte um die Freigabe von Cannabis ist eine aktuelle Initiative der Sozialistischen Jugend (SPÖ).


Quelle:kathpress
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