Mittwoch 22. Februar 2017
20. August 2014

"Motivationshilfe" für Christen heute

St. Pöltner Bischof Küng veröffentlicht Buch mit Aufsätzen und Reden über Glaubensleben, Fragen von Ehe und Familie und Lebensschutz.

Eine "Motivations- und Argumentationshilfe" für Christen in der modernen Welt hat der St. Pöltner Bischof Klaus Küng veröffentlicht: Im Fokus seines neuen, im Pustet-Verlag erschienenen Buches "Damit sie das Leben haben" stehen dabei vor allem die Küngschen "Leib- und Magenthemen" Ehe und Familie, Lebensschutz, aber auch Fragen des Glaubenslebens insgesamt. Der Sammelband enthält Vorträge, Reden und Predigten und schließt mit Betrachtungen von Mitarbeitern Bischof Küngs sowie einem ausführlichen Lebenslauf ab.

 

Ziel des Bandes sei es, den Lesern "Anstoß und Argumente" zu geben, damit sich Christen heute "in die verschiedenen öffentlichen Debatten einbringen" können, schreibt der in der Bischofskonferenz u.a. für die Themen Lebensschutz und Ehe und Familie zuständige Bischof in seinem Vorwort. Schließlich hätten Christen "den Auftrag, ihren Glauben in der Welt von heute zu bekennen" und argumentativ zu vertreten.

 

Schönborn: "Stimme, die man nicht missen möchte"

 

Kardinal Christoph Schönborn würdigt Küng, der heuer den 25. Jahrestag seiner Bischofsweihe und den 10. Jahrestag als Bischof von St. Pölten feiert, als umsichtigen, klugen und einfühlsamen Seelsorger und Kirchenmann. Er zeichne sich durch eine Haltung des "vertrauenden Sorgens" aus und habe nicht zuletzt durch seine Tätigkeit in der Diözese St. Pölten maßgeblich dazu beigetragen, "dass die Kirche in diesem Land wieder in ruhigeren Wassern fährt und sich wieder mehr ihrem Kernauftrag widmen kann". Zugleich zeigt sich Schönborn überzeugt, dass Küng "gerade in der heutigen, zunehmend lärmenden Gesellschaft" eine gewichtige Stimme besitze, "die gehört und respektiert wird, die man nicht missen möchte."

 

Antworten auf drängende Fragen

 

Gruppiert sind die Texte um die drei großen Themenbereiche Leben mit Gott, Ehe und Familie sowie Lebensschutz. Die Texte des ersten Bereichs enthalten zum Teil sehr persönliche Betrachtungen Bischof Küngs zu seinem persönlichen Lebens- und Glaubensweg, etwa einen Bericht über eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg, aber auch theologische Betrachtungen zur Eucharistie, zur Mariologie sowie zum Auftrag der Laien in der Kirche. Darin hält Küng etwa fest, dass es Aufgabe der Laien sei, "dem Prozess der Säkularisierung entgegenzuwirken und zur Heiligung der Welt beizutragen". Dem "göttlichen und menschlichen" Abenteuer des Priestertums widmet Küng außerdem seine Betrachtungen "40 Gründe, Priester zu sein".

 

Die Folgen einer zunehmend säkularen Gesellschaft für Ehe und Familie beschreibt Küng im zweiten großen Themenbereich des Bandes. Darin entwickelt er etwa das Konzept der "Hauskirche" als eine mögliche Antwort für eine zeitgemäße christlich-familiäre Lebensweise, schließlich sei die christlich geprägte Familie ein zentraler Hoffnungsschimmer für Europa - gerade auch angesichts der demografischen Entwicklung. Problematisch sei heute laut Küng u.a. ein Verlust an bewusst übernommener Vaterschaft. Kinder bräuchten Vater und Mutter gleichermaßen - ein Ausfall einer dieser Rollen hätten mitunter schwerwiegende Folgen für das Kind.

 

Am Anfang und Ende des Lebens

 

Die Haltung der katholischen Kirche in Fragen des Lebensschutzes skizziert Küng schließlich als Ausgangspunkt seiner eigenen Positionen im dritten Kapitel des Bandes. Ausgehend von zentralen vatikanischen Dokumenten wie "Donum vitae" und "Dignitas personae" verankert Küng die gewichtige kirchliche Position von der unbedingten Achtung der menschlichen Person von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod u.a. im Naturrecht.

 

Aktuell auch Küngs Einspruch bei Fragen der Sterbehilfe: So sei auch hierzulande die Gefahr noch nicht gebannt, "dass es früher oder später (...) zu einer Legalisierung der Euthanasie kommen könnte". Eine solche Legalisierung würde jedoch "eine Straße eröffnen, die in eine verhängnisvolle Richtung führt." Die Vorstellung uneingeschränkter "Machbarkeit" und Verfügung des Lebens trage ebenso zu einer solchen Entwicklung bei wie etwa finanzielle Engpässe im Gesundheitswesen. Zugleich müsse man bei der gegenwärtigen Debatte auch fragen, welches Menschenbild hinter den Erwägungen zur Einführung einer aktiven Sterbehilfe stehe: Es sei dies ein Menschenbild ohne Leiden und Sterben: "Ist noch Platz für diese Realität des Lebens, die aus Werbung, Film und öffentlichem Bewusstsein ganz verdrängt wird - und doch jeden von uns immer wieder einholt?"

 

Ein "delikates" Thema greift Küng schließlich im letzten Text zum Thema "Kirche, Aids und Kondome" auf. "Ist die Kirche von allen guten Geistern verlassen?", bringt Küng eine in der Debatte um Aids häufige, klischeeartige Position auf den Punkt. Wie könne die Kirche schließlich angesichts der Aids-Problematik vom Gebrauch von Kondomen abraten? In seiner Antwort zeigt Küng schließlich die ganze Komplexität der Aids-Problematik auf, die sich nicht in der Kondom-Frage allein erschöpfend beantworten lasse. Eine gelingende Aids-Prophylaxe hänge nicht nur an der Frage nach dem Kondom-Gebrauch, sondern etwa auch am Lebensstil und an der Haltung zur Sexualität insgesamt, so Küng.

 

Der Band "Damit sie das Leben haben. Leben mit Gott - Ehe und Familie - Lebensschutz" ist im Verlag Friedrich Pustet erschienen und kostet 25,70 Euro.

 

Quelle: Kathpress

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