Dienstag 23. Mai 2017
08. September 2014

"Umweltbewusstsein in den Kirchen stärken"

Internationale Fachtagung der "ARGE Schöpfungsverantwortung" präsentiert konkrete kirchliche Projekte angesichts Öko-Krise.

Es ist möglich angesichts einer scheinbaren Ohnmacht gegenüber den massiven ökologischen Bedrohungen Verhältnisse zu ändern und Sinn zu finden. Das war Grundtenor einer international und interdisziplinär besetzten Fachtagung am Freitag in Wien. Dabei diagnostizierte die kirchliche Umweltaktivistin und Leiterin der "ARGE Schöpfungsverantwortung", Isolde Schönstein, ein nach wir vor mangelhaftes Bewusstsein für ökologische Themen in Kirche und Gesellschaft. Es gelte das Umweltbewusstsein in der Kirche hierzulande zu stärken - gute Beispiele böten bereits diverse kirchliche Projekte in anderen europäischen Ländern, die auch Thema der Fachtagung waren.

 

Der Religionspädagoge Prof. Martin Jäggle problematisierte in seinem Impulsvortrag den Umstand, dass die Begriffe "Natur" und "Schöpfung" in der Regel synonym verwendet werden. Das bewirke oft, dass umweltgerechtes Verhalten "religiös legitimiert und überhöht wird." In der Folge steige der normative Druck, aber "ohne dass die Handlungsmöglichkeiten größer werden", schilderte Jäggle die problematischen Konsequenzen gerade auch für engagierte Menschen. Es gelte daher den Unterschied zwischen Natur und Schöpfung zu beachten.

 

Die Natur sei ein Sachverhalt, die Schöpfung ein Bekenntnis. Diesem liege ein "sich als Geschöpf erfahren" zugrunde: "Anders kann ich nicht Gott als Schöpfer bekennen." Aufgrund des "von Gott angesprochen seins" trage der Mensch auch Verantwortung. In der Schöpfungstheologie gehe es um "Machtverhältnisse und ihre kreative Steuerung". Die christlichen Verheißungen sollten dabei Mittel- und Ausgangspunkt, so Jäggle. "Es geht um 'gutes Leben' und das hängt davon ab, welches Bild vom 'guten Leben' ich habe." Energieverbrauch könne als Messgröße der Gewalt gegenüber der Natur gebraucht werden. Es gehe somit um Fragen der Macht und der Gewalt. "Wir brauchen ein anderes Bild von Stärke und ein anderes Verständnis von Macht. Von daher war Jesus stark."

 

Der Wissenschaftler und Umweltaktivist Prof. Peter Weish verwies in einem Statement "Zur Lage der Welt" auf einige zerstörerische Entwicklungen auf globaler Ebene: Akkumulation von Macht, von Finanzkapital, Waldzerstörung und eine Rüstungsspirale. Die Menschheit brauche eine grundlegende Änderung. Neben der Wiederbewaldung müsse man von einer Machtakkumulation zum Machtabbau kommen. "Wir müssen das Menschliche und die Verantwortung wieder zum Bestimmenden machen." Es gelte in Zukunft weniger auf erschöpfliche Ressourcen zu setzen und mehr dauerhafte, reparaturfähige Produkte herzustellen.

 

Alternativer Lebensstil und konkrete Projekte

 

Weish forderte daher eine "Gesamtalternative". "Gerade die Bewohner der reicheren Länder müssen sich bemühen, auf kleinerem Fuß zu leben." Nur so sei garantiert, dass auf unserem begrenzten Planeten genug für Arme und die kommenden Generationen übrig bleibe. Deshalb sollen Konsumenten zum Beispiel beim Kauf eines Gerätes auf Energieeffizienz und Lebensdauer des Produktes achten.

 

Bei der im Rahmen der von den christlichen Kirchen derzeit begangenen Schöpfungszeit (1. September bis 4. Oktober) durchgeführten Tagung ging es auch um den Austausch konkreter Projekterfahrungen. Dabei stellte die Schweizer reformierte Theologin Karin Bedrull-Gerschwiler die Aktivitäten des 1986 in Bern gegründeten ökumenischen Vereins "oeku Kirche und Umwelt" vor. Dieser erarbeitet seit damals regelmäßig die theologischen Grundlagen zur Schöpfungszeit und Materialien für den Schulunterricht, bietet praktische Umweltberatung für die Kirchengemeinden und Kurse für die Liegenschaftsverantwortlichen der Kirchengemeinden an.

 

Über den hohen Stellenwert von Schöpfungsverantwortung in der ukrainisch-katholischen Kirche berichtete der Theologe Volodymyr Scheremeta. Bei der in Ausarbeitung befindlichen kirchlichen Strategie bis 2020 sei vorgesehen, Schöpfungsverantwortung in Verkündigung, Liturgie und karitativen Wirken fest zu verankern. Neben der Bewusstseinbildung gebe es auch ganz konkrete Maßnahmen. So habe die Kirche vor einigen Monaten eine Stelle für Energieeffizienz gegründet worden, deren Aufgabe es sei, Vorschläge zu erarbeiten, um kirchliche Gebäude umweltfreundlicher zu machen, berichtete der ukrainische Theologe.



Quelle: kathpress
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