Mittwoch 22. Februar 2017
24. Oktober 2014

Trauerpastoral als kirchliche Kernkompetenz

Wiener Pastoraltheologe Pock: "Veränderungen in der Gesellschaft erfordern Suche nach passenden liturgisch-rituelle und seelsorgliche Formen und Mitteln".

Mit der Gesellschaft verändern sich Formen der Trauer und der Umgang mit dem Tod. Davon unmittelbar betroffen ist auch die kirchliche Trauerpastoral und Begräbniskultur. Für den Wiener Pastoraltheologen Johann Pock ergeben sich daraus neue Anforderungen an die kirchliche Seelsorge im Trauerfall, die zu den "Kernkompetenzen der Kirche" gehört, so Pock in einem Gespräch mit "Kathpress" zu den Festtagen Allerheiligen und Allerseelen. Es gelte liturgisch-rituelle und seelsorgliche Formen und Mittel zu finden, "um dem Auftrag, Menschen in schwierigen Zeiten Trost zu spenden, gerecht werden zu können".

Marker einer "postmodernen Trauerkultur" seien, so der Theologe, eine "extreme Individualisierung und Pluralisierung, verbunden mit dem Zwang, fast alles selbst entscheiden zu können und entscheiden zu müssen". Diese Haltung habe auch Auswirkungen auf das kirchliche Angebot im Fall der Trauer, denn "Institutionen und ihre Traditionen werden nicht mehr als selbstverständlich und als identitätsstiftend beziehungsweise identitätsstabilisierend erfahren". Hinzu komme eine "starke Mobilität" und mit ihr das Fehlen der Zugehörigkeit zu einem "stabilen Sozialgefüge eines Dorfes oder einer (Pfarr-)Gemeinschaft".

 

Zugleich hätten sich Bedingungen und das soziale Erleben von Sterben, Tod und Trauer "massiv verändert". Die verlängerte Lebensweise gehe damit einher, dass heute durchschnittlich nur mehr alle 15 bis 20 Jahre ein Todesfall im engeren familiären Umfeld eintritt. "Damit verschwindet der Tod aus dem unmittelbaren Erfahrungsbereich", so Pock.

 

Der medizinische Fortschritt habe den Tod außerdem von einer "Erlösung aus dem Jammertal" hin zu einem "Schrecken, der im normalen Leben nicht gegenwärtig ist" gewandelt. Die Verdrängung des Todes aus den Häusern der Menschen sei darüber hinaus durch die Verlagerung des Sterbeortes aus dem häuslichen Umfeld in die Krankenhäuser und Altersheime verstärkt worden.

 

Einen klaren Bruch ortet der Pastoraltheologe auch mit traditionellen Trauerriten und Trauergebräuchen, "was zu Unsicherheiten im Trauerfall führt". Damit einhergehe eine Privatisierung und Individualisierung von Tod, Sterben und Trauer. Gleichzeit nehme aber die Bereitschaft zu, sich persönlich und über Institutionen, etwa die Hospizbewegung und andere Initiativgruppen, bei der Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden zu engagieren. "Schließlich wäre noch eigens zu bedenken, dass es vermehrt Menschen mit anderen Konfessionen und Religionen in unserem Land gibt", merkte Pock an. "Die Landschaft der Trauer- und Begräbnisriten wird damit bunter." Dazu kämen auch die immer breitere Palette von Bestattungsformen und das wachsende Arbeitsfeld von Bestattern.

 

Kirchliche Kernkompetenz wieder stärken

 

Diese Veränderungen zeigten deutlich, dass die Kirche ihr "jahrhundertelanges Monopol auf die Begräbnisse verloren" habe - obwohl sie weiterhin erste Ansprechpartnerin und Kompetenz für Trauerarbeit sei, so Pock. Konkrete Chancen, hier gegenzusteuern, sieht der Pastoraltheologe etwa in den kirchlichen Ritualen an den Lebensübergängen, denn selbst kirchenferne Menschen würden in Krisensituationen verstärkt nach Ritualen und Amtshandlungen suchen. Der Ausschluss von Ausgetretenen oder Nichtchristen wäre vor diesem Hintergrund aus "pastoralen und theologischen Gründen unklug".

 

Keine "zerstückelte" Begleitung

 

Im Mittelpunkt der Trauerpastoral müsse die Begleitung stehen. Erst ein solcher umfassender Blick auf die Notwendigkeit, Menschen umfassend in ihrer Trauer und Abschiednahme zu begleiten, könne die aktuelle "sektorisierte Pastoral", die sich in Altenpastoral, Krankenhausseelsorge, Hospizarbeit etc. aufsplittet, neu zusammenfügen. Pock: "Wenn diese einzelnen pastoralen Orte nicht zusammenarbeiten, wird eine große Chance für die Begleitung vertan." Denn Krankenhausseelsorger seien überfordert, wenn sie auch die Nachbetreuung und Begleitung von Angehörigen übernehmen müssten.

 

Zugleich votiert Pock für die Förderung einer "christlichen Erinnerungskultur": "Das Anbieten von und das Einladen zu Gottesdiensten an Jahrestagen, das Einbeziehen des Totengedächtnisses in die Gottesdienste, in die Publikationsorgane, in das Gemeindeleben ist nicht nur ein Dienst an den Verstorbenen, sondern eine Arbeit an einer positiven Trauerkultur."



Quelle: kathpress
comments powered by Disqus
Fotogalerien zurück #weiter#
70 Jahre Kathpress
Festakt mit Promi-Faktor
Franziskus wird 80
Pressekonferenz Biko 2016
Schönborn & Bünker
Herbstvollversammlung 2016
Bischofskonferenz
Schönborn in Ägypten
Videos zurück #weiter#
image
P. Nikodemus Schnabel OSB
Vortrag 2017
image
Bistum Osnabrück second
Botschaft an Präsident Trump
image
Papst Franziskus
Super Bowl 2017
image
Papst: Gebetsmeinungen
Februar 2017
image
70 Jahre Kathpress
Das Video zum Jubiläum
Audio zurück #weiter#
Fischer predigt
Ehemaliger Bundespräsident
Kardinal Schönborn
Wissenschaft und Glaube
"Wir brauchen das Ehrenamt"
Freiwilligenmesse-Initiator Walk
"Gemeinsam am Weg"
KJ-Vorsitzende zu 70 Jahre KJ
70 Jahre KJÖ
Jugendbischof Turnovszky
Tipps
Ordens-ABC
Die Ordensgemeinschaften Österreichs im Überblick
Woanders zurück #weiter#
Februar 2017
Die katholisch.at-Presseschau
Jänner 2017
Die katholisch.at-Presseschau
Dezember 2016
Die katholisch.at-Presseschau
November 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Oktober 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Blogportal
Ulrike Hofstetter | 28.12.2016

Mundgerechte Happen - schwer verdaulich

Meine Freundin Frieda hat jetzt eine neue App auf ihrem Handy. Eine Bibel App.
Paul Wuthe | 14.12.2016

Katholische Kirche Anno Domini 2016

Ökumene, Familie, Flüchtlinge, Barmherzigkeit und Kirchenreform - die großen...
Paul Wuthe | 28.11.2016

Bundespräsidentenwahl mit zwiespältigen religiösen Signalen

Keine Wahlempfehlung, aber der Versuch einer Einordnung einer...
Kalender
22.02.2017 | 09:00 | Graz
Kalvarienberger Handarbeitsrunde
Jeden Mittwoch um 9:00 Uhr in der Bibliothek im Pfarrzentrum Kalvarienberg mehr »
22.02.2017 | 09:00 | Unterbergen
Priesterskitag 2017
Die DSG Kärnten lädt recht herzlich zu einem Priesterskitag und -rennen. Zur Geschichte des... mehr »
22.02.2017 | 18:30 | Furth bei Göttweig
Singtreffen
Offenes Singen mehr »
Medienreferat der
Österreichischen
Bischofskonferenz

Stephansplatz 4/6/1
A-1010 Wien
©2017 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.
http://www.katholisch.at/
Darstellung: