Samstag 25. März 2017
15. November 2015

Österreichs Kirchenspitzen rufen zu Zusammenhalt auf

Kardinal Schönborn: Bewährungsprobe der europäischen Wertegemeinschaft - Metropolit Arsenios: Gewalt im Namen Gottes hat nichts mit Religion zu tun.

Terror in Paris - November 2015
Tief betroffen von den Pariser Terroranschlägen von Freitagnacht haben sich die Spitzenvertreter der Kirchen in Österreich gezeigt. Sein Mitgefühl gelte den Getöteten, den Verwundeten und deren Familien, so Kardinal Christoph Schönborn in einer ersten Stellungnahme. Der Wiener Erzbischof, der als Student in Paris gelebt hat: "Ich bete für sie und für alle Menschen dieser Stadt, die mir so ans Herz gewachsen ist. Ich bitte alle Menschen guten Willens, gleich welcher Religion sie angehören, in dieses Gebet einzustimmen - um Trost inmitten des Terrors und um Kraft inmitten großer Verunsicherung." Nun brauche es ebenso Besonnenheit wie Entschlossenheit, um in dieser Bewährungsprobe der europäischen Wertegemeinschaft die richtigen Antworten auf das "abgrundtief Böse" zu finden, das sich in den Anschlägen manifestiert.

Arsenios: Terror fordert Islam heraus
Tief betroffen hat sich auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) gezeigt. Sein Gebet sei bei den Getöteten, den Verwundeten und deren Familien. Der Metropolit verurteilte die Anschläge auf das Schärfste und appellierte an die politisch wie religiös Verantwortlichen, alles zu unternehmen, um dem Terror Einhalt zu gebieten. Wenn jemand im Namen Gottes tötet, habe dies nichts mit Religion zu tun. Der islamistische Terror sei vor allem auch eine Herausforderung für den Islam und die muslimischen Länder, die sich davon entschieden distanzieren müssten. Der Islam müsse zeigen, dass er eine friedliche Religion sei, dem die friedliche Koexistenz mit allen Menschen ein Anliegen sei, forderte der Metropolit.

Bünker: Warnung vor Spaltung Europas
Erschüttert hat auch der evangelische Bischof Michael Bünker zu den Terroranschlägen Stellung genommen. "Wir dürfen der Gewalt nicht das letzte Wort lassen", so sein Appell an Politik, Kirchen, Religionennund die gesamte Zivilgesellschaft. Gerade angesichts solch furchtbarer Taten gelte es, "zusammenzustehen" und entschlossen gegen die Ursachen des Terrors vorzugehen. Der Bischof nahm dabei auch die Teilnehmer der Syrien-Konferenz in Wien in die Pflicht. Der Bischof warnte vor einer Spaltung Europas. Das dürfe nicht passieren, damit würde man den Drahtziehern der Anschläge nur noch in die Hände spielen. Sein Mitgefühl gelte des Opfern und deren Familien, so der lutherische Bischof.

Bei nahezu zeitgleichen Anschlägen an mehreren Orten in Paris wurden Freitagabend mindestens 120 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt. Einige Medien berichteten sogar von mindestens 150 Toten. Der französische Präsident Francois Hollande verhängte noch Freitagnacht mit sofortiger Wirkung den Ausnahmezustand.
Der Vatikan hat die Anschläge in Paris "auf das Schärfste" verurteilt. "Es handelt sich um einen Angriff auf den Frieden der gesamten Menschheit und verlangt nach einer klaren und solidarischen Entscheidung aller, um der Ausbreitung des mörderischen Hasses in all seinen Formen entgegen zu treten", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi Samstagfrüh in einer ersten Reaktion gegenüber "Radio Vatikan".

Papst Franziskus habe die Nachrichten von den Terroranschlägen mit Bestürzung zur Kenntnis genommen, so Lombardi weiter, Der Vatikan sei "erschüttert von diesem neuen Ausbruch von terroristischer Gewalt und von Hass". Man bete für die Todesopfer, die Verletzten und für das gesamte französische Volk.
Politik ruft zur Geschlossenheit auf
Tief erschüttert und entsetzt haben sich nationale und internationale Politiker zu den Terroranschlägen in Paris geäußert. Bundespräsident Heinz Fischer sagte in einer ersten Stellungnahme: "Ich drücke dem französischen Volk und insbesondere den Angehörigen der Opfer meine tief empfundene Anteilnahme aus", sagte der Bundespräsident: "Das sind Stunden, wo wir alle fest zusammenhalten müssen und Geschlossenheit gegen Unmenschlichkeit zeigen müssen."

"Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Opfern und deren Angehörigen", so Bundeskanzler Faymann, der seine vollste Solidarität mit Frankreich zum Ausdruck brachte, "die internationale Gemeinschaft muss jetzt zusammenstehen, gemeinsam gegen den Terror."

"Wir haben ein weiteres Mal einen abscheulichen Versuch erlebt, unschuldige Zivilisten zu terrorisieren", so US-Präsident Barack Obama. Die USA seien bereit, jede Unterstützung zu liefern, die die Regierung und die Bevölkerung Frankreichs benötigten.

In gleicher Weise äußerte sich Russlands Präsident Wladimir Putin: Russland verurteile das" unmenschliche Massaker" und sei bereit, die Untersuchung dieser terroristischen Verbrechen zu unterstützen.

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck erklärte: "Ich bin tief erschüttert angesichts der Nachrichten, die uns aus Frankreich erreichen." Seine Gedanken seien "bei den Opfern, ihren Angehörigen und dem französischen Volk". Ähnlich äußerten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier. "Wir stehen an der Seite Frankreichs", erklärten sie.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich zuversichtlich, "dass das französische Volk diese erneute Prüfung bewältigen wird".

"Diese Anschläge richten sich nicht nur gegen das französische Volk, sondern gegen die gesamte Menschheit, gegen Demokratie und Freiheit und alle gültigen Werte", sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu: "Terror hat keine Religion, keine Nationalität. Terror ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit."
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