Sonntag 28. Mai 2017
20. Dezember 2015

"Den Griechen geht es immer schlechter"

Arsenios im "Kurier"-Interview: Arbeitslosigkeit, ständig neue Steuern, gekürzte Pensionen und Löhne und die fehlende Solidarität Europas machten den Griechen zu schaffen

Metropolit Arsenios Kardamakis

Arsenios Kardamakis, gebürtiger Grieche und griechisch-orthodoxer Metropolit von Austria, zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Lage in Griechenland: "Die Griechen sehen keine Perspektive und Hoffnung", sagte er in einem Interview mit dem "Kurier" am Sonntag. Spürbar werde das vor allem im Alltag. Es gebe ständig neue Steuern, Löhne und Pensionen würden gekürzt. "Die Sparguthaben sind nach fünf Jahren Krise aufgebracht."


Schwer zu schaffen mache den Griechen auch die steigende Arbeitslosenzahl. Dass noch nicht viele Hungern sei vor allem dem Zusammenhalt in den Familien geschuldet. "Wenn einer in der Familie Arbeit hat oder Opa und Oma eine Rente haben, leben alle davon. Es gibt noch genug zu essen, weil die Familie, die Freunde und die Kirche da sind. Es gibt immer mehr von den Pfarren organisierte Ausspeisungen. Es werden in allen großen Städten an die Familien Lebensmittel verteilt."

Etwas besser gehe es hingegen den Bauern, "weil sie ihr Produkte selbst anbauen. Davon können sie leben. Aber sie sind beunruhigt, weil ihre Sozialversicherungsbeiträge um mehr als 30 Prozent erhöht werden sollen. Sollte das so umgesetzt werden, wird die Landwirtschaft zerstört."

Von Ministerpräsident Alex Tsiparis erwartet er keine Wende zum Guten. "Wenn er seine Arbeit gut gemacht hätte, hätten die Griechen Hoffnung. Es ist aber keine Besserung in Sicht. Die Menschen haben keine Perspektive. Sie sind enttäuscht. Sie haben die linke Regierung gewählt, weil sie Änderungen erhofft haben. Aber sie zeigt zu wenig Reformbereitschaft. Auch die globale Situation trägt nicht dazu bei, dass es besser wird."

Nachvollziehen könne er die Kritik der Europäer, dass die staatlichen Institutionen in Griechenland nicht gut genug funktionieren. "Ich sehe aber nicht den Willen der Regierung, das zu ändern. Es gibt keinen Aufbruch." Es sei auch noch nicht definitiv entschieden, ob Griechenland auf Dauer im Euro-Raum bleiben könne.

Von Europäischen Union zeigte sich der Metropolit enttäuscht. "Die EU hat nicht genug getan, um die Wirtschafts- und Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Auf der einen Seite waren Länder wie Griechenland in der Krise, auf der anderen Seite haben Länder wie Deutschland daran verdient. Für diese Länder gab es Wachstum und ihre Geschäfte gingen gut. Mit der Lösung vom Juli hat sich Europa zu spät solidarisch gezeigt."

Flüchtlingsproblematik zu spät ernst genommen
Kritik übte der Metropolit auch an Europas Reaktion auf die Flüchtlingskrise. Obwohl Griechenland bereits seit Jahren betone, es gebe hier ein Problem, habe das zunächst niemand ernst genommen. "Erst als die Flüchtlinge nach Mitteleuropa gekommen sind, hat man das Problem entdeckt und eine gesamteuropäische Lösung gesucht." Aber auch hier fehle die Solidarität innerhalb der Staatengemeinschaft.

"In Europa herrscht das Ich und nicht das Wir. Es kommt zu einer Re-Nationalisierung. Man hat versucht, das Christentum außen vor zu lassen. Es ist zu einer Entwurzelung des Christentums und der Solidarität gekommen. Das ist einer der Gründe, warum es zum Rechtsextremismus in Frankreich gekommen ist." Das Materielle, das Immaterielle und das Spirituelle seien nicht im Gleichgewicht. Dort, wo das Spirituelle unterdrückt werde, würden andere Ausdrucksformen seinen Platz einnehmen. Zum Beispiel die verschiedenen Formen von Fanatismus. Die EU benötige eine Vision der Menschlichkeit und weniger die Betonung des Wirtschaftlichen.

Angesprochen auf die wachsende Zahl an Muslimen in Europa meinte der Metropolit: "Das Christentum verpflichtet uns zur Liebe. Aber wir müssen auch schauen, dass unsere Liebe und unsere Werte respektiert werden. Wenn das passiert, gibt es keine Gefahr der Islamisierung. Wenn wir unsere Werte und Traditionen nicht betonen, werden andere das mit ihren Werte und Traditionen machen. Es geht nicht um Konkurrenz, sondern darum, zu zeigen, dass unsere Art und Weise zu leben auch gut ist."
Quelle: Kathpress
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