Mittwoch 7. Dezember 2016
20. Dezember 2015

"Linz ist nicht schwieriger als andere Diözesen"

Der designierte Linzer Oberhirte Manfred Scheuer sieht in einem "Kurier"-Interview seiner künftigen Aufgabe mit Zuversicht entgegen.

Bischof Manfred Scheuer

Der designierte Bischof von Linz, Manfred Scheuer, sieht seiner künftigen Aufgabe mit Zuversicht entgegen. Dass Linz als Diözese gilt, in der sich starke Flügel traditionalistischer und progressiver Kräfte gegenüberstehen, beunruhigt den künftigen Oberhirten der Diözese nicht. In Linz trete man vielleicht selbstbewusster auf, so der Bischof in einem Interview mit dem "Kurier" am Sonntag, "ich glaube aber nicht, dass es hier schwieriger ist als in anderen Diözesen. Eine gewisse Grundproblematik gibt es überall, wo Gruppen nicht mehr miteinander können oder wollen".

Bei seiner Aufgabe "etwas zusammenzuhalten, was nicht mehr so beieinander ist", setzt er auf seine "Vielsprachigkeit". Diese sei vor dem Hintergrund einer pluralistischen Gesellschaft und pluralen Kirche für alle Ämter nötig, "die irgendwo Einheit stiften wollen". "Dass ich da manchmal auch die Projektionsfläche von Aggressionen und Wünschen bin, dass ich Erfüllungsgehilfe von Interessen sein soll, kommt alles dazu." Hier zu unterscheiden, "wo gebe ich nach, wo leiste ich Widerstand, ist das alltägliche Geschäft. Aber das ist in anderen Bereichen der Wirtschaft und Politik nicht so viel anders".

Kritik an der Bestellung Scheuers übte der als Traditionalist geltende Windischgarstner Pfarrer Gerhard Wagner; für Scheuer ein "nicht so großes Problem". Er kenne Wagner aus seiner Studienzeit in Rom. "Aufgrund dieser Bekanntschaft gibt es ein Mögen, das stärker ist als kirchenpolitische und auch ideologische Differenzen, die gegeben sind." Scheuer in einem Nachsatz: "Im übrigen gebe ich ihm durchaus recht. Auch ich selber bin nicht mein Wunschkandidat." Er sei aber davon überzeugt, "dass Kirche auch davon lebt, dass Menschen sich mit etwas beauftragen lassen, was sie nicht als das Ureigene verstehen". Mit blindem Gehorsam habe das aber nichts zu tun, sondern "mit sehendem Gehorsam, mich auf etwas einzulassen, wo ich noch gewisse Bedenken habe".

In den nächsten Wochen möchte er Gespräche mit allen Verantwortlichen führen. "Ich muss jetzt einmal relativ viel zuhören und mich beraten lassen. Das sind ja auch gemeinsame Prozesse. Es kann keiner eine Pfarre oder Diözese im Alleingang leiten."

"Caritas ist Grundvollzug des Glaubens"
Eine klare Absage erteilte Scheuer der Forderung von FPÖ-Landesobmann Manfred Haimbuchner nach einer Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Die Motivation Haimbuchners, so die christlich-abendländische Kultur erhalten zu wollen, ist für Scheuer eine "abenteuerliche Argumentation". Die Gefährdung des Glaubens sieht er nicht von den Muslimen her. "Die Gegnerschaft zu christlichen Werten kommt nicht von Muslimen, sondern von anderen Kräften, die hier aufgewachsen sind. Es gibt Kräfte in unserem Land, die der Religion im öffentlichen Leben kritisch gegenüber stehen."

Die Caritas sei ein "unumstrittener Grundvollzug des Glaubens". Trotzdem müsse bei der Integration und Aufnahme von Asylwerbern ein klarer Kopf behalten werden, der Rechtsstaat müsse unterscheiden, was Asyl und was andere Migrationgründe sind.

Münchner Kardinal Marx gegen Obergrenze
Gegen eine Obergrenze für Flüchtlinge hat sich auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx ausgesprochen. Er halte die Forderungen aus der CSU für ein "Scheingefecht", denn niemand könne eine solche Obergrenze schlüssig definieren, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Sonntag im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks. Man dürfe über Begrenzungen der großen Flüchtlingszahl nachdenken, "aber dieses Wort 'Obergrenze' führt völlig in die Irre". Wer dafür plädiere, suche "nach irgendeinem Anker, um dann Sicherheit zu vermitteln". Aus seiner Sicht lasse sich das Problem so jedoch nicht in den Griff bekommen, sagte Marx.

Der Kardinal betonte, die katholische Kirche wolle dazu beitragen, dass die Integration der Flüchtlinge gelinge. Er erlebe in den Pfarreien einen anhaltenden großen Zuspruch und eine große Bereitschaft, "diese konkrete, schwierige Situation - die nicht einfach ist, das ist klar - doch sehr positiv, zuversichtlich anzupacken". Auch viele Menschen, die gar keinen Kontakt mehr zur Kirche hatten, meldeten sich den Pfarrgemeinden oder der Caritas, um sich für Flüchtlinge zu engagieren. "Diese Integrationsaufgabe ist auch ein Testfall, ob eine offene Gesellschaft funktioniert, ohne dass sie Prinzipien und Kultur und Identität verliert", urteilte Marx.

 

Quelle: Kathpress

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