Dienstag 6. Dezember 2016
27. Dezember 2015

"Glaube ist bisweilen oberflächlich geworden"

Ludwig Schwarz resümiert im "Kurier"-Interview seine Amtszeit als Diözesanbischof in Oberösterreich

Bischof Ludwig Schwarz

Der scheidende Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz ruft die Christen hierzulande auf, sich bewusster auf die Werte des christlichen Glaubens zu besinnen und sie im Alltag zu leben. "Der Glaube ist bisweilen oberflächlich geworden. Im religiösen Leben könnte mehr Eifer und Einsatz da sein", sagte Schwarz in einem am Sonntag veröffentlichten Interview für die Tageszeitung "Kurier". Die Welt mache heute tausend Angebote, so der Bischof. "Man geht dann in diesen Dingen zu sehr auf und hat weniger Zeit für Gott." Im "Kurier"-Gespräch zog Schwarz auch Bilanz über seine in diesen Tagen endende zehnjährige Amtszeit als Linzer Bischof und nahm erneut zur Flüchtlingsthematik Stellung.

Bei der Hilfe für Geflüchtete könne man "sicherlich noch mehr als das tun, was bis jetzt getan wurde", sagte Schwarz. Die Menschen müssten Geflüchtete und Vertriebene, wie überhaupt alle Hilfsbedürftigen und Armen, als ihre Geschwister betrachten. "Dann wissen wir leichter, mit welchen Maßstäben der Güte wir uns ihnen gegenüber verhalten sollen." Gewiss gebe es allerdings auch "Grenzen der Belastbarkeit", so der Bischof weiter. "Es muss das Eigene schon seinen Wert, seinen Bestand und seinen Fortgang bewahren. Ich kann ja als Bauer nicht meine Felder verkaufen, um dem Mittellosen zu helfen. Damit nehme ich mir ja meine eigene Lebenssicherheit." Man solle aber "Gutes tun, so weit es geht".

Christen würde bisweilen ein mutigeres Bekenntnis zu Christus und seiner Kirche nicht schaden, sagte der Bischof. Grundanliegen für ein lebendiges religiöses Glaubensleben seien der Besuch der Sonntagsmesse genauso wie der Empfang der Sakramente, die Beichte und das Gebet. "Wo nicht gebetet wird, wo man nicht die Sakramente empfängt, wo nicht in der Heiligen Schrift gelesen wird, dort wird der Glaube immer schwächer", betonte Schwarz. Christen sollten der Welt nicht gleichförmig werden, hob er hervor. "Das beherzigen wir zu wenig. Das Religiöse, das, was aus der Nähe zu Gott heraus kommt, gibt unserem Leben Kraft und wird für andere spürbar. Die Gottes- und die Nächstenliebe sind dabei die tragenden Säulen."

In der knapp 500 Pfarren umfassenden Diözese Linz sei "viel Gutes vorhanden", das gefördert und gepflegt werden müsse, sagte Schwarz im Resümee über seine Amtszeit in Oberösterreich. "Ich habe gemerkt, dass hier gute Strukturen und ein guter Fortgang da sind." Wie in jeder großen Organisation existierten auch "Extreme nach links und rechts" in Form kleinerer Gruppen. Das Gros der Diözese habe aber an einem Strang gezogen, betonte der Bischof. "Ich habe in meinen Gesprächen versucht, das Gemeinsame in den Vordergrund zu rücken."

Als schönste Erfahrungen seiner Bischofszeit in Linz hob Schwarz Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen bei Gottesdiensten und Jugendtagen hervor, aber auch die Feier der Seligsprechung von Franz Jägerstätter. Schmerzlich seien die Kirchenaustritte.

Der 75-jährige Ludwig Schwarz gehört dem Salesianerorden an. Er war zunächst Weihbischof in Wien bevor er 2005 zum Bischof von Linz ernannt wurde. Am 17. Jänner wird sein Nachfolger, der bisherige Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer, in das Amt eingeführt. Am 31. Jänner, dem Gedenktag des Heiligen Don Bosco, lädt die Diözese Linz zum Dankgottesdienst für Ludwig Schwarz in den Mariendom. Schwarz wird zu den Don-Bosco-Schwestern nach Vöcklabruck übersiedeln.

 

Quelle: Kathpress

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