Mittwoch 18. Januar 2017
24. Dezember 2015

"Herzenserwärmung statt Erderwärmung"

Eisenstädter Bischof äußerte sich in Christmette zum Klimawandel - "Zustand des Weltklimas ist besorgniserregend"

Der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics hat Weihnachten als "letzten Aufruf zum moralischen und geistigen Klimawandel" bezeichnet. Das Ereignis von Bethlehem sei seit jeher die Einladung an die Menschen, nicht so weiterzumachen und ihr Leben zu ändern, betonte der Bischof an Heilgabend in der Christmette im Dom. Angesichts der fortschreitenden Umweltzerstörung ergebe sich daraus die Mahnung zu einem einfacheren Lebensstil; denn, der Zustand des Weltklimas sei besorgniserregend. Mit Blick auf den Anfang Dezember zu Ende gegangene Klimagipfel in Paris meinte Zsifkovics: "Bei aller Freude darüber geben jedoch viele Experten zu bedenken, dass die Stimmung in den beteiligten politischen Kreisen weit besser sei als die tatsächliche Lage unseres Planten."

Der Bischof teilt die Zweifel vieler Forscher, die in Paris beschlossene Obergrenze von maximal 1,5 Grad Celsius Erderwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts sei realistisch. "Denn, damit sich die Erde bis zum Jahr 2100 nur um diesen Wert erwärmt, müssten wir in fünf Jahren komplett aufhören Kohle Öl und Gas zu verbrennen", gab er zu bedenken.

Statt dessen produziere die jetzige Menschheit pro Jahr mehr Ruß als im gesamten Mittelalter und lege jährlich sechs Billionen Kilometer mit dem Flugzeug zurück; "unser landwirtschaftliches System hat keine Antwort auf die bevorstehenden globalen Ernährungsprobleme, und die Generation unserer Enkelkinder wird sich die vom Klimawandel bedrohte Erde mit bereits zehn Milliarden Menschen teilen müssen", so der Bischof. Es stelle sich die Frage: "Haben wir als Menschheit überhaupt eine Zukunft, wenn wir so weitermachen?"

Evangelium kein "Auslaufmodell"
Gefragt sei eine Lebensweise, meinte Zsifkovics, die Jesus bereits vor 2000 Jahren vorgelebt habe; "barmherzig, frei, von unmenschlichen Bindungen an Haben und Besitz unabhängig". Aber auch nach 2000 Jahren Christentum sei diese Lebensweise noch nicht in das praktische Handeln der Völker eingegangen. Das Evangelium sei aber "keinesfalls ein Auslaufmodell, sondern es ist heute zur Überlebensfrage der Menschheit geworden".

Der heutige Mensch dürfe sich nicht rühmen, besser oder moralischer zu sein als die Menschen vor 2000 Jahren, so der Bischof. Doch er habe heute eine viel bessere Perspektive auf die Konsequenzen seiner Handlungen. "Erstmals in unserer Geschichte erschließen sich die Sünde und die Götzen der Macht, des Besitzes, des Genusses, vor denen Jesus warnte, einer objektiven Messbarkeit. Denn in den steigenden CO2-Ausstößen und den durch die Polschmelze ansteigenden Meeresspiegeln steigt uns auch unser eigener Lebensstil entgegen."

Zsifkovics macht drei Haltungen für "diese fatale Entwicklung der Welt" verantwortlich: die Gier, die Unbarmherzigkeit und die Gottesferne des Menschen. Papst Franziskus habe es in der Enzyklika "Laudato si" beinhart auf den Punkt gebracht, indem er seine umfassende Analyse der globalen Umweltverschmutzung und des Klimawandels in direkte Beziehung zur Verschlechterung menschlicher Lebensqualität, zu sozialem Niedergang und weltweiter sozialer Ungerechtigkeit gesetzt habe.

Und auch das von Franziskus ausgerufene "Jahr der Barmherzigkeit" komme nicht von ungefähr. Zsifkovics: "Damit sollen wir Menschen daran erinnert werden, dass wir alle selbst der Barmherzigkeit Gottes bedürfen und nicht müde werden dürfen, Barmherzigkeit auch an unseren Mitmenschen zu üben."

Eine Rolle spiele schließlich auch die Gottesferne vieler Menschen. "Gott kann sich uns durch seine Menschwerdung noch so sehr annähern - wenn wir uns nicht von ihm anrühren lassen, ist alles vergebens." Vor Minaretten habe Zsifkovics keine Angst, sondern vor Menschen "mitten unter uns, die die Bedeutung des Kirchturms nicht mehr kennen und die die Bedeutung des Kindes in der Krippe nicht mehr kennen. Menschen, für die Weihnachten zum inhaltsleeren Fest des Kitsches und einer verengten Punschseligkeit verkommen ist, zum kalendarisierten Überbleibsel eines reinen Gewohnheitschristentums, hinter dem sich alte Asche, aber kein Feuer mehr befindet".

Gott wolle aber, so der Bischof, ein "Klima der Menschlichkeit und der Selbstlosigkeit statt der Gier und der menschlichen Ausbeutung; ein Klima der Barmherzigkeit und der gegenseitigen Hilfe statt der Unbarmherzigkeit und der menschlichen Kälte; ein Klima der Gottesnähe und der Spiritualität statt der Gottesferne und des modernen Götzendienstes am Geld, am Besitz und am Konsum."

 

 

Quelle: kathpress

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