Dienstag 23. Mai 2017
05. Januar 2016

Franziskus beginnt ein spannendes Jahr 2016

Was genau von diesem Papst zu erwarten ist, der immer für eine Überraschung gut ist, bleibt oft Spekulation - Korrespondentenbericht von Thomas Jansen

Auch 2016 verspricht mit Franziskus spannend zu werden: In seinem vierten Amtsjahr könnte der Papst nach Deutschland reisen, er könnte wiederverheirateten Geschiedenen den Kommunionempfang ermöglichen und er könnte erstmals eine Frau an die Spitze einer vatikanischen Behörde berufen. Bislang sind das allerdings nur Spekulationen. Sicher ist nur, dass Franziskus nach Mexiko reist, wohl in der ersten Jahreshälfte sein verbindliches Abschlussdokument zur Bischofssynode über Ehe und Familie veröffentlicht und eine neue zentrale vatikanische Behörde für die Belange von Familien und Laien einrichtet.

Ein erster Höhepunkt des Jahres dürfte im Februar die Mexiko-Reise des Papstes werden. Über weitere Reisen des Papstes in den kommenden zwölf Monaten ist derzeit noch nichts bekannt. Rätselraten herrscht weiterhin über einen möglichen Deutschlandbesuch von Franziskus im Jahr 2016. Franziskus selbst befeuerte die Spekulationen darüber, als er im Juli den Eindruck erweckte, dass sich die Überlegungen bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befänden. Im Raum stand damals eine Reise nach Leipzig und Danzig zum Gedenken an die friedliche Wende in Osteuropa. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich stellte Anfang November nach einer Privataudienz bei Franziskus einen Besuch des Papstes für 2016 in Aussicht. Zuletzt sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, er wisse nicht, ob der Papst 2016 nach Deutschland komme.

Gewiss ist hingegen, dass Franziskus auch in seinem vierten Amtsjahr keinen Heimatboden unter den Füßen haben wird: Der ursprünglich einmal für Dezember avisierte Besuch in Argentinien wurde ins Jahr 2017 verschoben. Allzu viel vereisen dürfte der Papst 2016 wegen des Heiligen Jahrs ohnehin nicht. Innerhalb Italiens wird Franziskus deswegen sogar komplett auf Reisen verzichten.

Das Jahr 2016 soll nach dem Willen des Papstes vor allem ein Heiliges Jahr sein. In den Mittelpunkt dieses Jahres und seiner zahlreichen Veranstaltungen hat er ein Kernanliegen seines Pontifikats gestellt: die Barmherzigkeit. Ein Höhepunkt dürfte die Heiligsprechung von Mutter Teresa werden. Ihr genauer Termin steht allerdings noch nicht fest. Angekündigt sind zudem besondere bislang nicht nähere bezeichnete Gesten des Papstes: möglicherweise Besuche im Gefängnis, im Krankenhaus oder in der Armenküche. Außerdem stehen bis zum Ende des Heiligen Jahres am 20. November etliche Sonderaudienzen auf dem päpstlichen Programm: etwa für Kranke, für Behinderte, für Priester, für Diakone und für soziale Engagierte.

Im Vatikan selbst dürfte auch das Jahr 2016 im Zeichen der Kurienreform stehen, also der Neuorganisation der vatikanischen Behörden. Hier gibt es auch nach drei Jahren noch viele offene Baustellen. So hat die vom Papst im Oktober angekündigte neue zentrale Behörde für Familie, Laien und Lebensschutz noch nicht Gestalt angenommen. Franziskus hatte gesagt, dass er sich eine Frau oder ein Ehepaar an der Spitze von Behörden für diesen Bereich vorstellen könnte. Er hatte jedoch zugleich darauf verwiesen, dass dies nicht möglich sei, wenn die Behörde jurisdiktionelle Vollmachten habe. Weitergehen dürften auch die Bemühungen um eine größere Transparenz der vatikanischen Finanzen, die zwar bereits einige Erfolge erzielt haben, aber offenbar noch nicht alle Missstände abstellen konnten.

Nach seiner Umweltenzyklika "Laudato si" im zurückliegenden Jahr und dem Schreiben "Evangelii Gaudium", dem 2013 veröffentlichten Programm seines Pontifikats, erscheint 2016 nun das dritte große Dokument von Papst Franziskus: Das Abschlusspapier zur Bischofssynode über Ehe und Familie im Oktober. Darin dürfte sich der Papst auch zu strittigen Fragen wie dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen verbindlich äußern. Reformer hoffen, dass Franziskus die Entscheidung im Einzelfall dem Seelsorger überlässt. Diese seelsorgerische Perspektive hatte sich im Grundsatz bei der Bischofssynode durchgesetzt. Was das im konkreten Einzelfall heißt, wurde jedoch offengelassen.

Bei aller Ungewissheit darüber, was das Jahr mit Franziskus bringen wird, steht nach Ansicht von Kardinal Marx eins fest: "Er macht, was er für richtig hält."

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