Sonntag 28. Mai 2017
08. Januar 2016

Kirchen gedenken ihrer Beziehung zum Judentum

Gottesdienste und Veranstaltungen am 17. Jänner in ganz Österreich zeigen Verwurzelung des Christentums im Judentum

Die Kirchen in Österreich feiern am 17. Jänner den "Tag des Judentums". Das Christentum ist in seinem Selbstverständnis wesentlich mit dem Judentum verbunden; damit dies den Christen immer deutlicher bewusst wird, hat der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) im Jahr 2000 den "17. Jänner - Tag des Judentums" als Gedenktag im Kirchenjahr eingeführt. Dabei sollen sich die Christen in besonderer Weise ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden und zugleich des von ihnen an jüdischen Menschen und ihrem Glauben begangenen Unrechts in der Geschichte gedenken.

Die Initiative zum "Tag des Judentums" geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück. Auch in Italien, Polen und den Niederlanden wird der Tag des Judentums begangen. Das Datum für den Tag des Judentums ist bewusst gewählt: Den Geist dieses Tages sollen die Kirchen in die anschließende weltweite "Gebetswoche für die Einheit der Christen" (18. bis 25. Jänner) weiter tragen. Denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, so die Veranstalter.

Gottesdienste, Vorträge, Begegnungen

Der "Tag des Judentums" wird in ganz Österreich mit verschiedenen Veranstaltungen und Gottesdiensten begangen. Der zentrale Gottesdienst des ÖRKÖ zum "Tag des Judentums" findet am Sonntag, 17. Jänner, um 18 Uhr in der evangelischen Verklärungskirche (1020 Wien, Am Tabor 5) statt. Das biblische Motto des Gottesdienstes ist dem Buch der Psalmen entnommen: "Herr, steh auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen" (Ps 9,20). Die Predigt hält der Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Prof. Martin Jäggle.

Der Ökumenische Arbeitskreis Salzburg lädt am 17. Jänner um 10 Uhr zu einem ökumenischen Gottesdienst in die Altkatholische Kirche (Mirabellplatz) ein. Schon am 14. Jänner lädt die Universität Salzbug zu einem Vortrag der Wiener Pastoraltheologin Prof. Regina Polak zum Thema "Judentum heute verstehen" ein. (Katholisch Theologische Fakultät, Universitätsplatz 1, 18.15 Uhr)

Das Christlich-jüdisches Komitee Steiermark veranstaltet am 17 Jänner (19 Uhr) einen Gottesdienst in der Grazer Herz Jesu Kirche (Sparbersbachgasse 58). Der Gottesdienst steht unter dem Motto: "Wenn Fremde bei dir in eurem Land leben ...".

Die Diözese Innsbruck und die evangelische Diözese Tirol/Salzburg laden am 17. Jänner um 19 Uhr zu einem Vortrag des Judaisten Prof. Johann Maier über Moses Maimonides ins Haus der Begegnung (Rennweg 12) ein. Mose ben Maimon (1138 -1204) war einer der einflussreichsten Denker und maßgeblichsten Gesetzeslehrer im mittelalterlichen Judentum mit Nachwirkungen bis in die Gegenwart. Als Theologe heftig umstritten, als Autorität im jüdischen Recht hoch geschätzt, versuchten ihn unterschiedliche jüdische Richtungen für sich in Anspruch zu nehmen. Seine Aussagen zu Nichtjuden, Christen und Muslimen enthalten prägnante, aber auch umstrittene Stellungnahmen.

Der Wiener Ökumenekreis Hietzing lädt am 18. Oktober um 19 Uhr ins Amtshaus Hietzing zu einer Gedenkfeier an jüdisches Leben und jüdischen Glauben in Hietzing. Vortragende sind u.a. der Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Helmut Nausner, und der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, Raimund Fastenbauer.

Dem liberalen Judentum ist am Montag, 18. Jänner, um 19 Uhr ein Vortrag von Theodor Much im St. Pöltner Bildungshaus St. Hyppolit (Eybnerstraße 5) gewidmet. Much ist Gründungsmitglied sowie Präsident der liberalen jüdischen Gemeinde Or Chadasch. Veranstalter ist der Katholischer Akademikerverband St. Pölten.

Das christlich-jüdische Komitee Oberösterreich veranstaltet am 19. Jänner um 19.30 Uhr einen Vortrag in der Katholischen Privatuniversität Linz (Bethlehemstraße 20). Der Salzburger Historiker Prof. Albert Lichtblau referiert zum Thema "Rückkehr oder Exil? Jüdische Überlebensgeschichten und die österreichische Nachkriegsgesellschaft".

Dem Gedenken an den Pionier der Judaistik in Österreich, Prof. Kurt Schubert (1923-2006), und an seine Frau Ursula (1927-1999) widmet die Österreichische Akademie der Wissenschaften am 19. Jänner um 19.30 Uhr eine Festveranstaltung. In Vorträgen ein wesentlicher Aspekt der gemeinsamen Arbeit der beiden beleuchtet: Ab den 1960er Jahren bewegte die Wissenschaft die Frage, welche Rolle die jüdische Tradition in der Entwicklung alttestamentlicher christlicher Ikonographie gespielt hat. Die Kunsthistorikerin Ursula und der Judaist Kurt Schubert brachten in die Diskussion in den 1970er Jahren dabei verstärkt jüdische Perspektiven ein, bei denen die rabbinischen Elemente frühchristlicher Kunst im Vordergrund standen.

Referenten sind Katrin Kogmann-Appel von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und Bernhard Dolna von der Universität Wien und dem International Theological Institute in Trumau. Die Veranstaltung steht unter dem Motto "Zwischen jüdischer Tradition und frühchristlicher Kunst. Die Malereien in der Katakombe der Via Latina in der Forschung von Ursula und Kurt Schubert". Die Veranstaltung steht unter dem Ehrenschutz von u.a. Kardinal Christoph Schönborn und Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg.

Am 21. Jänner veranstaltet die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems schließlich in den Räumlichkeiten des Christlich-jüdischen Informationszentrums (Tandelmarktgasse 5) ab 15.30 Uhr ein Seminar über "Die zehn größten Irrtümer über das Judentum". Referent ist Willy Weisz, jüdischer Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen rund um den "Tag des Judentums" sind im Internet auf der Website des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit unter www.christenundjuden.org abrufbar.

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