Sonntag 28. Mai 2017
08. Januar 2016

Küberl: P. Srholec war "Lichtgestalt des Evangeliums"

Grazer Caritasdirektor würdigt verstorbenen slowakischen Priester und Dissidenten als Mutmacher und "starkes Beispiel"

P. Anton Srholec (1929-2016)

Als eine "Lichtgestalt des Evangeliums" hat der Grazer Caritasdirektor Franz Küberl den am Donnerstag verstorbenen Salesianerpater und Menschenrechtsaktivist P. Anton Srholec (1929-2016) bezeichnet. "An Pater Anton konnte man die Bergpredigt ablesen", würdigte Küberl am Freitag gegenüber "Kathpress" den slowakischen Priester, Dissidenten und Sozialinitiator, für dessen Nominierung für den Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis sich der Caritasdirektor im Jahr 2014 an der Spitze eines großen Personenkomitees eingesetzt hatte. Durch seine "Unbeugsamkeit" habe P. Srholec vielen Menschen Mut gegeben und sei ein starkes Beispiel gewesen.

Srholec habe sich "ungeheuer viel eingesetzt in seinem Leben und wahnsinnig viel mitgemacht", habe sich dabei aber "durch nichts seine Würde und die der anderen nehmen oder brechen lassen", erklärte Küberl. Stets habe der Verstorbene "seine Fähigkeit zur Mitmenschlichkeit bewahrt", auch in den dunkelsten "Stunden seines Lebens": in den zehn Jahren seiner Haft in der damaligen Tschechoslowakei nach einem gescheiterten Fluchtversuch über die March nach Österreich. Srholec musste damals Zwangsarbeit im berüchtigten Uranbergwerk Jachymov verrichten und war aufgrund seines Engagements für Mitgefangene wiederholt in Einzelhaft.

Nachdem es Srholec dann nach seiner Freilassung infolge einer Amnestie während des Prager Frühlings die Ausreise gelungen war, um in Turin Theologie zu studieren und in Rom zum Priester geweiht zu werden, ging er in seine Heimat zurück, obwohl er im Ausland hätte bleiben können, bemerkte Küberl. Sein Verhalten vorschreiben ließ es sich dennoch weiterhin nie. "Er hat es ausgehalten, dass ihn weder Staat noch Kirche besonders geliebt haben, trat allem entgegen, was nicht Autorität, sondern autoritär war, und blieb auch nach der Wende immer ein kritischer Geist", so der Grazer Caritasdirektor.

Auch im Nachhinein sei es dem Ordensmann stets gelungen, "die Sünde zu verachten und nicht den Sünder", wie Küberl zufolge einer von P. Srholecs Kernsätzen lautete. "Dass so ein geknechteter und gedemütigter Mensch so souverän über sein Leben und seine Erfahrungen erzählen konnte, ist schon bewundernswert", so der Caritas-Direktor. Allen Widerständen zum Trotz habe sich der Verstorbene zeitlebens stets für andere eingesetzt, wobei ihm immer gelungen sei, "für sich und andere einen gangbaren Weg in die Zukunft aufzumachen". Dass er nach dem Fall des Eisernen Vorhanges zum Vorsitzenden der Konföderation politischer Häftlinge in der Slowakei wurde, sei in Wahrheit "eine große Anerkennung dafür" gewesen.

Erst 2014 lernte Küberl P. Srholec persönlich kennen - bei einem Besuch der 1991 von dem Ordenspater gegründeten Sozialeinrichtung "Resoty" in Bratislava, das der Caritasdirektor als "Altersheim für ehemalige Obdachlose" beschrieb. Das lange Gespräch bei dieser Begegnung zähle "zu den beeindruckendsten meines Lebens", erklärte Küberl. Srholec, der zuvor schon "begnadeter Jugendseelsorger" gewesen sei, habe "nie damit aufgehört, sich etwas einfallen zu lassen für Menschen in schwieriger Situation, damit sie etwas Besseres bekommen". Er habe auch vorgezeigt, "dass man auch noch im hohen Alter den Weg des Engagements gehen kann".

P. Anton Srholec wurde 1929 als Sohn einer Kleinbauernfamilie im Skalica geboren und trat schon als Jugendlicher in den Orden der Salesianer Don Boscos ein. Da ihm das kommunistische Regime der Tschechoslowakei kein Theologiestudium erlaubte, versuchte er 1951 die Flucht, was jedoch scheiterte. Nach zehnjähriger Haft kam er 1960 frei, arbeitete in Fabriken und erhielt 1969 die Erlaubnis zur Ausreise nach Italien, wo er in Turin Theologie studierte und bereits 1970 in Rom von Paul VI. zum Priester geweiht wurde. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wirkte Srholec u.a. in der Pfarr- und Jugendseelsorge, setzte sich für politische Häftlinge ein und gründete 1991 ein Sozialzentrum für Obdachlose, in dem er über 20 Jahre lang selbst tätig war.

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