Wednesday 25. May 2016
14. January 2016

Jägerstätter "jahrzehntelange Herausforderung"

Jägerstätter-Biografin Erna Putz zeigt Haltungswandel der Linzer Bischöfe gegenüber Kriegsdienstverweigerung von Josef Fließer (1941-1955) bis zu Manfred Scheuer auf

Die Entscheidung des seligen Franz Jägerstätter, den Kriegsdienst in der Deutschen Wehrmacht zu verweigern und dafür auch den Tod in Kauf zu nehmen, war in seiner Heimatpfarre St. Radegund, in der Diözese Linz und für deren Bischöfe "jahrzehntelang eine Herausforderung". Die Kirchenhistorikerin und Jägerstätter-Biografin Erna Putz zeigte gegenüber "Kathpress" den Haltungswandel der Bischöfe von Josef Fließer (1941-1955) bis zu Manfred Scheuer (ab 2016) auf.

Fließer habe gefürchtet, einem Spitzel gegenüberzusitzen, als ihn der Innviertler Bauer und Mesner nach monatelangem Ringen um Rat fragte. Der Bischof legte Jägerstätter dar, es stehe ihm als Familienvater nicht zu zu entscheiden, ob der von Hitlerdeutschland geführte Krieg gerecht oder ungerecht sei. Die sei Sache der Obrigkeit, erinnerte Putz an Fließers Argumentation.

Dass Jägerstätter dennoch seine eigene Gewissensentscheidung fällte, bereitete dem Bischof Unbehagen. 1947 lehnte er - wie Putz darlegte - die Publikation eines Artikels über Jägerstätter im Linzer Kirchenblatt ab. Fließer teilte dazu in einem Brief mit, er habe diesen "umsonst" an seine Verantwortung für seine Familie erinnert und "halte jene idealen katholischen Jungen und Theologen und Priester und Väter für die größeren Helden, die in heroischer Pflichterfüllung und in der tiefgläubigen Auffassung, den Willen Gottes auf ihrem Platz zu erfüllen, wie einst die christlichen Soldaten im Heere des heidnischen Imperators gekämpft haben und gefallen sind". Einem "schuldlos irrigen Gewissen" gebühre Achtung, es werde vor Gott seine Würdigung finden, schrieb Fließer und schränkte zugleich ein: "Für die Pädagogik an den Menschen sind die Beispiele der Helden, die aus eindeutig richtigem Gewissen konsequent gehandelt haben, die besseren Vorbilder."

Nachfolger Franz Zauner (1956-1982) war laut Erna Putz darüber verärgert, dass der US-amerikanische Soziologe Gordon Zahn Bischof Fließer in die Nähe des Nationalsozialismus rückte. Er wollte mit dem Fall Jägerstätter nichts zu tun haben und verweigerte z. B. Filmaufnahmen im Bischofshof.

Mit dem Amtsantritt von Bischof Maximilian Aichern (1982-2005) veränderte sich die Situation, wies Putz hin. Dieser habe Franz Jägerstätter von Jugend auf geschätzt. 1986 lud er die Witwe Franziska Jägerstätter zur Diözesanwallfahrt nach Rom ein und stellte sie Papst Johannes Paul II. vor. 1987 ermöglichte Aichern eine Feier zum 80. Geburtstag des Märtyrers im Linzer Dom, richtete Kommissionen ein, die sich mit der Kanonisation Jägerstätters befassten. "Dem Bischof gelang es, sowohl im Domkapitel wie auch in der Katholisch-Theologischen Hochschule die Stimmung positiv in Richtung Seligsprechung zu verändern", würdigte Erna Putz. Auch Kommissionsmitglied Erzbischof Christoph Schönborn habe sich für einen zügigen Abschluss eingesetzt. Das offizielle diözesane Verfahren im Fall Jägerstätter wurde unter Bischof Aichern 1997 eröffnet und 2001 abgeschlossen.

Ringen um Anerkennung als "Märtyrer"
Bischof Ludwig Schwarz (2005-2016) "fing Feuer in Sachen Jägerstätter", nachdem er - wie sich Erna Putz erinnerte - zum ersten Mal beim Gedenktag in Ostermiething und St. Radegund war und dabei mit Franziska Jägerstätter zusammengekommen war. Er setzte sich mit aller Kraft für einen Abschluss des Seligsprechungsverfahrens ein. Bei einer großen Goldhauben-Frauen-Wallfahrt nach Rom 2006 bat er Papst Benedikt im Hinblick auf dessen bevorstehenden Österreich-Besuch, wegen des 100. Geburtstages von Franz im Jahr 2007 und des hohen Alters von Witwe Franziska um einen baldigen Abschluss des Prozesses. Mit Erfolg: Am 26. Oktober 2007 fand im Linzer Mariendom die feierliche Seligsprechung statt. Zuvor seien freilich bei den theologischen Diskussionen im Rom "die Fetzen geflogen" in der Frage, ob der Tod Jägerstätters als Martyrium zu werten sei, weiß Putz aus sicherer Quelle.

Ob Franz Jägerstätter um seines Glaubens willen starb, sei bereits in der Linzer Kommission heftig diskutiert worden. Reiche das Eintreten für Gerechtigkeit für ein "kirchenamtliches" Märtyrertum, so die Frage. Dazu Erna Putz: "In dieser Frage stellte Manfred Scheuer, ab 2016 Nachfolger von Bischof Ludwig, souverän Klarheit her." Der damalige Dogmatikprofessor und Postulator des diözesanen Prozesses für die Seligsprechung verwies auf Thomas von Aquin und auf die Tradition der Kirche, in der Glaubenslehre und Glaubenspraxis untrennbar zusammengehörten.

Scheuer ist ein ausgewiesener "Jägerstätter-Spezialist"; er griff dessen Zeugnis in Vorträgen, Predigten und Büchern immer wieder auf und deutete es theologisch und spirituell. Auch die jährlichen Gedenkfeiern trug und gestaltete er mit.

Schlussbemerkung von Biografin Putz: An Scheuer als neuem Linzer Diözesanbischof und an Menschen, die ihre Wertschätzung öffentlich bekunden, wird es liegen, ob es in absehbarer Zukunft ein Seligsprechungsverfahren auch für Franziska Jägerstätter geben wird.

 

 

Quelle: kathpress

comments powered by Disqus
Fotogalerien zurück #weiter#
Bischofskonferenz
Frühjahrsvollversammlung 2016
Kinderkampagne 2016
Franziskus in Mexiko
Impressionen
Dankgottesdienst
Bischof Ludwig Schwarz
Neuer Bischof von Linz
Amtseinführung: Bischof Scheuer
Videos zurück #weiter#
image
Kurz erklärt: Fronleichnam
image
Was ist der Heilige Geist?
image
Pfingsten
Geburtstag der Kirche
image
Cultus: Pfingsten
Der Feiertag im Kirchenjahr
image
Die Würde der Frau
Gebetsanliegen des Papstes
Audio zurück #weiter#
Nach der Wahl
Aufruf von Kardinal Schönborn
Literatur & Religion
Poetikdozentur an der Uni Wien
Fastenegdanken
26. März | Kardinal Christoph Schönborn
Fastengedanken
24. März | Bischof Michael Bünker
Fastengedanken
24. März | Dompfarrer Toni Faber
Tipps zurück #weiter#
Radiogottesdienst
So., 29.5. | 10:00 | ÖR
Radiogottesdienst
Do., 26.5. | 10:00 | ÖR
FeierAbend
Do., 26.5. | 19:52 | ORF 2
Radiogottesdienst
So., 15.5. | 10:00 | ÖR
Das Vermächtnis der ersten Christen
Mo., 16.5. | 19:25| ORF III
Woanders zurück #weiter#
Mai 2016
Die katholisch.at-Presseschau
April 2016
Die katholisch.at-Presseschau
März 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Februar 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Jänner 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Blogportal
Paul Wuthe | 11.05.2016

„Amoris Laetitia“ – lesen und leben

„Was will Papst Franziskus mit seinem neuen Familiendokument von der Kirche?“...
Der Redaktionsblog | 09.04.2016

Herausforderung " Einfachheit"

Jetzt ist es da, das mit Spannung erwartete postsynodale Schreiben „Amoris...
Georg Plank | 23.03.2016

Wie hat Jesus in Gethsemani gebetet?

Ich staunte, als ich in Sant`Apollinare Nuovo in Ravenna das Mosaik des...
Kalender
25.05.2016 | Graz
Ausstellung Fußball und Religion: "Knockin' on Heaven's...
25.05.2016 | Graz
Im Kampfgebiet der Poesie
Ausstellung und literarische Performances mehr »
25.05.2016 | 09:00 | Graz
Handarbeitsrunde
Jeden Mittwoch um 9:00 Uhr in der Bibliothek. mehr »
Medienreferat der
Österreichischen
Bischofskonferenz

Stephansplatz 4/6/1
A-1010 Wien
©2016 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.
http://www.katholisch.at/
Darstellung: