Samstag 10. Dezember 2016
21. Januar 2016

Ökumenischer Rat unterstützt Friedenseinsätz

Hennefeld: "Wir stehen auf der Seite jener, die sich für einen gerechten Frieden einsetzen und wir sind gegen jene, die das nicht wollen"

Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) unterstützt aktiv Friedensbemühungen im Heiligen Land. Seit 2010 beteiligt er sich am "Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel" (EAPPI) und entsendet Freiwillige, die sich gemeinsam mit Friedensaktivisten aus aller Welt um ein Ende der Gewalt und ein friedliches und gerechtes Zusammenleben von Palästinensern und Israelis einsetzen. Im ÖRKÖ ist der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld für EAPPI zuständig. Der ÖRKÖ werde sein Engagement für mehr Frieden und Gerechtigkeit im Heiligen Land fortsetzen, so Hennefeld gegenüber "Kathpress". Zuletzt war die 28-jährige Tirolerin Barbara Schruf vor Ort im Einsatz. 2016 sollen laut Hennefeld wieder zwei Freiwillige aus Österreich an EAPPI teilnehmen.

Barbara Schruf war von September bis Dezember 2015 in Bethlehem stationiert und u.a. gemeinsam mit anderen EAPPI-Mitarbeitern regelmäßig an den Checkpoints präsent, um auf einen respektvollen und gewaltfreien Umgang der israelischen Militärs mit palästinensischen Zivilisten zu achten. Sie war auch in Schulen zugegen und begleitete Kinder auf ihrem Schulweg oder palästinensische Bauern bei ihrer Arbeit auf den Feldern.

Die Präsenz der EAPPI-Mitarbeiter helfe beispielsweise, Übergriffe von gewaltbereiten jüdischen Siedlern auf die Bauern zu unterbinden, berichtete Schruf im "Kathpress"-Interview. Sie besuchte in den umliegenden Gemeinden von Bethlehem auch zahlreiche Familien und hörte sich deren Schicksal an. Schruf und die anderen EAPPI-Mitarbeiter dokumentierten Menschenrechtsverletzungen und leiteten diese an verschiedenen Behörden und Organisationen weiter.

Die Arbeit der EAPPI-Mitarbeiter werde von der Bevölkerung grundsätzlich sehr geschätzt. Freilich, Wunder wirken könnten die Freiwilligen aus aller Welt auch nicht. Rechtliche Möglichkeiten zum Einschreiten bei Menschenrechtsverletzungen haben sie nicht. "Aber die Menschen sind schon froh, dass überhaupt jemand da ist und sich ihrer Sache annimmt", so die studierte Sozialpädagogin.

Manchmal gebe es auch Möglichkeiten, einzelnen Personen konkret zu helfen, sodass etwa Bauern ihr Land nicht an jüdische Siedler verlieren. Politisch sei die Situation allerdings völlig festgefahren, sagte die EAPPI-Mitarbeiterin. Die Palästinenser hätten eigentlich jede Hoffnung auf eine Besserung ihrer Lage verloren. Das israelische Militär würde vor allem die israelischen Siedler schützen, so der Eindruck Schrufs.

Ein schwerwiegendes Probleme seien die vielen illegalen israelischen Siedlungen in Palästina, gegen die die israelischen Behörden nichts unternehmen würden. Das zweite überall sichtbare Problem: die Mauer, die das Westjordanland von Israel trennt und großteils auf palästinensischem Gebiet verläuft.

Schruf erinnerte an die dramatische Situation im Cremisantal in der Nähe von Betlehem. Die Trennmauer wird quer durch das Tal von Cremisan im Gemeindegebiet von Beit Jala gebaut. Davon betroffen sind knapp 60 christliche Bauernfamilien aus Beit Jala, die ihre Grundstücke mit Olivenbäumen verlieren, aber auch zwei große Ordenshäuser der Don Bosco Schwestern und der Salesianer Don Boscos. Die Schwestern betreiben einen Kindergarten und eine Volksschule mit 400 Schülerinnen und Schülern. Das Kloster der Salesianer Don Boscos führt seit 125 Jahren das Weingut Cremisan, dessen Produkte weit über das Heilige Land hinaus geschätzt werden.

Die katholische Kirche im Heiligen Land hatte sich seit Jahren gemeinsam mit den betroffenen Bauern und Ordensleuten gegen den Bau der Trennmauer im Cremisan-Tal engagiert - letztlich vergeblich. Vor wenigen Tagen hatte das israelische Militär auch einer internationalen Bischofsdelegation die Reise ins Cremisantal verboten. Seit Dezember werde an der Mauer im Tal wieder gebaut, berichtete Schruf. Viele Olivenhaine seien bereits zerstört worden.

Friedensprojekt seit 2002
Das "Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel" (EAPPI) ist eine Organisation des Weltkirchenrates mit Sitz in Genf. Es setzt sich vor Ort für ein friedliches Zusammenleben zwischen Palästinensern und Israelis ein. Seit seiner Gründung im Jahr 2002 haben sich bereits rund 1.500 Freiwillige aus aller Welt an verschiedenen Orten in Israel und Palästina für den Frieden eingesetzt.

Die österreichische Koordination für EAPPI wird von der Diakonie Auslandshilfe, dem Internationalen Versöhnungsbund und der katholischen Friedensbewegung Pax Christi im Auftrag des ÖRKÖ gemeinsam getragen. Die Einsätze der "Ökumenischen Begleiter" erfolgen ehrenamtlich und werden durch Spenden finanziert.

Die freiwilligen Begleiter stünden weder auf der Seite der Palästinenser noch auf jener der Israelis, erläuterte Landessuperintendent Hennefeld im "Kathpress"-Gespräch: "Wir stehen auf der Seite jener, die sich für einen gerechten Frieden einsetzen und wir sind gegen jene, die das nicht wollen", so Hennefeld wörtlich. Diese Trennlinie verlaufe quer durch die israelische und palästinensische Bevölkerung. Er sehe EAPPI als erfolgreiche Möglichkeit, wie engagierte Zivilisten zu einer Deeskalation eines Konflikts beitragen könnten. Zentral sei der Schutz der Zivilbevölkerung.

Barbara Schruf bestätigte gegenüber "Kathpress", dass die EAPPI-Mitarbeiter auch den Kontakt zu israelischen Friedensorganisationen suchen. Diese hätten es freilich in ihrem eigenen Land nicht leicht.

Informationen zu EAPPI im Internet unter www.oekumene.at bzw. www.eappi.org.

 

 

Quelle: kathpress

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