Montag 24. April 2017
24. Januar 2016

"Nächstenliebe" nicht aus populistischen Gründen umdeuten

Feldkircher Bischof Benno Elbs bei Feier zur Weltgebetswoche für Einheit der Christen: Nächstenliebe für Christen und für kirchliche Ökumene "das Entscheidende"

Christliche Nächstenliebe ist ein Weg der Ökumene und "es schmerzt, wenn Menschen des öffentlichen Lebens dieses Wort missbrauchen und in einer Art umzudeuten versuchen, wie es niemals im Sinne Jesu sein kann." Mit diesen Worten hat Bischof Benno Elbs beim ökumenischen Gottesdienst anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen am Samstagabend in Lustenau zur Flüchtlingsdebatte Stellung genommen. Der Feldkircher Bischof plädierte bei der Feier mit Vertreter der evangelischen, serbisch-orthodoxen und altkatholischen Kirche für eine "Ökumene der Nächstenliebe", die sich aktuell im "humanitären und solidarischen Engagement in der Asylfrage" gezeigt habe.

Auf den Begriff "Nächstenliebe" gebe es zwar kein "Copyright", so Elbs. Jedoch sei im Sinne Jesu "der Nächste ist nicht nur der, der neben mir sitzt, sondern derjenige, dessen Not am größten ist, der Mensch, der einen heilenden und aufrichtenden Blick braucht." Im Blick auf die Flüchtlingssituation bezeichnete der Bischof jene Menschen als "bewundernswert", die in diesem Chaos versuchten, ihre persönlichen und christlichen Werte zu leben. "Ich denke hier auch an die Bundeskanzlerin unseres Nachbarlandes", so Elbs im Blick auf Angela Merkel.

Der Bischof erinnerte daran, dass Nächstenliebe für Christen und somit für die Ökumene "das Entscheidende" sei. "Zentral für einen Christen ist es, Wunden von Menschen zu heilen und Herzen von Menschen zu wärmen." Diese Haltung der Nächstenliebe verbinde Christen unterschiedlicher Konfessionen. Dies mache auch ein Lied der ökumenischen Gemeinschaft von Taize deutlich, wo es heißt: "Ubi caritas, ibi deus - dort wo die Liebe ist, dort ist auch Gott".

Keine Alternative zur Ökumene
Angesichts großer Unsicherheiten durch Terrorismus, Klimakrise und neuer Migration sei es Aufgabe der Christen und Kirchen gemeinsam "Leuchttürme der Hoffnung" zu sein. "Wenn wir nicht das Gemeinsame suchen, dann schrumpft ein vielleicht großer Leuchtturm zu einer kleinen oder größeren Taschenlampe." Im Blick auf die Welt und den Auftrag Jesu gibt es "keine Alternative zur Ökumene", unterstrich Elbs.

Theologische Grundlage für die Ökumene sei im Tiefsten die Taufe, die ein sakramentales Band der Einheit zwischen allen, die durch sie wiedergeboren sind, begründe, führte der Bischof weiter aus. Die Taufe sei im Blick auf die Ökumene "Gabe und Auftrag" zugleich. Neben einer "Ökumene der Nächstenliebe" brauche es zuallererst eine "Ökumene des Gebets". Sie ist die "Grundlage jeden Dialogs und jeden theologischen Gesprächs mit unseren christlichen Schwestern und Brüdern", predigte Elbs und verwies auf die gemeinsame Jüngerschaft all jener, die durch die "Freundschaft mit Christus" verbunden seien. So wie man im alltäglichen Leben positiv zum Freund des Freundes stehe, sollte die Freundschaft mit Christus zu "Respekt und Wertschätzung" unter Christen trotz bestehender Unterschiede führen.

Die ökumenische Feier in der katholischen Pfarrkirche in Lustenau war der Höhepunkt der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen in Vorarlberg. Sie stand unter dem Motto: "Berufen, die großen Taten des Herrn zu verkünden".

 

 

Quelle: kathpress

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