Montag 26. Juni 2017
08. Februar 2016

Fastenangebote: Schwerpunkt Solidarität

Fastenhotels und -trainer bewerben die "Aktion Familienfasttag" durch Zusammenarbeit zwischen der Gesellschaft für Gesundheitsförderung und der Katholischen Frauenbewegung

Der Gedanke des Teilens und der Solidarität soll in Österreichs Fastenangeboten künftig eine größere Rolle bekommen: Darauf deutet eine Kooperation zwischen der Gesellschaft für Gesundheitsförderung (ggf) und der Katholischen Frauenbewegung (kfbö), die am Montag im Wiener "magdas Hotel" präsentiert wurde. Die zertifizierten Fasten- und Gesundheitstrainer sowie die Hotelvereinigung "Fasten für Genießer" werden in der Zeit bis Osten zur Teilnahme an der kfbö-Hilfsaktion "Familienfasttag" einladen, zudem sei auch weitere Zusammenarbeit in Planung, legte ggf-Geschäftsführerin Ulrike Borovnyak dar. Gezeigt werden solle damit auch, "dass in einer Fastenwoche mehr dahinter steht als ein Wellnessurlaub".

Fasten betreffe immer auch die seelisch-geistige Ebene, betonte Borovnyak, die als weitere Berührungspunkte zur kfbö die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit, Frauen und den Solidaritätsgedanken aufzählte. Schon im sprachlichen Sinn habe Fasten viel mit dem Teilen zu tun: "Wenn ich mich mitteile und von mir etwas weitergeben, öffne ich mich als Mensch, ebenso wie mein Gegenüber sich öffnet; dadurch kommen wir solidarisch zusammen", erklärte die Fastentrainerin und Buchautorin. Die Leere, die im Prozess des Fastens unweigerlich entstehe, gelte es "auf eine sinnvolle Weise zu füllen".

Die "Aktion Familienfasttag" besteht seit 1958 und sammelt u.a. mit einer Fastenspeise - traditionell handelt es sich dabei um eine Suppe - Spenden für mittlerweile rund 100 Frauenprojekte weltweit, skizzierte kfbö-Generalsekretärin Anja Appel die Grundzüge der Hilfsaktion. Diese sei immer politischer geworden: Wenn die kfbö heute "Verteilungsgerechtigkeit" einfordere, so gehe es "um ein Teilen von Ressourcen, von Chancen auf Lebe, auf Gesundheit, auf die Wahrnehmung und Durchsetzung von Rechten, auf die Teilhabe an Wirtschaft und Politik". Von Papst Franziskus, der in seinen Schreiben eine Änderung im Lebensstil und Wirtschaftens einfordere, wisse man sich dabei gestärkt.

Dass es die katholische Kirche wesentlich ihrer Frauenbewegung verdanke, dass das Fasten in der Fastenzeit außerhalb der Ordenshäuser nicht vergessen blieb, betonte Hans-Peter Premur, Pfarrer in Krumpendorf und ggf-Vorstandsmitglied. "Die breite Gesellschaft hat das Fasten erst jetzt über die Gesundheitsbewegung wieder entdeckt, ähnlich wie zuvor das Pilgern", so der Priester, der auch als Hochschulseelsorger und Fastentrainer tätig ist.

Fasten aktiviere Menschen, mache sie zu Multiplikatoren und sei oft sogar ein "Initiationserlebnis", so die Beobachtung Premurs, in dessen Pfarre sich ein "Solidaritätsfasten" - das Motto lautet "Lust auf Gerechtigkeit" - eingebürgert hat. Durchaus gebe das "Todeserlebnis" des bewussten Verzichts mehr Klarheit, lasse Unnötiges erkennen, nehme Zukunftsängste und motiviere zu einer Wende im Leben. "Fasten gibt das Rüstzeug, um mit Problemen zurechtzukommen und am Boden zu bleiben; es ist ein Innehalten und eine Lebensschule für die Zeit danach", schilderte der katholische Priester.

"Viele, die zu uns kommen, sagen: Ich habe alles, bin gesund, habe einen guten Beruf - fühle mich aber fremdbestimmt", berichtete Elisabeth Rabeder, Betriebsleiterin des Kneipp Traditionshauses Bad Mühllacken. Ganzheitliches Fasten erlaube den Blick darauf, "was sich verändern soll - und auch, wo ich Spuren hinterlassen möchte". Viele würden in Fastenkursen den Wunsch erkennen, für andere da zu sein. "Manche beginnen dann, einmal pro Woche für die alte Nachbarin mitzukochen oder beim Einkauf zu unterstützen, beginnen mit dem Deutschunterricht für ein Flüchtlingskind, starten eine Patenschaft oder unterstützen ein Kirchenprojekt", so Rabeder.

 

 

Quelle: kathpress

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