Friday 30. September 2016
13. February 2016

Historisches Treffen in Havanna

Franziskus hat als erster Papst der Kirchengeschichte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche getroffen

Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. umarmen sich nach der Unterzeichnung der gemeinsame Erklärung am 12. Februar 2016 am Flughafen von Havanna. Es ist das erste Treffen eines römischen Papstes mit dem Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche.

Die Umstände der ersten Begegnung eines russisch-orthodoxen Patriarchen und eines römischen Papstes hätte sich nicht einmal ein Romanautor des in Lateinamerika beliebten fantastischen Realismus besser ausdenken können: Auf dem Flughafen von Havanna, dessen "VIP"-Bereich noch immer den Charme des Karibiksozialismus der 1970er Jahre ausstrahlt, begegneten sich der am Vortag aus Moskau angereiste Patriarch Kyrill I. und der auf der Durchreise nach Mexiko befindliche Papst Franziskus. Als Gastgeber fungierte Raul Castro, der letzte amtierende Karibikdiktator.

Einige dekorative Pflanzen, ein hohes Kruzifix in der Mitte zwischen den Sesseln der beiden Kirchenoberhäuptern und die mit Bedacht ausgewählten Geschenke sorgten für einen halbwegs würdigen Rahmen, als die beiden in Weiß gekleideten Männer einander schließlich im Blitzlichtgewitter begegneten.

"Wir sind Brüder!", war die auf Spanisch vorgetragene Botschaft des Papstes an den Patriarchen. Schon auf dem Flug von Rom hatte er das russische Kirchenoberhaupt als "meinen lieben Bruder Kyrill" bezeichnet. Um die Bedeutung des Augenblicks weiter aufzuladen, sprach er nun noch vom "Willen Gottes", der sich in dieser Begegnung vollziehe. Kyrill betonte ein wenig nüchterner, dass "jetzt alles leichter ist".

Beide umschrieben so auf unterschiedliche Weise die Tatsache, dass ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nun mit Verspätung die Begegnung zwischen dem "Rom des Westens" und dem nach Byzanz "zweiten Rom des Ostens" vonstattengehen konnte.

Dazwischen lag das aus Moskauer Sicht wenig erfreuliche polnische Pontifikat Johannes Paul II. mit den heftigen Konflikten zwischen Katholiken und Orthodoxen in der Ukraine und der Errichtung römisch-katholischer Diözesen auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion. Theologisch und kirchenpolitisch hatte bereits Papst Benedikt XVI. den Weg zu einer Annäherung geebnet, doch offenbar bedurfte es der entwaffnenden Umarmungs-Diplomatie des lächelnden argentinischen Papstes, um das Eis endgültig zum Schmelzen zu bringen.

In der gemeinsamen Erklärung, die beide auf dem quasi neutralen Boden Kubas unterzeichneten, warnen Papst und Patriarch eindringlich vor der Gefahr eines neuen Weltkriegs. Mit Blick auf die Konflikte im Nahen Osten appellieren sie an alle Beteiligten, "guten Willen" zu zeigen und "sich an den Verhandlungstisch zu setzen". Die internationale Gemeinschaft müsse alle Anstrengungen unternehmen, um dem Terrorismus ein Ende zu setzen. Zudem sprechen sie sich für die Achtung der Religionsfreiheit aus. Sie beklagen dabei auch Einschränkungen der Rechte von Christen in Europa durch einen "oft sehr aggressiven Säkularismus". Nach der Unterzeichnung betonten die Kirchenführer den Wunsch nach Kooperation und Wiederherstellung der christlichen Einheit.

Im Vatikan ist unterdessen die Begeisterung für den historischen Moment nicht bei allen gleich groß. Osteuropäer an der Kurie erinnern an die große Nähe des Patriarchen zum russischen Präsidenten Putin und an die wieder erwachenden Großmachtansprüche Russlands in der Ukraine, im Kaukasus und im Nahen Osten. Bis zuletzt war unklar, wie weit der Papst dem mitunter kulturpessimistischen und antiwestlichen Grundton des Patriarchen in der gemeinsamen Erklärung entgegenkommen würde.

Nach der Unterzeichnung und einer weiteren brüderlichen Umarmung bestieg der Papst wieder die Alitalia-Maschine und flog weiter nach Mexiko, wo er eine sechstägige Pastoralreise absolviert.

Auf dem Programm des Patriarchen stand am Samstag noch die Weihe der neuen russisch-orthodoxen Kirche in Havanna, bevor am Sonntag seine zehntägige Rundreise durch Südamerika mit Stationen in Paraguay und Brasilien beginnt. Dort will er unter anderem an den 70. Jahrestag der Gründung der russisch-orthodoxen Diözese von Argentinien und Südamerika erinnern, zu der auch Brasilien gehört. Tausende Russen waren nach der Oktoberrevolution nach Brasilien, Argentinien und in andere Länder des Subkontinents ausgewandert. Den Nachfahren dieser Exilanten gilt die 12-tägige Reise Kyrills, die mit dem Besuch in Kuba begann.

 

 

Quelle: kathpress

comments powered by Disqus
Fotogalerien zurück #weiter#
Lutherstätten
Pressereise 2016
Mariä Namen-Feier 2016
70 Jahre "RSK"
Salzburger Hochschulwoche
2016
Papst in Polen
Eindrücke vom Sonntag
Papst in Polen
Videos zurück #weiter#
image
Papst: Gebetsmeinungen
September 2016
image
Papst: Gebetsmeinungen
August 2016
image
Papst Franziskus
Videobotschaft zum Weltjugendtag
image
Weltjugendtag 2016
Jugendbischof Turnovszky
image
Weltjugendtag Rio 2013
Ein besonderer Auftrag...
Audio zurück #weiter#
Menschenpflichten?
Jan & Aleida Assmann im Gespräch
"Grüß Gott in Österreich"
Kardinal Schönborn
Kardinal Schönborn
Bischofskonferenz 2016
Nach der Wahl
Aufruf von Kardinal Schönborn
Literatur & Religion
Poetikdozentur an der Uni Wien
Tipps zurück #weiter#
Orientierung
So., 2. Oktober | 12:30 | ORF 2
Fernsehgottesdienst
So., 2. Oktober | 09:30 | ORF 2
Radiogottesdienst
So., 2. Oktober | 10:00 | ÖR
Orientierung
So., 25. September | 12:30 | ORF 2
Radiogottesdienst
So., 18.9. | 10:00 | ÖR
Woanders zurück #weiter#
September 2016
Die katholisch.at-Presseschau
August 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Juli 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Juni 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Mai 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Blogportal
Paul Wuthe | 15.07.2016

"Die Kirche zahlt sehr wohl Steuern, und nicht wenig"

Mein Gastkommentar im Standard in Reaktion auf den Beitrag des Wiener...
Der Redaktionsblog | 30.06.2016

"Unablässig Trümmer auf Trümmer"

Manchmal möchte man aus der Haut fahren. Ist die Welt nicht verrückt...
Ulrike Hofstetter | 16.06.2016

Heute Teilzeit, morgen arm? Muss das so sein?

Schlagzeile im ORF: Teilzeit seit 1994 verdoppelt. Die meisten...
Kalender
30.09.2016 | 09:30 | St. Georgen/Längsee
Glaube hat Zukunft I - Impulse und Perspektiven für eine...
<p>Kirche und Glaube befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel. Gesellschaftliche und... mehr »
30.09.2016 | 12:30
Kulturfahrt
Freitag, 30.09.2016, Abfahrt um 12.30 Uhr am Bahnhofplatz mit dem Bus Anmeldung erbeten bis... mehr »
30.09.2016 | 12:30
Kulturfahrt
Medienreferat der
Österreichischen
Bischofskonferenz

Stephansplatz 4/6/1
A-1010 Wien
©2016 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.
http://www.katholisch.at/
Darstellung: