Mittwoch 7. Dezember 2016
16. Februar 2016

Prominente unterstützen "Familienfasttag"

Politische und kirchliche Prominenz macht bei Fastensuppenessen in Wien auf Situation von Frauen auf den Philippinen aufmerksam

Zu Solidarität mit benachteiligten Frauen auf den Philippinen hat die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) gemeinsam mit prominenten Vertretern aus Kirche und Politik in Wien zum bundesweiten Termin der Aktion Familienfasttag "Teilen spendet Zukunft" aufgerufen. "Ohne solche mutigen Initiativen wäre es in unserer Welt finsterer, unlebbarer", betonte Kardinal Christoph Schönborn beim traditionellen Benefizsuppenessen am Montagabend in der Hofburg. Mehr als 200 Gäste waren der Einladung von Bundespräsident Heinz Fischer gefolgt.

Fischer begrüßte eine Reihe prominenter Unterstützer, darunter Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Arbeits- und Sozialminister Alois Stöger, Justizminister Wolfgang Brandstetter, die Grünen-Klubobfrau Eva Glawischnig und EU-Parlaments-Vizepräsidentin Ulrike Lunacek. Anwesend waren auch Nuntius Peter Zurbriggen, die Bischöfe Alois Schwarz (Gurk-Klagenfurt), Werner Freistetter (Militärdiözese) und Altbischof Maximilian Aichern, Caritas-Präsident Michael Landau, der Theologe Paul Zulehner und Frauenordens-Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer, sowie der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac.

2016 steht das Thema "Verteilungsgerechtigkeit durch eine geschlechtergerechte Budget- und Finanzpolitik" im Zentrum der Aktion. Modellprojekt ist die auf den Philippinen beheimatete "Freedom From Debt Coalation" (FDC), deren Vertreterinnen Yuen Abana und Zeena Manglinon die Österreicher zum weiteren "Sorgen und Teilen" aufrief. Die NGO, der die Frauenrechtlerin angehört, setzt sich für die Entschuldung der Philippinen und für eine geschlechtergerechte Budget- und Finanzpolitik ein; seit vielen Jahren wird sie dabei materiell wie ideell von der kfbö unterstützt.

"Die Privatisierung der Stromversorgung hat dazu geführt, dass wir in den Philippinen die höchsten Kosten für Strom in ganz Asien haben", berichtete Abana. Auch die Versorgung mit Wasser, mit Dienstleistungen im Bereich von Bildung und Gesundheit läge weitgehend in privaten Händen. "Das trifft zuallererst Arme, zuallererst Frauen." Bedroht und eingeschränkt sei nicht nur deren materielle Existenz, sondern auch deren Würde.

Nachhaltiges Empowerment
Beeindruckt vom "politischen Empowerment von Frauen" im Rahmen der kfbö-Aktion zeigte sich gegenüber "Kathpress" die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Ulrike Lunacek. Es gehe nicht nur um kurzfristige Hilfeleistungen, sondern um eine nachhaltige Unterstützung von Frauen. Die kfbö wirke mit ihrem Engagement dem Klischee einer Kirche entgegen, "die sonst nicht immer auf der Seite der Frauen steht".

Kritisch äußerte sich Lunacek zur aktuellen EZA-Politik der Regierung. Der Schwerpunkt liege schon lange nicht mehr auf den wirklich armen Ländern, sondern "dort, wo Österreich wirtschaftliche Interessen verfolgt". Einwände seien dort angebracht, wo die Politik "auf Kosten der Ärmsten" gehe.

Frauenministerin Heinisch-Hosek erklärte, eine "vieljährige Zusammenarbeit" verbinde sie mit der kfbö. Wenn es diesmal darum gehe, Frauen ihren gerechten Anteil am Budget zukommen zu lassen, so gebe es hier auch in Österreich Nachholbedarf, räumte die Ministerin gegenüber "Kathpress" am Rande des Festaktes ein. "Wir sind in der Theorie gut, aber ich gebe zu, dass jedes einzelne Ressort Luft nach oben hat."

Eine langjährige Verbindung mit dem kfbö-Familienfasttag hat auch Präsidentengattin Margit Fischer. Sie sprach sich gegenüber "Kathpress" für "Solidarität ohne wenn und aber" aus, "egal ob da oder weit weg, ob Mann oder Frau". Schon kleine Gesten könnten große Wirkung erzielen, "nicht jeder kann gleich viel, aber jeder kann seinem Können entsprechend geben".

Schattenseiten des Neoliberalismus
Das derzeitige Wachstumsparadigma wirke sich negativ auf Frauen aus, betonte kfbö-Präsidentin Veronika Pernsteiner. Einerseits sei die überwiegend von Frauen verrichtete, schlecht bezahlte "Sorgearbeit" im heutigen Wirtschaftsdenken ausgeklammert, obwohl sie der "Unterbau jeder funktionierenden Gesellschaft" sei. Gleichzeitig seien Frauen in erster Linie von Sparmaßnahmen in Staatshaushalten betroffen, wie sie neoliberale Wirtschaftssysteme weltweit vorgeblich erforderlich machten: "Wo öffentliche Dienstleistungen privatisiert werden, wo Kürzungen bei Sozialausgaben vorgenommen werden, sind es in erster Linie Frauen, die das zu spüren bekommen". Auch Österreich habe hier Aufholbedarf, so Pernsteiner.

Die Präsidentin der österreichischen Frauenorden, Beatrix Mayerhofer, hofft auf eine Breitenwirkung des österreichisch-philippinischen Austauschs. "Wir Frauen müssen uns auf die Beine stellen und den Mund aufmachen", so Mayrhofer gegenüber "Kathpress". Als Ordensfrau sei sie an "allen Anliegen, die Frauen betreffen" interessiert und könne sich über politische und gesellschaftliche Grenzen hinweg dafür einsetzen.

Kärntens Bischof Alois Schwarz sprach sich mit Blick auf "die eine Welt" dafür aus, "das Viele, das wir haben, zu teilen". Die Gesellschaft sei in vielen Bereichen "durchökonomisiert" und vom Kosten-Nutzen-Gedanken geprägt.

 

 

Quelle: kathpress

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