Friday 30. September 2016
17. February 2016

Führungspersönlichkeiten brauchen Innerlichkeit

Kärntner Bischof: Spiritualität schafft inneres Rüstzeug, um im Wettbewerb stark zu bleiben und zugleich ethisch zu handeln

Der Schlüssel zu einer starken Persönlichkeit liegt in einer Spiritualität, die das innere Rüstzeug für eine tragfähige Ethik bietet. Das unterstrich Bischof Alois Schwarz beim "Wirtschaftsethik-Frühstück" vor Verantwortungsträgern aus Wirtschaft, Finanzen und Kirche am Mittwoch in Wien. Die Kirche biete mit ihrem geistlichem Reichtum dafür eine wichtige Orientierung, zeigte sich der in der Bischofskonferenz für Wirtschaft und Ökologie zuständige Bischof überzeugt und verwies dabei explizit auf die ignatianische Spiritualität. "Im Wettbewerb stark bleiben und zugleich enkeltauglich handeln" sei dann möglich, wenn "Führungspersönlichkeiten aus Innerlichkeit heraus handeln".

"Kontemplativ in der Aktion", dieses Wort des bis heute bedeutsamen Jesuiten Jeronimo Nadal, könne als Motto für diese Haltung herangezogen werden, so der Kärntner Bischof, der fünf Prioritäten aus der jesuitischen Traditionen nannte, "um den Tag gut zu bestehen" und "Trittsicherheit im Guten zu haben": Zuallererst brauche der Mensch "ausreichend Schlaf, um zu leben und nicht nur zu funktionieren". Diese erste Priorität habe gerade in einer Zeit der "Dauererreichbarkeit" einen neuen Stellenwert. Zudem würden zahlreiche Studien belegen, dass Unausgeschlafene falsche Entscheidungen treffen. Als zweite Priorität nannte Schwarz genug Bewegung, denn: "Alles was dem Körper hilft, stärkt auch die seelische Balance."

Erst an dritter Stelle komme Meditation, Gebet oder Spiritualität. Profan formuliert sei damit gemeint, "eine halbe Stunde für sich selbst zu haben, um zur Ruhe zu kommen, damit sich alles absetzen und klären kann". "Zeit nehmen für Beziehungen" bewertete der Bischof als die vierte Priorität im Leben. Dabei gehe es nicht um Geschäftsbeziehungen, sondern um Zweckfreiheit: "ohne etwas zu wollen gemeinsam Zeit verbringen". Erst wenn diese vier Prioritäten "in genau dieser Reihenfolge" gelebt würden, komme die Arbeit als fünfte Priorität. Der Bischof verwies dabei auf das christliche Zeitverständnis, wonach die Woche mit dem Sonntag, als dem ersten Tag, beginne. Dieser Tag sei ein Geschenk Gottes an den Menschen und sage aus: "Du darfst zuerst einmal vor Gott und seiner Schöpfung leben".

Schwarz sprach im Rahmen einer Veranstaltung, zu der das Bankhaus Schelhammer & Schattera gemeinsam mit dem vom Kärntner Bischof initiierten Wirtschaftsethik Institut Stift St. Georgen (WEISS) geladen hatten. Die älteste Wiener Privatbank, die nach Rückzug der Ordensgemeinschaften und Diözesen aus der Eigentümerstruktur nun zur GRAWE-Gruppe gehört, präsentierte dabei ihren Geschäftsschwerpunkt auf ethisch-nachhaltige Bankdienstleistungen. Thema war auch das vom WEISS ins Leben gerufene Wirtschaftsethik-Zertifikat, das nach einem "integrativen Ethik und CSR-Check" an Unternehmen vergeben wird.

(Informationen: www.ethik.eu)
Quelle: kathpress
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