Sonntag 26. März 2017
17. Februar 2016

Wehrt euch gegen Drogen und Gewalt

Franziskus fordert in Drogenkriminalitäts-Hochburg Morelia bessere Zukunftschancen für Jugendliche

Papst Franziskus hat die Jugend Mexikos zum Widerstand gegen Drogen, Rauschgifthandel und Gewalt aufgerufen. Die Jugendlichen dürften ihr Leben nicht den Drogenkartellen und den Zerstörern des Lebens überlassen, sagte er am Dienstag bei einem Treffen mit Jugendlichen in der mexikanischen Stadt Morelia. "Jesus würde uns nie dazu auffordern, Auftragsmörder zu sein, sondern er nennt uns Jünger", so der Papst in seiner teils improvisierten Ansprache. Die Jugendlichen - rund 100.000 waren im und um das Stadion von Morelia versammelt, Tausende weitere bei einer Live-Übertragung in der Stadt Guadalajara - rief er zum Aufbau einer friedlichen und solidarischen Gesellschaft auf und nannte sie "Reichtum Mexikos" und auch "Reichtum der Kirche".

Morelia und der Bundesstaat Michoacan ist in den vergangenen Jahren zu einem mittelamerikanischen Epizentrum der Gewalt und der organisierten Kriminalität geworden; viele der Täter - und der Opfer - sind im jugendlichen Alter, aus diesem Grund hatte der Papst darauf bestanden, Michoacan zu besuchen und das bei Papstreisen übliche Jugendtreffen gerade hier anzusetzen. Landesweit starben im Krieg gegen die Kartelle seit 2006 mehr als 70.000 Menschen, rund 25.000 Menschen werden vermisst.

Er kenne die Lage der Jugendlichen Mexikos, gab Franziskus nach vorbereiteten Fragen von vier Jugendlichen zu ihrer Lebenssituation zu verstehen. Er sprach von Freunden und Angehörigen der Anwesenden, die "in den Händen des Rauschgifthandels, der Drogen, der kriminellen Organisationen sind, die Terror verbreiten", sowie von Arbeitslosigkeit, verschlossenen Wegen zu Bildung und einem Ausmaß von Entrechtung, das "einen schließlich in Grenzsituationen treibt".

Glück nicht mit Besitz verwechseln
Der Papst wandte sich gegen eine materialistische Lebenseinstellung, die Glück mit Besitz verwechsele. "Die Hauptbedrohung für die Hoffnung ist, dir einzureden, dass du erst dann etwas giltst, wenn du dich hinter der Maske der Kleidung, der Marken, des letzten Schreis der Mode versteckst", mahnte Franziskus. "Die Hauptbedrohung ist, zu meinen, mit Geld könne man alles kaufen, einschließlich Zuneigung, oder zu glauben, weil du ein großes Auto hast, bist du glücklich." Die jungen Menschen dürften niemals an ihrem Wert zweifeln und daran, in der Welt wichtig zu sein.

Zugleich forderte der Pontifex bessere Zukunftschancen für die Jugend in Mexiko; fast ein Drittel der Mexikaner ist unter 15 Jahre alt. Es sei schwer, sich als Reichtum des Landes zu sehen, wenn es keine Möglichkeit zu würdiger Arbeit, Ausbildung und Studium gebe oder wenn man wegen seiner Jugend ausgenutzt und ausgeschlossen werde, kritisierte Franziskus. Große Hoffnungen und Träume im Leben würden dabei für viele wie Seifenblasen zerplatzen.

Gegengift gegen die Bedrohungen
Die Jugendlichen ermutigte der Papst, "Mut zum Träumen" nicht zu verlieren und dabei ihr Leben auf Jesus Christus zu gründen. "An seiner Hand können wir jedes Mal wieder neu beginnen." Jesus strafe alle Lügen, "die euch unnütz oder zu reinen Knechten der Ambitionen anderer machen wollen". Er reiche zudem die Hand, wenn man hingefallen sei, und helfe dabei, wieder aufzustehen. Nach diesem Vorbild sollten die Jugendlichen auch anderen helfen und ihnen die Hand zum Aufstehen reichen, "aber sagt nicht: ich bring dir das Rezept. Nein, macht es mit Würde und Geduld, mit Worten und mit Zuhören, nicht mit einer Strafpredigt", schärfte Franziskus ein.

Franziskus rief Mexikos Jugend dazu auf, ihre Rechte und Pflichten als Staatsbürger stärker wahrzunehmen und ein "Gegengift" gegen die vielfältigen Bedrohungen zu sein; für ihre Familien, ihre Pfarren und ihr Stadtviertel sowie für die gesamte Gesellschaft sollten sie wie ein "Sauerteig" wirken.

Enthusiasmus und Sturz
Die Jugendlichen hatten Franziskus nach seiner Stadioneinfahrt in einem Golfwagen mit schierem Enthusiasmus und kulturellen Darbietungen empfangen. Der 79-jährige Papst, der zuvor etwas müde gewirkt hatte, ließ sich von dieser Welle der Begeisterung mittragen. Zwei Mädchen mit Down-Syndrom stürmten zu Beginn der Feier auf den Papst zu und warfen sich ihm förmlich ans Herz. Bei den Berichten und Fragen der Jugendlichen saß Franziskus dann konzentriert auf seinem schlichten weißen Sessel und machte mit Schreibblock und Stift Notizen, die er dann in seine Rede einarbeitete. Am Ende der Feier, nachdem er selbst die Lieder "Vive Jesus" und "Christus König" mitgesungen hatte, stiegen weiße Luftballons in den Himmel, und Dutzende große Holzkreuze wurden durch das Stadion getragen, die den Auftakt einer besonderen Aktion zur Jugendmission symbolisieren.

Zu einem kleinen Zwischenfall kam es bei der Massenveranstaltung, als jemand Franziskus beim Bad in der Menge so stark zu sich hinzog, dass dieser auf ein behindertes Kind im Rollstuhl stürzte. Der sichtlich erzürnte Papst schimpfte nach dem Vorfall heftig. Eine Videoaufnahme der etwa 20 Sekunden langen Episode verbreitete sich wenig später tausendfach in den sozialen Netzwerken. Vatikansprecher Federico Lombardi kommentierte das Verhalten des Papstes mit den Worten, dessen Reaktion in dieser Situation sei "absolut normal und verständlich" gewesen.

Letzter Besuchstag führt Papst zur Nordgrenze
Nachdem der Papst im Anschluss an das Treffen in die Hauptstadt zurückflog und zum letztenmal in der dortigen Nuntiatur übernachtete, stand für Mittwoch, den letzten Tag der Mexikoreise des Papstes, ein Besuch in der nordmexikanischen Stadt Ciudad Juarez auf dem Programm. Dort will Franziskus zunächst ein Gefängnis besuchen und mit 700 Gefangenen in der Kapelle beten. Danach ist ein Treffen mit Vertretern der Arbeitswelt vorgesehen. Den Höhepunkt bildet schließlich eine Messe unmittelbar am Grenzzaun zu den USA. An diesem Gottesdienst wollen auch mehrere Zehntausend Gläubige jenseits der Grenze in den USA teilnehmen. Von Ciudad Juarez fliegt das Kirchenoberhaupt nach Rom zurück, wo er am frühen Donnerstagnachmittag erwartet wird.

 

 

Quelle: kathpress

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