Montag 20. Februar 2017
19. Februar 2016

Enquete "Würde am Ende des Lebens" fehlt Umsetzung

Bioethiker Virt im Kärntner "Sonntag": Erst 50 Prozent des Hospiz-Bedarfs umgesetzt, eigener Hospiz-Koordinator sollte eingesetzt werden

Eine schleppende Umsetzung der Parlamentsvorgaben zur Hospiz- und Palliativversorgung hat der Wiener Moraltheologe Günter Virt beklagt. "Wenn man Bedarf und Realität vergleicht, sind jetzt erst etwa 50 Prozent abgedeckt", äußerte sich der Bioethiker in der Kärntner Kirchenzeitung "Der Sonntag" (aktuelle Ausgabe). Vor knapp einem Jahr - am 3. März 2015 - hatten alle Parlamentsparteien im Rahmen einer Enquete einstimmig Empfehlungen für die Wahrung der "Würde am Ende des Lebens" verabschiedet. Kernpunkt sei dabei der gemeinsame Wille zu einer "wirklichen Finanzierung" des Palliativ- und Hospizwesens gewesen, so Virt.

Weiterhin fehle vor allem ein von den Parteien geforderter Hospiz-Koordinator, der die Umsetzungen der Beschlüsse der Enquete vorantreibt und dem Parlament regelmäßig Bericht erstattet. Dass es mittlerweile einen Flüchtlingskoordinator, aber keinen für die Hospiz gebe, sei "menschlich", schiebe man doch "Dinge, mit denen man nicht unmittelbar konfrontiert ist, gerne auf die lange Bank", so Virt. Unausweichlich betreffe das Thema dennoch jeden, "früher oder später". Die Palliativmedizin beschrieb der Ethiker als "Linderung physischer, psychischer, sozialer und spiritueller Leiden, so dass die Lebensqualität bis zum Ende gewährleistet ist."

Menschenwürde umfasse viel mehr als bloß Schmerzlosigkeit, betonte der Ethiker. Man müsse sie heute "wieder zurückübersetzen", sein Vorschlag dafür: "Dass ich jeden Menschen als Zweck an sich und niemals bloß als Mittel zum Zweck würdige". Man könne Menschenwürde "nicht verlieren, aber man kann sie leider verletzen". Aktive Sterbehilfe sei laut Virt mit Menschenwürde nicht zu begründen: Auch wenn die Selbstbestimmung als Teil der Menschenwürde zu schützen sei, spiele sie sich nie im luftleeren Raum ab; aktive Sterbehilfe signalisiere den kranken, sterbenden und behinderten Menschen, dass sie eine Last seien, wodurch diese dann nachgeben würden.

Dass die österreichische Bioethikkommission bei einer im Umfeld der Enquete veranstalteten Sitzung bei der Frage zur Sterbehilfe zu keinem einhelligen Ergebnis gekommen sei, führte der Theologe auf "politischen Einfluss" zurück - würden die Kommissionsmitglieder doch durch den Kanzler bestellt. Unabhängiger und ausgewogener sei die Brüsseler Ethikberatergruppe der EU-Kommission, der fünf Ethiker, fünf Juristen und fünf Naturwissenschaftler - darunter auch Virt, der von 2001 bis 2012 selbst in der Bioethikkommission saß - angehören.

Leidvoll habe Europa aus der abendländischen Geschichte die Bedeutung der Menschenrechte und der sie grundlegenden Menschenwürde gelernt, deren "tiefste" Wurzel für Virt eindeutig das Christentum sei: "Dass nämlich jeder, der mit begegnet, Gottes Ebenbild ist." Dies gelte auch gegenüber dem Menschen auf der Flucht, wenngleich man nicht allen Menschen helfen könne. "Wer allen gleichzeitig helfen will, tut gar nichts." Aufgabe der Ethik sei es, hier "klare Vorzugsregeln" zu finden und "zu sagen: Wer ist mein Nächster?" Dem Evangeliumstext nach sei dies stets "der, der in Not ist und der jetzt da ist", erläuterte der Theologe.

 

 

Quelle: kathpress

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