Sonntag 4. Dezember 2016
23. Februar 2016

Angst ist Nährboden für jede Form von Extremismus

Wiener Weihbischof betont bei Diskussion zum Thema "Christentum, Islam und Judentum: Was trennt, was verbindet?" die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs

Angst ist ein gefährlicher Nährboden für jede Form von Gewalt und Extremismus. Und das beste Mittel dagegen sei der Dialog. Das betonte der Wiener Weihbischof Franz Scharl bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Christentum, Islam und Judentum: Was trennt, was verbindet?" am Montagabend in Wien. Auf Einladung der Tageszeitung "Kurier" diskutierte Scharl mit der Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Amina Baghajati, und dem Gemeinderabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Schlomo Hofmeister. Einig war sich die Runde darüber, dass der interreligiöse Dialog in Zukunft noch wichtiger wird, um gemeinsam Verantwortung bei den wichtigen Fragen der Zeit zu übernehmen.

In Sachen interreligiöser Dialog sei Österreich im europäischen Vergleich "weit vorn", sagte Scharl. Als gelungenes interreligiöses Beispiel auf institutioneller Ebene nannte er die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems, wo ab Herbst 2016 auch die Ausbildung für den islamischen Religionsunterricht angeboten wird. Diese Zusammenarbeit sei von großem Wert und zeige, dass Kooperationen zwischen den Religionen möglich sind, so der Wiener Weihbischof.

Trotz der vielen Verbindungen der drei monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam dürften, sei es aber auch wichtig, die jeweiligen spezifischen Eigenheiten zu betonen und Unterschiede nicht "unter den Tisch zu kehren", erinnerte Scharl. Ein Dialog nur aus falsch verstandenen Höflichkeiten bestehender Dialog, führe zu nichts, zeigte sich der Bischof überzeugt. Im Verhältnis mit dem Judentum, sei die Frage nach dem Umgang mit dem "Desaster" der Schoah immer noch wichtig, sagte Scharl. Durch das Konzilsdokument Nostra Aeatate von 1965 habe man mit der Anerkennung des Judentums als Wurzel des Christentums eine Abkehr des kirchlichen Antijudaismus eingeleitet. In den vergangenen 50 Jahren sei der christlich-jüdische Dialog stets gewachsen, so Scharl.

Mit der Verbindung durch ihre gemeinsamen Vorväter sei den monotheistischen Religionen ein gewisses "abrahamitisches Werteverständnis" mitgegeben, betonte Rabbiner Hofmeister. Trotzdem sei es in der Geschichte aller Religionen immer wieder zu politischer Instrumentalisierung und Missbrauch gekommen. Im interreligiösen Dialog sei es darüber hinaus besonders schwierig, dem anderen vollkommen unbelastet und nicht aus dem "eigenen Denken" heraus zu begegnen. Dies sehe er aber als die einzige Möglichkeit, dass Dialog zwischen den Religionen wirklich funktioniert, so der Rabbiner.

Hofmeister warnte davor, kulturelle und religiöse Dinge zu vermischen, wie beispielsweise bei Ehrenmorden oder auch der Ganzkörperverschleierung. Wenn man gewisse Rituale einer Religion zuschreibe und diese dann auf Basis dessen verurteile, müsse man erst einmal schauen, "wo das in der jeweiligen Heiligen Schrift überhaupt steht", so Hofmeister. Es sei aber eine besondere Aufgabe der Theologen und Geistlichen, diese kulturellen Sitten zu widerlegen und klarzustellen, dass sie keinerlei religiöse Rechtfertigung haben.

Etwas mulmig zumute sei ihm in Bezug auf den antijüdischen Islamismus, der auch in Europa immer mehr Fuß fasse, betonte Hofmeister. Entwicklungen, wie in Frankreich, wo bereits etliche Juden aus Angst vor islamischen Angriffen das Land verlassen haben, müssten dringend gestoppt werden. Hier sei es Aufgabe der Islamischen Verbände klare Worte zu sprechen.

Brauchen Dialog der Ehrlichkeit
Für einen offenen Dialog, der auf Ehrlichkeit und gegenseitigem Zuhören basiert, sprach sich IGGiÖ-Sprecherin Baghajati aus. Zu einem solchen Dialog gehöre selbstverständlich auch das Ansprechen von Unterschieden und Meinungsverschiedenheiten. Trotzdem hätten alle drei monotheistischen Religionen einen gemeinsamen Gott und daraus resultierend gemeinsame Werte, beruhend auf Liebe und Barmherzigkeit und dem generellen Willen nach Friede und Gerechtigkeit, sagte Baghajati. Daraus ergebe sich auch eine gemeinsame Verantwortung im Umgang mit religiös aufgeladenen Konflikten.

Baghajati verurteilte jegliche Art islamistischer Gewaltakte. "Es gibt im Islam keine theologische Rechtfertigung für einen heiligen Krieg", jeder der das behaupte, sage nicht die Wahrheit. Krieg werde im Koran lediglich als die allerletzte Lösung bezeichnet und sei überhaupt nur im Verteidigungsfall erlaubt, so Baghajati. Sie räumte ein, dass es Probleme mit extremistischen Gruppen und Vereinen in Österreich gebe. In diesem Zusammenhang sei es besonders wichtig, dass junge Muslime über ihre eigene Religion aufgeklärt werden. Nur so könne man sie vor radikaler Propaganda schützen.

 

 

Quelle: kathpress

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