Mittwoch 7. Dezember 2016
24. Februar 2016

Kapellari: Papst Franziskus wirkt prophetisch

Emeritierter Grazer Bischof: "Starke Worte und damit verbundene starke Symbole" prägen Pontifikat

Egon Kapellari, Petersdom

Papst Franziskus entspricht in seinen Worten und seinem Handeln dem Typus eines biblischen Propheten und will damit Menschen in Bewegung versetzen. Zu dieser Einschätzung über das knapp dreijährige Pontifikat kam der emeritierte Grazer Bischof Egon Kapellari bei einem Vortrag am Dienstagabend im katholischen Bildungshaus "Sodalitas" in Tainach/Tinje. "Starke Worte und damit verbundene starke Symbole" prägten die Zeit seit der Wahl von Franziskus und seien beim ersten öffentlichen Auftritt des Papstes auf dem Balkon der Peterskirche schon deutlich geworden. Das prophetische Wirken des Papstes zeige sich vor allem in den Rundschreiben "Evangelii gaudium" und "Laudato si", aber auch in der kürzlich erfolgten Begegnung mit dem Patriarchen von Moskau am Flughafen von Havanna, so Kapellari.

Ähnlich wie die Päpste in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spreche Franziskus alle großen Themen der Kirche, der Ökumene, anderer Weltreligionen und der Menschheit an. Im Unterschied zu seinen Vorgängern habe er aber das Tempo und die Intensität gesteigert. "In fast atemberaubendem Tempo ist dieser Papst unterwegs", konstatierte der Bischof in seinem Vortrag, der unter dem Thema "Das prophetische Wort heute" stand.

Der Papst treffe dabei auf viel Zustimmung, aber auch auf manche Ablehnung, dies auch innerhalb der katholischen Kirche. "Trägheit - wirklicher oder vermeintlicher Trägheit in der Kirche - begegnet er mit Schelte", so der Bischof: "Auch der kritischen Frage, ob nicht im Disput über die sogenannten 'Heiße-Eisen'-Themen substanziell Unverzichtbares auch durch ihn aufs Spiel gesetzt werde, weicht er nicht aus." Franziskus würde dabei nicht nur jene enttäuschen, "die an allen Ranken des in der Kirche Gewordenen festhalten wollen", sondern auch die, die ihm ihre "political correctness" aufzwingen wollten.

Beide Gruppe wolle der Papst dazu bringen, "sich in Bewegung zu setzen auf dem Weg zu jenem Rand hin, wo entfremdete Menschen und ganze Völker leben und auf den Hirtendienst in der Nachfolge Christi, des guten Hirten, warten." Auf dem Weg zu diesem Rand gehe es dem Papst darum, die Rückbindung an Christus als Mitte und Tiefe des Glaubens zu bewahren und zu stärken. Der Papst wolle dabei nicht wie ein Genie bewundert werden, sondern er soll und will "nachgeahmt werden", hielt der ehemalige Bischof von Gurk sowie Graz-Seckau fest.

 

 

Quelle: kathpress

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