Dienstag 17. Januar 2017
03. März 2016

Sportler und NGOs kritisieren Vertreibungen in Rio

Initiative "Nosso Jogo" pocht auf bindende Menschenrechts-Standards bei Sportgroßveranstaltungen

Sportler und NGOs kritisieren Vertreibungen in Rio
Heftige Kritik an Menschenrechtsverletzungen im Vorfeld der in fünf Monaten beginnenden olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro haben österreichische NGOs gemeinsam mit Sportlern geäußert. Damit es nicht weiter zu Zwangsumsiedlungen, Polizeigewalt und zur Verschwendung von Steuergeld komme, müsse das Internationale Olympische Komitee (IOC) endlich bindende Menschenrechtsstandards festschreiben, forderte die Initiative "Nosso Jogo" (Unser Spiel) am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Wien. Dabei wurde auch eine entsprechende Petition an den IOC-Präsidenten Thomas Bach sowie die Solidaritätsaktion "Menschenrechte sind olympisch!" gestartet.

Die sozialen Kosten der Olympiade sowie der 2014 stattgefundenen Fußball-WM sind immens hoch für Rios Bevölkerung: Die 6,4-Millionen-Stadt werde für das Sportevent "aufgeteilt in Räume für Reiche und Räume für Arme", berichtete die brasilianische Menschenrechtsaktivistin Julia Bustamente Silva bei der Pressekonferenz. Gewaltvoll würden dabei Armensiedlungen in der Nähe der Sportstätten - wie beispielsweise die "Vila Autodromo" - geräumt. Mehr als 60.000 Menschen hätten somit wegen der Fußball-WM und Olympia ihr Zuhause verloren. Zu Unrecht, so die Aktivistin, die forderte: "Die olympischen Spiele dürfen der lokalen Bevölkerung nicht schaden."

Neben "Nosso Jogo" - hinter der Initiative stehen u.a. die Dreikönigsaktion, Südwind und das Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zuammenarbeit (VIDC) - treten auch österreichische Athleten gegen die Vertreibungen auf, darunter Ana Roxana Lehaci, als Kanutin im Olympiakader für Rio 2016, sowie der Segler Andreas Hanakamp, Olympiateilnehmer in Atlanta 1996 und Athen 2004. Die Erfüllung des Traums von den Olympischen Spielen dürfe nicht die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung zerstören, so die beiden Spitzensportler vor den Journalisten.

Bis zum Start des großen Sportevents im August plant "Nosso Jogo" ein umfangreiches Programm wie Aktionstage mit Sportvereinen, hochkarätigen Dialogveranstaltungen, Workshops an Schulen und Jugendzentren sowie auch eine Studie zu österreichischen Unternehmen in Rio 2016. Ziel der Veranstaltungen sei es, "ein differenziertes Bild von Brasilien im Kontext von Sport und Menschenrechten zu vermitteln und Möglichkeiten für faire und solidarische Sportevents aufzuzeigen", erklärte "Nosso Jogo"-Koordinator Martin Kainz von fairplay-VIDC

Ein erster Höhepunkt ist bereits in der kommenden Woche am Donnerstag (10. März) ein ganztägiges Dialogforum im Wiener Haus des Sports zum Thema "Sport und Menschenrechte" angesetzt, u.a. mit Sportminster Hans Peter Doskozil, ÖFB-Präsident Leo Windtner, Ex-Olympionikin Sylvia Schenk von Transparency International Deutschland und Bernd Brünner, dem stv. Geschäftsführer der Austrian Development Agency (ADA). Diskutiert werden soll dabei u.a. auch die Rolle, die Österreich bei der Etablierung von Menschenrechtstandards spielen kann.

Speziell an Sportbegeisterte richtet sich die von der Dreikönigsaktion gestartete Solidaritätsaktion "10.000 Kilometer für die Menschenrechte", bei denen die genannte Strecke - sie entspricht der Entfernung Österreichs von Rio - mit vereinten Kräften zurückgelegt werden soll. Symbolisch wird dadurch gegen die Verletzung von Menschenrechten im Zuge von Sportgroßveranstaltungen protestiert. Den Start machten am Donnerstag die Spitzensportler Ana Roxana Lehaci (Kanu), Jennifer Wenth (Leichtathletin des Jahres 2015), Johannes Dachler (Rugby) und Andreas Hanakamp (Segeln) - gemeinsam mit 60 Kindern. Am Nachmittag zeigte der Kilometerzähler bereits auf 2.500 Kilometer.

Zu den "Nosso Jogo"-Unterstützern zählt auch der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl: "Bei den olympischen Spielen in Brasilien sollen auch die Menschen vor Ort zu den Gewinnerinnen und Gewinnern gehören. Menschenrechte dürfen dabei nicht verletzt werden", so sein auf der Kampagnenhomepage www.menschenrechte-sind-olympisch.at gepostetes Statement.

Infos: www.nossojogo.at
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