Samstag 10. Dezember 2016
26. März 2016

"Flüchtlingspolitik derzeit nicht christlich"

Präsidentin Schaffelhofer: "Eine Politik mit unchristlichen Mitteln ist nicht nachhaltig und wird das sogenannte christliche Abendland nicht retten" - Franziskus ist "Weckruf des Heiligen Geistes an eine sehr satte Christenheit"

Gerda Schaffelhofer

Mit geharnischter Kritik an der Flüchtlingspolitik der Regierung und Europas hat sich die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) zu Wort gemeldet: "Wir erleben eine Unkultur des Wegschauens, die auf dem Rücken derer ausgetragen wird, die vor Terror, Krieg und Elend flüchten", so Gerda Schaffelhofer im Interview mit den "Salzburger Nachrichten" am Karsamstag. Es sei "irrsinnig bedauerlich, dass Österreich in diesem Trauerspiel eine Hauptrolle spielt. Von christlicher Politik sind wir weit entfernt." Es sei Aufgabe der Politik, Ängste zu nehmen und solidarisches Handeln zu stärken und es brauche Politiker, "die den Mut haben zu sagen, dass es eine neue Form des Teilens wird geben müssen", so die Spitzenvertreterin des kirchlichen Laienpaostolats.

 

Deutlich verwahrte sich Schaffelhofer in der Flüchtlingsfrage gegen eine Politik aus "wahltaktischen Überlegungen". Für die in der Bevölkerung weit verbreitet Angst vor einer Überforderung durch massenhafte Flucht sei auch die Politik mitverantwortlich. Diese Ängste seien durch eine gefährliche Redeweise "von einem Tsunami, der über uns hereinbricht", bewusst politisch geschürt worden. Als Konsequenz werde der Ruf nach Durchgreifen und nach einem "starken Mann" in einem "Rechtsruck in Europa" deutlich. Demgegenüber sei Politik gefordert, Ängste zu nehmen, und gemeinsam mit Ehrenamtliche und anderen Lösungen für die Herausforderungen zu suchen.

 

"Eine Politik mit unchristlichen Mitteln ist nicht nachhaltig und wird das sogenannte christliche Abendland nicht retten", sagte Schaffelhofer und betonte: "Für mich ist der Schutz von Menschen in Not, die vor Krieg und Gewalt fliehen, ein Kernelement des Christentums. Dieses ethische Grundprinzip wird im Augenblick in der österreichischen Bundesregierung von niemandem vertreten." Wenn man das, was auf Bundesebene gelebt werde, mit dem in Übereinstimmung bringen möchte, was in der Bibel steht, dann müsste die Bibel umgeschrieben werden: "Dann müsste es heißen: Verteidigt euren Wohlstand gegen die, die euch bedrängen, baut Zäune, schottet euch ab, ihr habt euch mit Recht etwas geschaffen, ihr seid fleißig gewesen, das ist euer Land, baut Festungen. Das finde ich nirgendwo im Evangelium. Dort heißt es, der Nächste ist der, der meine Hilfe braucht."

 

Christlich orientierte Politik sollte sich demgegenüber fragen, was der nächste Schritt in Richtung Evangelium ist. Derzeit sei es anders: "Wir gehen immer mehr von solidarischem Verhalten weg, wir stellen immer mehr in Frage. Ja, wir schrecken sogar Menschen ab, die sich ehrenamtlich engagieren, und wir untergraben die Spendenfreudigkeit, weil die Hilfsorganisationen umso weniger öffentliche Mittel bekommen sollen, je mehr sie durch Spenden aufgebracht haben. Das sind alles Dinge, die die Menschen vor den Kopf stoßen", so Schaffelhofer.

 

Papst ist Weckruf an satte Christenheit

 

Große Hoffnungen setzt die ehrenamtliche KAÖ-Präsidentin in Papst Franziskus. Dieser sei "ein Weckruf des Heiligen Geistes an eine sehr satte Christenheit". Er rufe dazu auf, dass Kirche eine heilende Funktion habe, an die Ränder gehen und nicht dauernd mit dem moralischen Zeigefinger daherkommen solle. Entscheidend sei, mit dem Papst mitzugehen.

 

Auf die Frage nach der Möglichkeit der Priesterweihe für Frauen dürfe man Papst Franziskus "nicht überfordern". "Er hätte für eine Änderung derzeit keine Mehrheit. Ich glaube, dass dafür ein Konzil notwendig sein wird", so Schaffelhofer, die unter Franziskus jedoch kleine Fortschritte bei der bislang unterschiedlichen Behandlung von Frauen und Männer feststellte.

 

Kirche sollte der Ort sein, wo Frauen und Männer partnerschaftlich zusammen arbeiten und leben, weil die Frau von Jesus her den gleichen Stellenwert wie der Mann habe. "Die Frauen haben zu der Gemeinschaft um Jesus dazugehört und waren zu Ostern die ersten Botinnen der Auferstehung, während die Männer sich verdrückt und verschanzt hatten", erinnerte die Theologin und Herausgeberin der Wochenzeitung "Die Furche". Das sei später in der patriarchalen Welt gänzlich verloren gegangen. "Wir wurden reduziert auf die gehorsamen Gattinnen, die gebärfreudigen Mütter und die demütigen Mägde. Das ist bis heute eine Bruchlinie."

 

Quelle: Kathpress

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