Saturday 25. June 2016
29. March 2016

Nur mehr 300.000 Christen im Irak

Chaldäisch-katholischer Erzbischof von Erbil, Warda, in "Kathpress"-Interview: Kirche bemüht sich um Zukunftsperspektive für christliche Flüchtlinge im Land

Vor dem Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten und dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 lebten im Irak noch bis zu 1,4 Millionen Christen, jetzt sind es im gesamten Land nicht einmal mehr 300.000. Diese Zahlen hat der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, in einem "Kathpress"-Interview vor Ort genannt. Im Nordirak lebten aktuell noch rund 150.000 Christen, weit über die Hälfte davon Binnenflüchtlinge. Das letzte große christliche Flüchtlingsdrama fand im Sommer 2014 statt, als die Terrormiliz IS die nordirakische Stadt Mosul und die gesamte Ninive-Ebene überrannte. Erzbischof Warda sprach im Zusammenhang mit dem Vorgehen des IS von "Völkermord". 120.000 Christen und Jesiden waren 2014 innerhalb weniger Stunden und Tage in die sicheren Kurdengebiete geflüchtet.

 

Die Kirche bemühe sich nach Kräften, den geflohenen Menschen zu helfen, sagte Erzbischof Warda. Allein in der Region der kurdische Hauptstadt Erbil hätten rund 70.000 Christen Zuflucht gesucht. 20.000 von ihnen haben laut Warda das Land inzwischen aber bereits verlassen. Derzeit betreibt die chaldäische Kirche in Erbil vier Flüchtlingscamps für rund 10.000 Menschen. Eine gleich große Zahl sei in von der Kirche angemieteten Wohnungen untergekommen, so der Erzbischof. Die Kirche leiste auch Nahrungsmittelhilfe, man habe zudem zwei medizinische Zentren und 14 Schulen gebaut. "Wir wollen den Flüchtlingen eine Zukunftsperspektive im Irak geben, damit sie das Land nicht verlassen müssen", betonte Warda. Vor kurzem habe man deshalb auch eine katholische Universität in Erbil eröffnet.

 

Ein großes Problem für die christlichen Flüchtlinge in Erbil ist die Sprache. Ohne Kurdisch-Kenntnisse sei es für die arabisch-sprachigen Christen kaum möglich, einen Job zu finden, schilderte der Erzbischof. Viele Flüchtlinge hätten deshalb auch schon die Hoffnung auf eine Zukunft in Kurdistan aufgegeben und würden im Westen ihr Glück versuchen. "Jeden Monat verlieren wir 30 bis 40 Familien", sagte Warda.

 

In der autonomen Region Kurdistan sei das Leben für die Christen jedenfalls besser als in den anderen Teilen des Irak, unterstrich der chaldäisch-katholische Erzbischof. Das betreffe sowohl die Sicherheitslage, als auch die soziale Situation und die gesamtgesellschaftliche Einstellung gegenüber den religiösen Minderheiten.

 

Warda zeigte sich zuversichtlich, dass es den irakischen und kurdischen Truppen sowie deren internationalen Verbündeten 2016 gelingen werde, die Ninive-Ebene und Mosul von den IS-Milizen zu befreien. Damit sei freilich noch längst nicht alles gewonnen, fügte er hinzu. Denn die Befreiung ändere noch lange nicht die negative Einstellung der muslimischen Bevölkerungsmehrheit gegenüber den religiösen Minderheiten in der Region. Es bräuchte daher massive Sicherheitsmaßnahmen, damit eine Rückkehr der christlichen Bevölkerung in ihre Heimatstädte und Dörfer überhaupt angedacht werden könne.

 

Der chaldäische Erzbischof räumte ein, dass die christlichen Flüchtlinge das Vertrauen in ihre muslimischen Nachbarn längst verloren hätten, die gemeinsam mit dem IS gegen die Christen vorgegangen waren. Das mache auch in Zukunft ein Zusammenleben schwierig. Den Forderungen von mancher Seite, dass eine internationale Streitkraft die Sicherheit der Christen in der Ninive-Ebene sichern soll, beurteilte Warda skeptisch. Besser wäre es, "wenn der Frieden von innen heraus aus der irakischen Bevölkerung wächst" - freilich ein mehr als fragliches Unterfangen.

 

Die jüngste Formierung eigener christlicher Milizen im Nordirak sieht der Erzbischof skeptisch. Die Kirche habe die jungen Christen stets ermutigt, entweder der irakischen Armee oder den kurdischen Peshmerga-Kräften beizutreten. Eigene Milizen, seien sie nun christlich, schiitisch oder sunnitisch, würden die ohnehin schon schwierige politische Situation nur noch weiter verkomplizieren, so die Einschätzung Wardas.

 

 

Quelle: kathpress

25. March
2016
Schönborn

Kreuz Jesu lenkt Blick auf heutige Gewalt und Opfer

Wiener Erzbischof in "Heute"-Kolumne: Kreuz in der Öffentlichkeit ist ein "Zeichen der Versöhnung" und erinnert daran, "dass Jesus lieber Gewalt erlitten hat, als zur Gewalt aufzurufen."

23. March
2016
Bischof Hinder

Christen im Jemen "bald an einer Hand abzuzählen"

Apostolischer Vikar im Interview mit österreichischen Kirchenzeitungen: Gottesdienstliches Leben nach Attentaten von Anfang März fast zum Stillstand gekommen

22. March
2016

Eigene Karfreitagsfürbitte für verfolgte Christen und Terroropfer

Liturgische Kommission für Österreich hat Text aus aktuellem Anlass erarbeitet und zur Verwendung allen Diözesen vorgeschlagen

comments powered by Disqus
Fotogalerien zurück #weiter#
Marsch für Jesus 2016
Bischfskonferenz
Sommervollversammlung 2016
Lange Nacht der Kirchen
2016
Medien|Kultur|Politik
Kardinal lud zu Sommerempfang
Bischofskonferenz
Frühjahrsvollversammlung 2016
Videos zurück #weiter#
image
"Uns fehlt der Mut"
Kilian Kleinschmidt im Gespräch
image
Gebetsmeinungen Juni 2016
Papst Franziskus
image
Kurz erklärt: Fronleichnam
image
Was ist der Heilige Geist?
image
Pfingsten
Geburtstag der Kirche
Audio zurück #weiter#
Kardinal Schönborn
Bischofskonferenz 2016
Nach der Wahl
Aufruf von Kardinal Schönborn
Literatur & Religion
Poetikdozentur an der Uni Wien
Silvesteransprache
Kardinal Schönborn
Weihnachten
Mit Metropolit Arsenios
Tipps zurück #weiter#
Radiogottesdienst
So., 26. Juni | 10:00 | ÖR
Orientierung
So., 26. Juni | 12:30 | ORF 2
Radiogottesdienst
So., 19. Juni | 10:00 | ÖR
Orientierung
So., 19. Juni | 12:30 | ORF 2
Orientierung
So., 12. Juni | 12:30 | ORF 2
Woanders zurück #weiter#
Juni 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Mai 2016
Die katholisch.at-Presseschau
April 2016
Die katholisch.at-Presseschau
März 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Februar 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Blogportal
Ulrike Hofstetter | 16.06.2016

Heute Teilzeit, morgen arm? Muss das so sein?

Schlagzeile im ORF: Teilzeit seit 1994 verdoppelt. Die meisten...
Georg Plank | 01.06.2016

Heiliger Geist im Kernbüro

"Es ist nicht so, dass du in dieses Büro kommst und plötzlich vom Heiligen...
Paul Wuthe | 11.05.2016

„Amoris Laetitia“ – lesen und leben

„Was will Papst Franziskus mit seinem neuen Familiendokument von der Kirche?“...
Kalender
25.06.2016 | Melk
Studienfahrt
Eingeladen sind alle BibliothekarInnen der Diözese St.Pölten! Einladungen dazu sind... mehr »
25.06.2016 | 04:00 | Villach,
Sonnenaufgangswanderung
Treffpunkt: 4.00 Uhr Parkplatz Rosstratte. Um 6:00 Uhr feiern wir eine Hl. Messe. Danach gibt... mehr »
25.06.2016 | 05:00 | St. Georgen
Wallfahrt nach Maria Osterwitz
05:00 Uhr Auszug der Fusswallfahrer aus der Pfarrkirche St. Georgen 13:30 Abfahrt der... mehr »
Medienreferat der
Österreichischen
Bischofskonferenz

Stephansplatz 4/6/1
A-1010 Wien
©2016 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.
http://www.katholisch.at/
Darstellung: