Samstag 24. Juni 2017
15. Juni 2017

Bischöfe in Mariazell: Ergebnisse der Sommervollversammlung

Bischöfe berieten über Sicherheit, Gewalt und Terror sowie über die anstehende Jugendsynode und den "Welttag der Armen".

Bischöfe berieten über Sicherheit, Gewalt und Terror sowie über die anstehende Jugendsynode und den 'Welttag der Armen'.

Es waren drei sehr unterschiedliche thematische Schwerpunkte, die die österreichischen Bischöfe bei ihrer heurigen Sommervollversammlung bzw. in den anschließend veröffentlichten Presseerklärungen setzten: So reichte die Bandbreite von der aktuellen Terror- und Gewaltthematik über die anstehende Jugendsynode 2018 bis hin zur Spendensammlung für den "Welttag der Armen" im kommenden November. Kardinal Schönborn setzte seinerseits als Vorsitzender Bischofskonferenz einen interreligiösen Akzent, indem er in einem Kathpress-Interview die jüngste Erklärung der über 300 Imame der Islamischen Glaubensgemeinschaft zu Frieden und Integration als "gutes und starkes Zeichen" würdigte.  

 

Doch zunächst zu den Ergebnissen der Beratung, die vom 12. bis 14. Juni traditionell in Mariazell stattfanden: So unterstrichen die Bischöfe in einer ihrer Erklärungen, dass der christliche Glaube die Kraft habe, "die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, die in Gang kommt, wenn auf Terror und Hass in gleicher Weise reagiert wird". Angesichts einer Serie von Attentaten im Nahen und Mittleren Osten, in Ägypten und seit der Zurückdrängung des IS-Schreckensregimes vermehrt auch in Europa verwiesen die Bischöfe in ihrer Erklärung "Terror und Angst überwinden" auf die Aufgabe des Staates beim Schutz vor Gewalt, betonten zugleich aber auch die Bedeutung des Glaubens an einen Gott, der nach biblischem Zeugnis Chaos banne und Sinn stifte: Dieser Glaube führe "aus dem Bannkreis der Angst in den Umkreis der Liebe".

 

Die jüngsten Terrorakte in Europa zeigten einerseits die Verletzlichkeit einer Offenen Gesellschaft, heißt es in der Erklärung der Bischofskonferenz. Andererseits zeige die Reaktion auf die Gewalt aber zugleich die Belastbarkeit und Widerstandskraft dieser Offenen Gesellschaft, "denn die von den Terroristen angestrebte Spirale der Radikalisierung ist bisher ausgeblieben".

 

Studientag zu Sicherheit

 

Vor diesem Hintergrund würdigten die Bischöfe den Dienst von Exekutive und Militär zur Bewahrung von Frieden und Sicherheit. Sowohl die Militärseelsorge, die mit der Schaffung des Militärordinariates vor 30 Jahren eine gute Verankerung in Kirche und Bundesheer erhalten habe, als auch die seit rund 20 Jahren bestehende Exekutivseelsorge hätten sich bewährt "und werden vielfach dankbar in Anspruch genommen".

 

In Rahmen eines Studientages der Bischofskonferenz erörterten Experten aus Militär und Exekutive mit den Bischöfen die vielfältigen Bedrohungen der Sicherheitslage in Österreich und darüber hinaus. Ziel der Verantwortungsträger in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Religion müsse es sein, die tieferen Ursachen von Terror und Gewalt zu erkennen und entschlossen dagegen vorzugehen, so die Bischöfe. Die katholische Kirche könne dabei durch ihren Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung wichtige Beiträge leisten.

 

Der Einsatz für Sicherheit und Frieden habe zudem eine starke "innerliche und geistige Dimension", in der die Religion ins Spiel komme. In ihrem Gottvertrauen sollten sich Christen - so die Bischöfe - als jene bewähren, von denen Jesus Christus in der Bergpredigt sagt: "Selig die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden."

 

Aufruf an Jugendliche 

Die Jugendlichen riefen die Bischöfe indes in einer weiteren Erklärung dazu auf, an der Online-Umfrage im Vorfeld der Weltbischofssynode 2018 teilzunehmen. "Ob in Pfarren, Bewegungen und kirchlichen Jugendeinrichtungen - alle sind eingeladen, die Online-Umfrage zum Anlass zu nehmen, um Jugendliche und ihre Anliegen zur Sprache zu bringen", heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz im Rahmen ihrer Sommervollversammlung in Mariazell. Der lange angekündigte Fragebogen zur Synode "Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung" ist seit Mittwoch unter http://youth.synod2018.va abrufbar - bisher nur in Italienisch, weitere vier Sprachen sind angekündigt.

 

Die Ergebnisse der Online-Umfrage werden vom vatikanischen Synodensekretariat gesammelt und ausgewertet. Weiters richtete der Vatikan einen Fragebogen als Teil des offiziellen Vorbereitungsdokuments zur Beantwortung an die Bischofskonferenzen in aller Welt. Gemeinsam mit den zuständigen kirchlichen Fachstellen werden in Österreich die vier Bischöfe Franz Lackner (in der Bischofskonferenz zuständig für den Bereich Universitäten), Wilhelm Krautwaschl (Schule und Berufungspastoral), Anton Leichtfried (Geistliche Berufe) und Stephan Turnovszky (Jugend) diesen Fragebogen bearbeiten. Sie sind auch generell mit der Vorbereitung auf die Synode befasst.

 

Die kommende Bischofsversammlung trägt - so die Bischöfe - "deutlich die Handschrift von Papst Franziskus"; die von ihm geforderte "pastorale Umkehr" sei bereits in die Dokumenten "Evangelii Gaudium" und "Amoris Laetitia" eingeflossen. Gemeint sei damit ein "echtes Interesse an den Lebensrealitäten der jungen Menschen".

 

Österreichs Bischöfe bekunden ihre "ernsthafte Bereitschaft, von jungen Menschen zu lernen" und sie zugleich auf ihrem Weg zu begleiten, Freundschaft mit Jesus Christus zu entdecken und einzuüben. Eine solche Annäherung an den christlichen Glauben beinhalte auch eine bewusste Entscheidung über die je eigene Berufung - ein Kernthema auch der kommenden Bischofssynode. Wie die Bischöfe festhalten, gilt es den christlichen Glaubensschatz in seiner Fülle und zugleich fordernden Dimension jungen Menschen so anzubieten und zu erschließen, "dass sie dabei in der Freiheit wachsen können".

 

"Welttag der Armen"

 

Der von Papst Franziskus weltweit eingeführte "Welttag der Armen" am 19. November wird auch in Österreichs Pfarrgemeinden begangen: Auch dies ein Ergebnis der bischöflichen Beratungen. Der Tag soll demnach unter dem Motto "Liebt nicht mit Worten, sondern mit Taten" in allen österreichischen Diözesen eine Spendensammlung durch die Caritas durchgeführt werden. Diese in Österreich bereits traditionelle Sammlung am Elisabethsonntag, dem Gedenktag der Schutzpatronin der Caritas, "soll konkret helfen, die Not in unserem Land zu lindern", teilten die Bischöfe in einer Erklärung mit.

 

Sie griffen darin auch den Papstappell an die Gläubigen auf, dass diese konkret auf Arme in ihrer Nachbarschaft zugehen und in der Woche vor dem "Welttag der Armen" in den Pfarren Begegnungen veranstalten sollen. Und mit Papst Franziskus hielten sie fest: "Der Platz der Kirche ist an der Seite der Armen."

 

Dies gelte im Hinblick auf die "weltweite Verantwortung, die Österreich und Europa haben". Zugleich wollen die Bischöfe - wie sie versicherten - mit der Elisabethkollekte am "Welttag der Armen" auf die Not hinweisen, die es auch in Österreich gebe. Auch hierzulande gebe es "zu viele Menschen, die nicht wissen, wie sie den Alltag aus eigener Kraft bewältigen sollen". Wie mit den Schwächsten umgegangen wird, sei der Prüfstein einer jeden Gesellschaft, heißt es in der Erklärung weiter. Die Kirche wolle Menschen an den Rändern der Gesellschaft beistehen, "weil konkrete Nächstenliebe Fundament und Prüfstein des christlichen Glaubens ist".

 

Durch den "Welttag der Armen" sollen - so der Wunsch der Bischöfe - auch die tieferen Ursachen von Armut und Ausgrenzung angegangen werden. Schon dass Zweite Vatikanische Konzil habe festgehalten, "dass man nicht als Liebesgabe anbieten darf, was schon aus Gerechtigkeit geschuldet ist".

 

Die Bischofskonferenz brach auch eine Lanze für den Sozialstaat österreichischer und europäischer Prägung. Dieser sei ein Stück institutionelle Solidarität und eine wertvolle Errungenschaft, die immer wieder weiterzuentwickeln sei, um ihn "armutsfest und zukunftstauglich" zu machen, griffen die Bischöfe einen Appell von Caritas-Präsident Michael Landau auf.

 

Die Caritas würdigten die Bischöfe als wesentliches Instrument der Kirche, Not zu sehen und zu handeln. Mehr als 50.000 Freiwillige und tausende hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien allein bei der österreichischen Caritas in diesem Sinn engagiert, "Hilfe von Angesicht zu Angesicht" zu leisten.

 

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