Saturday 2. July 2016

Völkermord

Von 1915 bis 1918 wurde im Osmanischen Reich fast die gesamte armenische Bevölkerung vertrieben oder ermordet. Bis zu 1,5 Millionen Armenier fielen diesem Völkermord zum Opfer. Dazu kamen nochmals bis zu 500.000 Christen der syrischen Tradition, die ebenfalls bei den Greueltaten ums Leben kamen. Der 24. April 1915, als die osmanische Geheimpolizei in Konstantinopel führende Vertreter der armenischen Minderheit verhaftete und deportierte, gilt gemeinhin als Startschuss zur Vernichtung der Armenier. Hundert Jahre danach finden weltweit Gedenkveranstaltungen statt. In Armenien werden am 23. April die Opfer der Massenmorde heiliggesprochen, die Kirchen in Österreich gedenken am 24. April bei einem Gottesdienst im Stephansdom der Opfer.

In einer Erklärung sprechen sich die österreichischen Bischöfe zugleich dafür aus, dass die österreichische Regierung die Vertreibungen und Massaker an den Armeniern endlich als Völkermord anerkennt, wie dies zuvor schon zahlreiche Staaten getan haben. Was sich damals in Anatolien und anderen Teilen des Osmanischen Reichs ereignete, "war eine der größten Katastrophen der Christenheit in ihrer ganzen Geschichte", heißt es in einer offiziellen Erklärung der Bischofskonferenz.

 

Die katholische Kirche in Österreich neigt sich damit - gemeinsam mit allen anderen Kirchen - in Ehrfurcht vor dem Zeugnis der armenischen und syrischen Märtyrer.

 

Am 12. April hatte bereits Papst Franziskus im Rahmen eines Gottesdienstes mit Katholiken des armenischen Ritus im Petersdom die Massaker als "ersten Genozid des 20. Jahrhunderts" bezeichnet und damit eine Welle der Empörung seitens der Türkei ausgelöst. Die österreichischen Parlamentsparteien hatten in einer Erklärung nicht nur die "historische Verantwortung" Österreichs im Blick auf die Geschehnisse während des Ersten Weltkrieges betont, sondern es als "unsere Pflicht" bezeichnet, "die schrecklichen Geschehnisse als Genozid anzuerkennen und zu verurteilen". Daraufhin hat es scharfen Protest aus Ankara gegeben, der Außenminister Sebastian Kurz wiederum mit einem Appell zur Aussöhnung entgegnete: "Die Erklärung des österreichischen Parlaments ist zu respektieren. Jetzt gilt es, in die Zukunft zu schauen und an einer Aussöhnung zwischen Türken und Armeniern zu arbeiten", so Kurz gegenüber der APA.

 

Die Causa ist freilich politisch schwierig, da die Türkei bis heute leugnet, dass es sich dabei um einen Völkermord gehandelt habe. Außerdem waren Österreich-Ungarn und das Deutsche Kaiserreich zu Zeiten des Völkermords im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet. Weiters gelten die Gräueltaten nach österreichischer Rechtsauffassung nicht als "Völkermord", da sie zu einem Zeitpunkt verübt wurden, wo der Tatbestand "Völkermord" noch nicht vorlag: Demnach gilt der Grundsatz "Wo kein Gesetz, kein Verbrechen" ("Nullum crimen sine lege"). Die "Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes" wurde erst 1948 von der UN-Generalversammlung beschlossen.

 

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Henning Klingen am 24. April 2015

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Der Völkermord
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"Erster Genozid des 20. Jh."
Papst über Armenier-Völkermord
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