Saturday 1. October 2016
Ingeborg Gabriel
16. Nov 2013

Wir sind unterschiedlich - einander nicht überlegen

von Ingeborg Gabriel am 16. November 2013, 19:18 Uhr

Ob wir wollen oder nicht, wir führen ein Leben in Pluralität und es gibt kein Zurück.

Es gibt diese Möglichkeit zurück zu einer vermeintlich leichteren Zeit nicht, weil wir keine Zeitmaschinen besitzen. Vielmehr aber noch ist dieses zurück deshalb nicht möglich, weil es nie diese eine Welt gab.

Natürlich ist es verhältnismäßig neu, dass wir alle um die Pluralität menschlichen Lebens wissen und diese tagtäglich auch erleben. Sinnvoll kann man die Frage nach der Möglichkeit zurück dennoch nicht stellen, sondern nur danach fragen, wie wir unser Leben angesichts all dieser Vielfalt gestalten wollen.

 

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir von den Unterschieden profitieren können und das nicht nur, wo sie einander ergänzen.

Was man dazu braucht ist etwas Neugier, etwas Mut und Offenheit, um sich vom fremden Gegenüber anregen zu lassen. Was hilft: ein gemeinsames Ziel.

 

Der kleinste gemeinsame Nenner

Friedliches Zusammenleben, in dem die Vielfalt wertgeschätzt wird, in dem so viel Freiheit wie möglich und so viele Einschränkungen wie nötig das Miteinander bestimmen – getragen von der steten Neugier am Anderen, bei der das Interesse am Eigenen nicht verborgen werden muss. Die Motivation dafür kann Altruismus ebenso wie Eigeninteresse sein.

 

Die Frage nach dem Weg zu einem weltweiten friedlichen Miteinanders war jene, die mich mit 59 anderen Menschen in Tübingen vorgestern zusammenbrachte.

 

Abgesehen von dieser verbindet uns die Hoffnung und der Glaube daran, dass man etwas zum gesellschaftlichen Leben beitragen kann, dass nicht alles relativ und somit letztlich irrelevant ist.

Darüber hinaus sind wir verschieden. Die Unterschiede betreffen das Geschlecht, das Alter, die Herkunft, den Glauben, den Beruf, die Hobbys, die Vorlieben ebenso wie die Erfahrungen, die Zukunftspläne und die Sehnsüchte.

 

Aber wir wissen, dass wir in einer derart vernetzten Gesellschaft, wie wir sie heute erleben, ohne einander und die übrigen Menschen nicht auskommen können und sind uns auch einig, nicht ohne sie auskommen zu wollen. Und so fragten wir uns selbst und einander: Was brauchen wir Menschen, um gegenwärtige Herausforderungen wahrnehmen zu können? Was müssen und können wir tun, um friedliches Zusammenleben weltweit zu fördern? Wie geht man mit Unterschieden um und wie besinnt man sich auf Gemeinsames?

 

Ein paar von uns setzen auf Bildung, ein paar auf den Dialog der Religionen und Weltanschauungen. Wieder andere betonen die Notwendigkeit ökonomische und ökologische Probleme zu lösen.

 

Müde, aber nicht entmutigt

Nach zwei Tagen habe ich viele Menschen, viele Projekte und Ideen kennen gelernt. Ich bin müde, erschöpft, aber selbst angesichts zahlreicher weltweiter Probleme und Herausforderungen nicht entmutigt. Weil ich weiß, dass ich mit meiner Hoffnung nicht alleine bin. Weil ich weiß, dass moderne Entwicklungen nicht nur der Bespitzelung und Überwachung dienen müssen. Weil ich weiß, dass sich nicht nur gewaltbereite Gruppierungen vernetzen können, sondern ebenso wir, die wir zu einem friedlichen Zusammenleben beitragen wollen. Weil ich davon überzeugt bin, dass sich auch negative politische Entwicklungen wieder ändern lassen. Was es braucht, ist ein gemeinsames Ziel: gemeinschaftliches Leben in all der Pluralität gelingen zu lassen.

Vielleicht erzähle ich Ihnen in den nächsten Wochen, was das konkret heißen kann. Vielleicht schreiben Sie mir, was Ihnen dazu einfällt – ich würde mich freuen. Irene Klissenbauer




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