Benedikt XVI. besuchte den Heimatort des heilig gesprochenen China-Missionars Josep Freinademetz in der ladinischen Val Badia - "Jede Kultur gelangt in Christus zur Vollendung"
Bozen, 5.8.08 (KAP) "Es ist wichtig, dass sich China für Christus öffnet", sagte Papst Benedikt XVI. am Dienstagnachmittag bei seinem Besuch in Oies, dem Heimatort des heilig gesprochenen China-Missionars Josep Freinademetz (1852-1902) in der ladinischen Val Badia. Der Papst besuchte das zu einem Museum umgewidmete Geburtshaus des Missionars, der zu den Steyler Patres gehörte, und betete dann in der P. Freinademetz gewidmeten Kirche. Das Gebet galt der Kirche in China und dem friedlichen Verlauf der Olympischen Spiele. Benedikt XVI. betonte, wie wichtig es sei, dass "ein so großes Land wie China" das Evangelium aufnimmt. Das sei keine "Entfremdung", weil jede Kultur "in Christus" zur Vollendung gelange.
Benedikt XVI. war nach 17 Uhr mit dem Hubschrauber aus Brixen in Oies eingetroffen. In Oies wurde er von rund 4.000 Gläubigen begrüßt, die in den Bergort hinaufgestiegen waren, um den Papst zu sehen. "Der Besuch und das Gebet des Papstes haben eine besondere Bedeutung, weil am Freitag die Olympischen Spiele in Peking eröffnet werden und unser Heiliger seine Zweitheimat so sehr geliebt hat", sagte don Francesco Sottara, der Pfarrer des kleinen Bergortes.
Schon seit den Vormittagsstunden hatten sich zahlreiche Menschen zu Fuß in den hochgelegenen Alpenort aufgemacht, der aus nur vier Häusern und einer Kirche besteht. Eine ganze Karawane von Familien, jungen Leuten und auch Urlaubergruppen zog nach Oies. Aus Sicherheitsgründen hatten die Carabinieri die Zufahrt gesperrt. Im Gegensatz zum spontanen Ausflug am Sonntag nach St. Andrä, der selbst von den Bewohnern des Ortes kaum bemerkt wurde, hatte ein Sprecher die Fahrt des Papstes in den Geburtsort von P. Freinademetz vorab angekündigt.
P. Freinademetz hatte sich 1879 von Südtirol nach Hongkong aufgemacht und war nie wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Er identifizierte sich völlig mit seiner neuen Umgebung. "Auch im Paradies möchte ich chinesisch bleiben", schrieb er einem Mitmissionar. Der Steyler Missionar wurde 1975 von Paul VI. selig und 2003 von Johannes Paul II. zusammen mit seinem Ordensgründer Arnold Janssen heilig gesprochen.
Über die heiklen Beziehungen zu China hatte sich Benedikt XVI. am Montag auch mit Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone unterhalten. Bertone sagte in Brixen, die chinesische Regierung habe nach Rom "positive Signale geschickt, die man nicht unterschätzen sollte". Das seien etwa die Erlaubnis zu katholischen Messfeiern am Rand der Olympischen Spiele - oder die Einladung an Bischöfe aus Macao und Hongkong zur Eröffnung des Großereignisses.
Die chinesische Presse hat die Glückwünsche Papst Benedikts XVI. für die Olympischen Spiele in Peking (8. bis 24. August) wiedergegeben. Die Pekinger Tageszeitung "Xinjing Bao" druckte die Worte des Papstes in Brixen ab: "Möge der Sport neuerlich ein Symbol der Brüderlichkeit und des Friedens zwischen den Völkern sein". Während seines Urlaubs in den italienischen Alpen habe der Papst, so die chinesische Zeitung, den Organisatoren und den Athleten seine besten Wünsche übermittelt. "Xinjing Bao" erinnert daran, dass Benedikt XVI. im Mai im Vatikan auch einem Konzert des Pekinger Philharmonischen Orchesters beigewohnt hatte.






