"Hungerlöhne und menschenverachtende Arbeitsbedingungen" - Internationales Olympisches Kommitee (IOC) soll bei Auswahl der Spielorte stärker das soziale Umfeld beachten
Wien, 7.8.08 (KAP) Im Blick auf die Arbeitsbedingungen in der Sportartikelindustrie stellt die Kampagne "Clean Clothes" China als dem Gastgeberland der heurigen Olympischen Sommerspiele kein gutes Zeugnis aus. "Hungerlöhne und menschenverachtende Arbeitsbedingungen" sowie eine mangelhafte Umsetzung des neuen Arbeitsrechtes in China würden dafür sorgen, dass insbesondere die in der Sportartikelindustrie tätigen chinesischen Frauen "bereits jetzt zu den Verlierern der Spiele zählen", betonte die Koordinatorin der "Clean Clothes"-Kampagne, Michaela Königshofer, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.
Bis zu 16 Stunden pro Tag würden viele Zulieferfirmen ihre Arbeiterinnen bei einem Verdienst weit unter dem Mindestlohn ausbeuten und dabei gesundheitliche Standards wie auch Sicherheitsnormen missachten, kritisierte Michaela Königshofer. Außerdem sei das inhaltlich lobenswerte und 2006 offiziell in Kraft getretene neue chinesische Arbeitsrecht bislang erst in sieben Prozent aller chinesischer Betriebe umgesetzt. Damit sei zwar ein Anfang gesetzt, jedoch bedürfe es weiterer deutlicher Schritte und des internationalen Drucks auf China, um den zaghaft begonnen Weg nun auch weiter zu gehen, so Königshofer.
Derzeit fehle in China immer noch ein existenzsicherndes Lohnniveau sowie ein ausreichender Schutz vor "exzessiven Überstunden", so die "Clean Clothes"-Koordinatorin. Außerdem seien die vorhandenen Gewerkschaften letztlich regierungsnahe Organisationen, die keine Möglichkeit hätten, die Arbeitnehmer zu organisieren.
Optimistisch stimmt Michaela Königshofer das durch den öffentlichen Druck erzwungene langsame Einschwenken der großen Markenartikler auch in der Sportartikelindustrie auf eine "CSR-konforme" (corporate social responsibility) Produktionsweise. Die Kontrollmechanismen seien diesbezüglich besser geworden, es gebe jedoch weiterhin "Schlupflöcher", wie etwa die Ausweitung von Arbeitszeiten oder die Kürzung von Pausenzeiten.
Darüber hinaus zeigte sich Michaela Königshofer zufrieden mit dem Ergebnis der "Play Fair"-Kampagne, an der sich weltweit zehntausende Konsumenten und 168 Organisationen aus 35 Ländern beteiligt hatten. In Österreich wird die internationale Kampagne von Gewerkschaften und NGOs getragen. In den vergangenen vier Monaten hat "Play Fair" laut Königshofer allein in Österreich 12.228 Unterschriften zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen weltweit gesammelt. Symbolträchtige Initiativen waren ein "elektronischer Fackellauf", an dem 2.140 Österreicherinnen und Österreicher teilnahmen, sowie die Teilnahme von 853 Läuferinnen und Läufern für "Play Fair" beim Wien-Marathon.
Hundstorfer: Kritischer Blick
Unterstützung fanden die Forderungen auch beim Präsidenten des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Rudolf Hundstorfer: "Nicht nur der Jubel über sportliche Leistungen, sondern auch verbesserte Arbeitsbedingungen und die Fragen der Menschenrechte und Menschenwürde sollten bei großen Sportveranstaltungen im Vordergrund stehen", so Hundstorfer. Zugleich formulierte er mit der Forderung nach einer "vollen Respektierung der Organisationsfreiheit" und der "Zulassung von Gewerkschaften in China" die Bedingung für den von China angestrebten Beitritt zum Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB).
Eine Schlüsselrolle für die Änderung der Zustände nimmt laut Hundstorfer das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein. Das Komitee sei aufgefordert, in Zukunft stärker auf das soziale Umfeld der jeweiligen Bewerberländer für die Olympischen Spiele zu achten, so Hundstorfer. (Informationen: Internet: www.playfair2008.org und www.cleanclothes.at).
O-Töne der Pressekonferenz können unter www.katholisch.at/o-toene abgerufen werden.






