Der Jesuitenpater aus dem italienischen Macerata hatte zu Beginn des 17. Jahrhunderts seinen chinesischen Gesprächspartnern den christlichen Glauben mit konfuzianischen Begriffen erläutert
Rom-Peking, 10.8.08 (KAP) Den berühmten China-Missionar und Jesuiten P. Matteo Ricci (1552-1610) will seine italienische Heimatdiözese Macerata (Region der Marken) bei den Olympischen Spielen ins Gespräch bringen. Rechtzeitig zum Beginn der Spiele wurde in Macerata ein großzügig konzipierter Prospekt mit dem Titel "Der Jesuit, der China liebte" präsentiert. Der Bischof von Macerata, Claudio Giuliodori (der frühere Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Italienischen Bischofskonferenz), erinnerte dabei daran, dass P. Ricci sein 1595 erschienenes erstes Buch in chinesischer Sprache "Traktat über die Freundschaft" nannte. P. Ricci sei es darum gegangen, einen Dialog mit dem großen chinesischen Volk zu beginnen und den Chinesen Jesus nahezubringen, der seine Jünger "nicht mehr Knechte, sondern Freunde" nannte. Die Freundschaft sei das Siegel für das Gemeinsame der Menschen, so der Bischof.
Der neue Prospekt in chinesischer und englischer Sprache wird im Olympischen Dorf zur Verteilung gelangen. Der italienische Olympiaseelsorger don Mario Lusek (der aus Maceratas Nachbardiözese Fermo stammt) wird in Peking eine Messe zu Ehren von P. Ricci zelebrieren. Der Jesuit ist in Peking begraben, sein eindrucksvolles Grabmal im Bezirk Xicheng Qu überdauerte alle politischen Veränderungen. Der für das Olympische Dorf bestimmte Prospekt wurde vom diözesanen Zentrum "Padre Matteo Ricci" in Macerata vorbereitet. Im Jahr 2010 wird es in Macerata - und wie die Organisatoren hoffen, auch in Peking - große Gedenkfeiern zum 400. Todestag des China-Missionars geben.
Matteo Ricci - dessen chinesischer Name Li Madou lautete - wurde 1552 in Macerata geboren. Er trat in den Jesuitenorden ein; 1578 wurde er nach Goa versetzt, der glanzvollen Haupstadt des damaligen portugiesischen Estado da India. Vier Jahre später war er in Macao, der portugiesischen Handelsmetropole am Rande Chinas, wo er die chinesische Sprache und Schrift lernte. Er beherrschte auch das "wenyan", die klassische Literatensprache, perfekt. 1583 lud ihn der Gouverneur von Guangdong in die Provinzhauptstadt Zhaoqing ein, weil er von den mathematischen und kartographischen Fähigkeiten des italienischen Jesuiten gehört hatte. 1584 zeichnete P. Ricci in Zhaoqing die erste Weltkarte auf chinesisch.
Im Jahr 1601 erlangte P. Ricci als erster westlicher Ausländer die Zutrittserlaubnis in die Verbotene Stadt in Peking. Der Wanli-Kaiser - zu dem er allerdings nie vordringen konnte - setzte ihm ein großzügiges Gehalt aus, der Jesuit konnte sich in politischen Kreisen und in der kulturellen Szene frei bewegen.
P. Riccis Konzept ging davon aus, seinen Gesprächspartnern darzulegen, dass die Chinesen immer schon an Gott geglaubt hätten und dass das Christentum die Vollendung des Glaubens der Ahnen sei. Er erläuterte den christlichen Glauben in konfuzianischen Begriffen. P. Ricci war zugleich der erste, der mit Hilfe des Gelehrten Xu Guangqi die konfuzianischen Klassiker auf Latein übersetzte.
Durch Zufall wurde P. Ricci auch der erste westliche Ausländer, der über die jüdische Gemeinde der alten Kaiserstadt Kaifeng hörte. Ein Mitglied der jüdischen Gemeinde kontaktierte ihn; P. Ricci besuchte zwar nie Kaifeng, entsandte aber andere Jesuiten dorthin.






