"Aber ich traue mir kein Urteil zu, ob das chinesische Bemühen, den Religionsgemeinschaften entgegenzukommen, nur auf die Olympischen Spiele beschränkt war"
Wien, 25.8.08 (KAP) "Sehr zufrieden" ist der österreichische "Olympia-Seelsorger" P. Bernhard Maier von seinem Einsatz bei den Olympischen Spielen in Peking zurückgekehrt. Im "Kathpress"-Gespräch resümierte P. Maier seinen bereits 14. Einsatz als Seelsorger der österreichischen Sportler bei Olympia. Dabei lobte der "Olympia-Seelsorger" die perfekte Vorbereitung der Spiele und zeigte sich beeindruckt vom hohen Personalaufwand.
Zentrale Aufgabe des "Olympia-Seelsorgers" in Peking war es, "die Athleten zu begleiten". Er habe versucht, möglichst viele Gespräche mit den Sportlern zu führen und gegenseitiges Vertrauen herzustellen. Etwa die Hälfte der österreichischen Olympioniken kannte P. Maier bereits vor den Spielen. Mit jenen 40 Sportlerinnen und Sportler, die zum ersten Mal bei Olympia dabei waren, freundete er sich in Peking an.
Für seine "Sportler-Gemeinde" brauchte der "Olympia-Seelsorger" diesmal viele aufmunternde und tröstende Worte: "Ich musste ihnen oft im Gespräch deutlich machen, dass alle vorderen Plätze - ob das nun der vierte, achte oder fünfzehnte ist - fantastische Spitzenplätze sind. P. Maier lud die Sportler auch zu den Gottesdiensten am Samstag und Sonntag ein. Dabei sei ihm klar gewesen, dass sich Spitzensportler mit der kirchlichen Wocheneinteilung schwer tun, weil sie "ja pausenlos bei Wettkämpfen, auch an Wochenenden, im Einsatz sind".
Dabei konnte P. Maier vor dem Beginn der Spiele noch nicht voraussehen, unter welchen Bedingungen sein Einsatz ablaufen würde: "Aufgrund der Medienberichte hatte ich schon befürchtet, China würde die Gottesdienste verbieten oder viele Kontrollen fordern. Doch es war kein Problem". P. Maier konnte im Quartier der Sportler und in dem eigens errichteten "Religionszentrum" im Olympischen Dorf Gottesdienste auf deutsch feiern. Am Feiertag Maria Himmelfahrt durfte er - gemeinsam mit dem deutschen Olympia-Seelsorger Hans-Gerd Schütt - in der Pekinger Nordkathedrale (Beitang) zelebrieren.
Voll des Lobes ist P. Maier für das "Religionszentrum" im Olympischen Dorf: "Alle Glaubensgemeinschaften erhielten hier einen eigenen Raum für ihre Feiern". Für die Katholiken gab es eine Kapelle, die mit einem Tabernakel, einer Marien- und einerPaulusstatue ausgestattet war; betreut wurde die Kapelle von chinesischen Priestern und Ordensschwestern.
Kein Urteil traut sich P. Maier darüber zu, ob das chinesische Bemühen, den Religionsgemeinschaften entgegenzukommen, nur auf die Olympischen Spiele beschränkt sei. Er wolle der Freundlichkeit der Chinesen nicht unterstellen, rein diplomatisch-taktisch zu sein, so der Olympia-Seelsorger. Genauso wenig könne er jedoch ausschließen, dass China sich gegenüber der Welt während der Spiele vor allem "gut präsentieren" wollte. "Vielleicht ist es ein Weg dazwischen, vielleicht ist doch der Wunsch einer Öffnung vorhanden", meinte der "Olympia-Seelsorger" optimistisch. Ein wirklicher Blick hinter die Kulissen sei ihm bei seinem Besuch aber nicht möglich gewesen.
Mit Schmunzeln erinnert er sich jedenfalls an die Abreise aus Peking. Bei der Handgepäckskontrolle am Flughafen entdeckten die Sicherheitsbeamten in P. Maiers Gepäck einen Metallgegenstand, den sie weder finden noch identifizieren konnten: "Die Beamtin zeigte mir am Monitor einen kleinen, runden Gegenstand mit Zacken. Es war mein kleiner Fingerrosenkranz, den ich in der Geldtasche trug". Nach einer kurzen Erklärung durfte P. Maier passieren.
Schon am 3. September fliegt der Ordensmann wieder nach Peking: Bis 18. September begleitet er dann das österreichische Team für die "Paralympics", die Olympischen Spiele für Sportler mit körperlicher Behinderung, nach China.






