Plagiats-Vorwurf gegen Dan Browns "Sakrileg"
13.4.06 (KAP-ID) Am 7. April war der Bestseller-Autor Dan Brown von einem Gericht in London vom Vorwurf freigesprochen worden, den Inhalt seines Erfolgsromans "Sakrileg" (im Original "The Da Vinci Code") bei zwei britischen Kollegen gestohlen zu haben. Schon ist Brown aber mit neuen Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Ein russischer Wissenschaftler warf Brown am 10. April vor, ihm einige der Einfälle für den Erfolgsroman "Sakrileg" gestohlen zu haben.
Der auf Leonardo da Vinci spezialisierte Kunsthistoriker Michail Anikin sagte der Nachrichtenagentur AFP, Brown habe sich unter anderem seiner Idee bedient, wonach Leonardo nicht nur Maler sondern auch Theologe gewesen sei und seine "Mona Lisa" kein Porträt sondern eine Allegorie der christlichen Kirche sei. Schon 1998 habe er dies gegenüber Kollegen aus den USA ausgeführt und im Jahr 2000 ein entsprechendes Buch über Leonardo da Vinci veröffentlicht. Von Brown erwarte er eine Entschuldigung sowie eine "Entschädigung für den erlittenen moralischen Schaden".
Anikin erhob nach eigenen Angaben Anspruch auf alle Einnahmen, die Brown durch sein Plagiat erzielt habe. Sollte der Autor dem nicht stattgeben, werde er in den kommenden Tagen Klage einreichen, fügte der Mitarbeiter eines Moskauer Museums hinzu.
Von dem 2003 erschienenen und mittlerweile in mehr als 40 Sprachen übersetzten Werk "Sakrileg" wurden weltweit bereits annähernd 40 Millionen Exemplare verkauft.
"Ein rechter Schmarrn"
Wenig Freude mit Browns Erfolgsroman hat auch "Standard"-Kolumnist Hans Rauscher. Er bekennt in einem Kommentar (11. April) freimütig, dass er es nicht geschafft habe, den Roman zu Ende zu lesen. Nach vier Fünftel sei Schluss gewesen. Rauscher: "Es ist kein Mega-Schmarrn, es gibt Schlimmeres, es ist aber nicht besonders toll geschrieben und auch als Thriller ziemlich vorhersehbar gebaut." Die Ingredienzien des Plots - "Geheimgesellschaft der besten Köpfe des Abendlandes beschützt seit 2000 Jahren das Geheimnis, dass Jesus mit Maria Magdalena ein Kind hatte" -, lägen offen im Internet herum, wo sie Brown nur herunterzuladen brauchte. Und Jesus-Verschwörungstheorien gebe es zu tausenden, so Rauscher. Bei einer solchen Theorie, einem alten Bestseller über den heiligen Gral, habe sich das Ehepaar Brown offenbar bedient.
Von einem Plagiat könne man aber trotzdem nicht sprechen, denn: "Ein Roman kann aus allen möglichen Quellen schöpfen - wenn da das Urheberrecht zuschlagen sollte, ist es bald aus mit der Literatur." Das letzte Geheimnis, nämlich warum 40 Millionen Menschen das Buch gekauft haben, werde allerdings wohl niemals gelöst werden, zeigte sich Rauscher ob des Erfolgs des Romans verwundert.
Genüsslich wies Rauscher auch darauf hin, dass der britische Richter bei seiner Begründung des Freispruchs habe durchblicken lassen, "dass er das Buch für einen rechten Schmarrn hält". Rauscher: "Danke, Eure Lordschaft, das musste einmal gesagt werden."






