Kirche muss nach Auffassung des polnischen Bischofs Gadecki ihre Haltung zur Judenmission verbindlich klären=
Vatikanstadt, 14.10.08 (KAP) Die Kirche muss nach den Worten des polnischen Bischofs Stanislaw Gadecki ihre Haltung zur Judenmission verbindlich klären. Bei der Weltbischofssynode im Vatikan erinnerte der Posener Bischof an den Widerspruch zwischen der kirchlichen Anerkennung des Judentums als Heilsweg und der biblischen Lehre von der Einzigkeit Christi als Heilsmittler. Bis jetzt fehle eine "klare und offizielle" Lehraussage darüber, wie sich die Heilsuniversalität Jesu Christi zum jüdischen Volk verhalte, sagte Gadecki laut seinem am Dienstag verbreiteten Redetext.
Nach katholischer Überzeugung sei der jüdische Glaube "eine Quelle des Heils, weil Gott seinen Zusagen treu bleibt", so Gadecki. Deshalb könne es gegenüber Juden keine christliche Mission "im strengen Sinn" geben. Auf der anderen Seite wüssten viele Katholiken dies nicht mit den neutestamentlichen Aussagen in Einklang zu bringen, gab der Bischof zu bedenken. Demnach wäre Jesus Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen.
Bibel und Staat Israel
Das Problem des sogenannten "Christlichen Zionismus" - also einer Interpretation des Alten Testaments im Sinne einer Legitimierung der heutigen israelischen Politik einschließlich der Besetzung des Westjordanlandes - wurde von Bischöfen aus dem arabischen Raum thematisiert. Diese Interpretation, die es auch unter westlichen Katholiken gebe, müsse abgelehnt werden, so der libanesische maronitische Patriarchalvikar Guy-Paul Noujaim. Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, wies darauf hin, dass die arabischen Christen wegen proisraelischer "politischer und ideologischer Interpretationen" des Alten Testaments eine "Abneigung" hätten, viele Texte von biblischen Autoren des Alten Bundes zu verwenden.
In Europa keine Evangelisierung
Der Basler Bischof Kurt Koch sagte bei der Synode, dass in Europa die "Pastoral der Sakramente" vielfach ohne vorangehende "Pastoral der Evangelisierung" erfolge. Die Menschen erlebten somit "eigentlich gar keine richtige Hinführung zum Glauben mehr, und trotzdem werden die Sakramente gefeiert". Dabei verlören sie die Tiefe, die sie haben könnten. "Hier muss ein neuer Ansatz gewonnen werden", so Koch.
Im interreligiösen Dialog müsse bewusst werden, dass das Christentum nicht einfach eine Buchreligion wie andere sei. Das Christentum konzentriere sich auf eine Person, Jesus Christus, und die Heilige Schrift "ist der erste deutliche Niederschlag dieser Offenbarung", betonte der Basler Bischof
"Wortgottesdienst ist keine Eucharistie"
Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke wandte sich gegen eine falsche Aufwertung von Wortgottesdiensten. Die unterschiedlichen Weisen der Gegenwart Gottes in der Heiligen Schrift und in der Eucharistie dürften "nicht egalisiert werden, so als stünden sie in ihrer Wertigkeit statisch nebeneinander". Ein solches Denken könnte fälschlich nahelegen, Eucharistiefeiern durch Wortliturgien zu ersetzen.
Die Bibel verweise als Wort Gottes stets auf die Eucharistie. In dieser erst werde das "Tat-Wort" Gottes mit seiner ganzen Heilsgeschichte und der endgültigen Verheißung gegenwärtig, so Hanke bei der Synode.
"Kunst als Medium nutzen"
Nach Auffassung des Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann soll die Kirche das künstlerische Erbe des Christentums stärker für ihre Verkündigung nutzen. Es gelte, den in einer fast 2.000-jährigen Kulturgeschichte "geronnenen Glauben" wieder zum Sprechen zu bringen, sagte der promovierte Kunsthistoriker bei der Weltbischofssynode. Nachdrücklich sprach er sich dafür aus, auch in der Gegenwartskultur "Glaubensspuren aufzusuchen" und mit der Theologie ins Gespräch zu bringen.
Hofmann erinnerte an die mittelalterliche Tradition der "biblia pauperum" (Armenbibel), die leseunkundigen Menschen Aussagen der Heilsgeschichte durch Bilder nahebrachte. Heute sei eine Erschließung der christlichen Kultur nötig, weil viele Menschen die religiöse Sprache nicht mehr verstünden und sich nicht direkt mit der Bibel beschäftigten.
Die christlich geprägte Kultur müsse erklärend in die Glaubensverkündigung einbezogen werden, forderte Hofmann. Das Gleiche gelte für zeitgenössische Kunst. "Wenn es stimmt, dass die Künstler Seismographen der jeweiligen Zeit sind, sind wir gut beraten, ihre Arbeit wahrzunehmen und auf die Verkündigung des Wortes Gottes hin zu befragen", sagte der Würzburger Bischof.
"Recht auf Leben ist Prüfstein"
Nach den Worten des Erzbischofs von Madrid, Kardinal Antonio Maria Rouco Varela, darf Europa nicht den Kontakt zu seinen christlichen Wurzeln verlieren. Die ethischen Werte und Menschenrechte gingen letztlich auf das christliche Erbe zurück, sagte er am Dienstagabend vor der Weltbischofssynode im Vatikan. Die Postmoderne habe das Verständnis vom Menschen, von der Gesellschaft und der politisch-rechtlichen Ordnung negativ verändert und den Weg für einen existenziellen Nihilismus und eine "Diktatur des ethischen Relativismus" geöffnet.
Das Recht auf Leben sei ein Prüfstein für den Staat und seine Rechtmäßigkeit, unterstrich Rouco Varela. Notwendig sei eine Antwort aus dem Evangelium, die im Dialog mit der Vernunft die Wahrheit Gottes in der Öffentlichkeit sichtbar macht.






