Seliger Franz Jägerstätter
Am Freitag, den 1. Juni 2007 ging folgender Satz durch die Medien: "Der Vatikan hat offiziell das Martyrium des österreichischen Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter bestätigt" (> Meldung lesen). Einen kurzen Moment herrschte Ratlosigkeit: was bedeutet das konkret?
Klarheit lieferte die ergänzende Meldung einige Stunden später: "Mit der Veröffentlichung des Dekrets ist das Seligsprechungsverfahren für Franz Jägerstätter abgeschlossen." Nur war es amtlich: Österreich bekommt einen neuen Seligen: Franz Jägerstätter, der 1943 von den Nazis hingerichtet wurde, weil er den Dienst an der Waffe in einem von ihm als "unchristlich" und unmenschlich erachteten Regime ablehnte. Wie kein anderer Kriegsdienstverweigerer ist Jägerstätter insbesondere in den vergangenen zehn Jahren zum Inbegriff des katholischen Widerstandes in Österreich und zur internationalen Symbolfigur der katholischen Friedensbewegung geworden.
Am Freitag, 26. Oktober, nahm der Präfekt der Heiligsprechungskongregation, Kardinal Jose Saraiva Martins, im Linzer Mariendom im Namen von Papst Benedikt XVI. die Seligsprechung des Märtyrers vor. (Auszüge aus dem Gottesdienst zum Nachhören / Die Predigt nachlesen / Fotos vom Seligsprechungsgottesdienst / Videos) Der 21. Mai gilt von nun an als offizieller Gedenktag Jägerstätters.
Mit der Seligsprechung erklärt die Kirche, dass Franz Jägerstätter nicht nur zu den bei Gott Vollendeten gehört, sondern dass sein Leben und Handeln in herausragender Weise vorbildhaft ist und damit ein Zeichen Gottes für die gegenwärtige Zeit darstellt. Franz Jägerstätter gilt als "Märtyrer des Gewissens", der konsequent die Frage nach der eigenen Gewissensentscheidung aus dem christlichen Glauben heraus stellte.
Auch in der unmittelbaren Heimat Franz Jägerstätters wurde die Seligsprechung gefeiert werden. Am Samstag, 27. Oktober, wurde von 20 bis 24 Uhr in der Pfarrkirche Ostermiething eine Gebetsnacht "Inspiration Franz Jägerstätter" gestaltet. Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer, Postulator im Seligsprechungsverfahren, begleitete durch die Gebetsnacht. Am Sonntag, 28. Oktober, wurde schließlich um 10 Uhr in der Pfarrkirche St. Radegund die erste heilige Messe zu Ehren des neuen Seligen mit Altbischof Maximilian Aichern gefeiert.
Insgesamt zehn Jahre hat der Seligsprechungsprozess gedauert. Bereits im Jahr 1989 waren im Auftrag des damaligen Linzer Diözesanbischofs Maximilian Aichern zur Einleitung eines Seligsprechungsverfahrens Zeugen einvernommen worden, die Franz Jägerstätter gekannt hatten. Nach unterstützenden Voten der Österreichischen Bischofskonferenz, einer historisch-theologischen Kommission und des Linzer Domkapitels wurde 1997 offiziell der Seligsprechungsprozess für Franz Jägerstätter eröffnet. Am 21. Juni 2001 wurde es auf diözesaner Ebene abgeschlossen, die Akten wurden der Selig- und Heiligsprechungskongregation übergeben. Wichtig für diesen Prozess war die theologische Arbeit des heutigen Innsbrucker Diözesanbischofs Manfred Scheuer (er war Postulator des diözesanen Seligsprechungsverfahrens) über das Martyrium Jägerstätters.













