Nach dem schweren Erdbeben auf Haiti ist die internationale Hilfe zuerst schleppend angelaufen. Auch zahlreiche kirchliche Institutionen unterstützen die Menschen beim Kampf ums Überleben. Unter den Zehntausenden Opfern sind viele Priester, Seminaristen und der Erzbischof von Port-auf-Prince
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Die Vereinten Nationen schätzen das Erdbeben in Haiti als eine der schlimmsten Katastrophen ein, mit denen sie jemals zu tun hatten. Die Regierung von Haiti befürchtet, dass bei dem verheerenden Beben vom 12. Jänner 2010 mindestens 100.000 Menschen ums Leben kamen. Die Verteilung von Hilfsgütern an die Überlebenden kam vorerst immer noch zu langsam voran, das Thema Sicherheit bereitet große Sorgen.
An der Hilfe beteiligen sich auch viele österreichische kirchliche Organisationen und Ordensgemeinschaften. Darunter sind die Caritas, die Diakonie, "Jugend Eine Welt" oder die Päpstlichen Missionswerke ("Missio").
"Werden langen Atem brauchen"
Die zahlreichen internationalen Hilfswerke und Helfer vor Ort werden in Haiti "einen langen Atem brauchen". So lautet die Prognose des Caritas-Auslandshilfechefs Christoph Petrik-Schweifer. Wie Petrik-Schweifer am Freitag unterstrich, erschwere die besondere politische Situation Haitis den derzeitigen Hilfseinsatz zusätzlich: Haiti gelte nicht nur als "Armenhaus Lateinamerikas", sondern im Blick auf das fehlen einer funktionierenden Regierung und Administration als "lost country", so Petrik-Schweifer. Neben der derzeitigen Akuthilfe sei daher eine nachhaltige Aufbauhilfe notwendig: "Es wird mindestens ein Jahr dauern, bis die Menschen in Haiti wieder auf eigenen Beinen stehen und Hoffnung schöpfen können".
Die Caritas Österreich wird in den nächsten Tagen drei Katastrophenhelfer nach Haiti entsenden, die koordinierend im vorhandenen Caritas-Netzwerk vor Ort, das u.a. zwei große Lebensmittellager und über 200 Gesundheitszentren umfasst, tätig werden sollen. Bislang konnten aus den Caritas-Lebensmittellagern rund 1.500 Familien unterstützt werden, so Petrik-Schweifer, außerdem beteilige sich die Caritas Österreich an der Organisation eines Nahrungsmitteltransports für weitere 50.000 Menschen.
Zahl der umgekommenen Geistlichen offen
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Der Vatikanbotschafter in Haiti, Erzbischof Bernardito Auza, kann die Zahl der beim Erdbeben umgekommenen Priester und Ordensleute noch nicht angeben. Gegenüber dem vatikanischen Missionspressedienst "Fides" berichtete Auza am Freitag von dramatischen Zuständen. Trinkwasser werde knapp, es gebe kein Benzin mehr und der Strom sei ausgefallen. In der Hauptstadt Port-au-Prince fehle es an allem. Die Menschen müssten sich auf lang andauernde Versorgungslücken einstellen.
Das Priesterseminar der Hauptstadt sei größtenteils zerstört. Neun Priesteramtsstudenten und ein Lehrer seien bei dem Beben ums Leben gekommen, vier Studierende würden noch vermisst. Unterdessen hätten sich mehrere Kirchenverantwortliche in der Nuntiatur versammelt, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Erzbischof unter den Todesopfern
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Auza schilderte auch nähere Umstände zum Tod des Erzbischofs von Port-au-Prince, Serge Miot. Demzufolge wurde Miot durch die Wucht der Erdstöße am Dienstagnachmittag vom Balkon seiner Wohnung geschleudert. Das vierstöckige Bischofshaus sei nurmehr "ein Trümmerhaufen". Unter dem Schutt seien auch Generalvikar Charles Benoit und weitere Führungskräfte der Erzdiözese begraben worden.
Schwierige Geschichte
1804 gewann Haiti von Frankreich die Unabhängigkeit. Das Land hatte während vieler Jahre seiner Geschichte unter Gewaltherrschern und Kleptokraten zu leiden. Zur schwachen Wirtschaft kommt eine instabile politische Lage mit zahlreichen Unruhen, weshalb im letzten Jahrzehnt über drei Millionen Haitianer ausgewandert sind. Ímmer wieder setzen Wirbelstürme dem Land zu. Haiti teilt sich sein Staatsgebiet auf der Insel Hispaniola mit der Dominikanischen Republik. Das Bruttoinlandsprodukt lag in Haiti laut Internationalem Währungsfonds (IWF) 2008 pro Kopf bei 1.316 US-Dollar, bei der benachbarten Dominikanischen Republik, die vom Tourismus profitiert, dagegen bei 8.571 US-Dollar. Der Großteil der Haitianer musste mit nur 2 US-Dollar auskommen. Vor dem Erdbeben.









