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Tausende Jugendliche versammelten sich nach der Andacht spontan vor dem Erzbischöflichen Palais, um nachdrücklich ihre Solidarität mit Kirche und Kardinal zu bekunden. Gestapoleute verhafteten von dieser Kundgebung weg Jugendliche. Am nächsten Tag stürmte die "Hitler-Jugend" (HJ) das Erzbischöfliche Palais und das Curhaus am Stephansplatz 3.
Katholisch.at dokumentiert den Wortlaut der Ansprache von Kardinal Innitzer bei der Rosenkranzfeier nach der Abschrift eines Stenogramms aus dem Wiener Diözesanarchiv:
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Meine geliebte katholische Jugend Wiens!
Meine teuren jungen Brüder und Schwestern, seid mir gegrüßt von ganzem Herzen, die Ihr Euch nun um die Kanzel im altehrwürdigen Dom zu St. Stephan heute abends versammelt habt. Lasst mich meiner Freude Ausdruck geben, dass Ihr so zahlreich unserer Einladung gefolgt seid. Es ist ein herzerquickendes und herzerfreuendes Bild, das Ihr mir bietet, wenn ich Euch Kopf an Kopf so um mich sehe, und habt Dank dafür, dass Ihr heute gekommen seid zum Bischof in die alte Kathedrale, um einerseits ein Glaubensbekenntnis abzulegen, ein Bekenntnis zu Eurem alten deutschen Väterglauben, und andererseits, dass Ihr gekommen seid, um Euch Kraft zu holen, um festzustehen und festzubleiben in dieser großen, aber auch schweren und ernsten Zeit.
Wir haben zur Gottesmutter gebetet, haben eine ganz kurze Rosenkranzandacht gehalten und nun, lasst Euch auch vom Bischof ein paar ganz kurze Worte sagen, die Ihr hinausnehmen sollt in den Alltag. Drei Dinge will ich Euch sagen, die Ihr Euch merken sollt:
1. Liebe katholische Jugend! Ihr habt in den letzten Monaten viel verloren, Eure Verbände, Eure Jugendgemeinschaften, die Ihr mit einem so schönen Idealismus aufgebaut hattet, sind nicht mehr da. Eure Fahnen - Ihr dürft sie nicht mehr tragen. Ihr habt aber auch etwas gewonnen, was noch mehr wert ist, als was Ihr jetzt verloren habt und was all das überdauern kann und muss, etwas, was wir alle eigentlich selbst gleichsam neu entdeckt haben, das ist unsere Pfarre, das ist die Gemeinschaft, die wir haben als Katholiken in der kleinen Gemeinschaft der Pfarre und in der größeren der Kirche, unsere Gemeinschaft der Kinder Gottes - und wenn man uns das eine nimmt, dann greifen wir auf das andere zurück, und wir lassen uns nicht entmutigen.
Das Erste meine liebe katholische Jugend: Stehet treu zu Eurer Pfarre, Eurem Pfarrer und allen seinen Mitarbeitern, den Pfarrseelsorgern, und lebt mit ihnen in einer lebendigen Pfarrgemeinde und lasst Euch durch gar nichts beirren. Diese sind Eure guten Freunde, und sie beten und opfern mit Euch und führen Euch, sie wollen Euch Kraft und Führer sein zum wahren christlichen Leben. Diese Gemeinschaft müssen wir finden.
2. Meine liebe katholische Jugend Wiens, wir wollen gerade jetzt in dieser Zeit umso fester und standhafter unseren Glauben bekennen, uns zu Christus bekennen, unserem Führer und Meister, unserem König und zu seiner Kirche.
Ich weiß, das ist nicht so leicht, das verlangt viel von Euch. Nicht wahr, Ihr gebt ihn nicht her! Wenn Ihr Euren Glauben bekennen und leben, zu ihm stehen und für ihn eintreten wollt, für Euren Glauben Opfer bringen sollt, das heute, in einer Zeit, wo so viele Versuchungen an Euch herantreten, von innen und von außen, wo es Euch so schwer gemacht wird, einzutreten für den Glauben, da wollen wir uns nicht irre machen lassen, wollen uns nicht einschüchtern lassen.
Gewiss, der Glaube ist nicht jedermanns Sache von Natur aus, aber Ihr, die ihr mit Eurer Jugend ihm zugetan seid, wißt es, was er für ein Gut, für ein Kleinod ist. Das gebt Ihr nicht her, da müßt und dürft Ihr schon etwas wagen, weil unser Glaube froh, weil unser Glaube stark macht. Er erschließt uns den tiefsten Sinn des Lebens, zeigt uns seine letzte Erfüllung. Was wäre, wenn wir keinen Glauben hätten, den Sinn des katholischen Glaubens, nicht abgeschwächt, wie es heute so oft zu hören ist, nicht mehr verstünden?
Ihr lieben jungen Freuende, bewahrt den Glauben, lasst Euch nicht abreden vorn Glauben, wenn auch noch so viele gleitende Worte fallen: Nur er kann uns glücklich machen für Zeit und Ewigkeit. Ich habe dieses Vertrauen zu Euch. Mein Herz ist erfüllt mit Dankbarkeit und Genugtuung, dass Ihr heute so zahlreich gekommen seid. Ich grüße Euch. Ich grüße durch Euch Eure lieben Eltern und möchte allen Eltern des katholischen Wiens danken, dass sie ein Zeugnis für den Glauben abgelegt haben, dass sie den katholischen Religionsunterricht verteidigen wollen. Ich habe mir Sorgen gemacht. Es hat sich aber die Befürchtung nicht bewahrheitet, und unsere lieben katholischen Eltern haben gezeigt, dass sie für ihren katholischen Glauben eintreten wollen. Manche haben sich gefürchtet - hofft aber dass sich das ausgleichen wird. Und wie ich Vertrauen habe zu Euch für die Zukunft, meine lieben jungen Menschen, so sollt auch Ihr Vertrauten haben zum Bischof, Vertrauen haben darauf; dass es mit der Gnade des Heiligen Geistes gelingen möge, in dieser schweren Zeit.
Vielleicht haben so manche von Euch, Ihr lieben jungen Katholiken, in den letzten Monaten nicht alles verstanden, was die Bischöfe getan haben. Ihr wißt, um was es sich handelt. Aber wir können Zeugen sein, dass es den Bischöfen sehr am Herzen gelegen ist, nur das zu tun, was sie mit bestem Wissen und Gewissen tun konnten, dass sie sich bewusst sind, dass sie eine schwere Verantwortung vordem Herrgott tragen. Die Gläubigen sollen beten, dass der Heilige Geist uns wieder erleuchten und wir wollen mit dem Vertrauen auch die Zuversicht verbinden, dass wir keinen Schaden nehmen werden an unseren höchsten und heiligsten Gütern.
3. Wer einen lebendigen Glauben hat, den drängt es auch, den Glauben nach außen zu zeigen. Dann wäre der Glaube tot, wenn er sich nicht nach außen zeigte in Tatkraft, Arbeits- und Opferwille. Zeigt. dass Ihr Euren Glauben hochhaltet, indem Ihr für den Glauben werbt, auch andere zu beeinflussen sucht in diesem guten höchsten Sinn, denn der Glaube lehrt, indem Ihr Kameraden, Kameradinnen durch Euer gutes Beispiel aneifert, das Gleiche zu tun, und besonders indem Ihr den Schwankenden zeigt, dass auch sie wieder Mut gewinnen, sich nicht fürchten, dass sie eintreten für den Glauben, zu uns herüberkommen und so unsere Gemeinde nicht abnimmt, dass wir nicht ein kleines Häuflein werden, das immer mehr zusammenschmilzt.
Ihr wißt es selbst, und das muss uns trösten in unseren Tagen: Es gibt noch eine ideale, begeisterte, katholische Jugend, die sich nicht so leicht irr machen lässt, die weiß, welchen Weg sie zu gehen hat, und das sollt Ihr tun, da Ihr Euch zusammenschließt und anderen Gleichgesinnten das sagt und mit ihnen einen Weg geht und helft. Was man nicht schätzt, das liebt man nicht und was man nicht liebt, für das bringt man keine Opfer. Unser Glaube muss eine Ehre sein. Und so wollen wir mit Freuden das Gelöbnis machen, dass wir den Glauben fest im Herzen tragen, ihn bekennen, und glücklich und froh und opfermutig uns zeigen und fest zusammenstellen in der Gemeinschaft, der Pfarre, dass wir uns nicht abbringen lassen vorn Glauben - dazu brauche ich nicht zu zagen und keine Sorge zu haben, um den Nachwuchs unseres katholischen Wiens, dann weiß ich auch in schweren Zeiten, dass die Gläubigen mit uns leben und sich nicht abbringen lassen.
Der heutige Abend, der Euch zusammengeführt hat, soll Euch und allen den Vorsatz erwecken, dass wir unsere Pflicht treu erfüllen, soll uns sagen, dass wir zuerst dein Herrgott geben müssen, was ihm gehört, und dann werden wir auch die anderen Pflichten erfüllen, dann wird er uns die Kraft, den inneren Frieden, die Freude geben.
Das Wort "Kraft durch Freude" hat einen tiefen Sinn. Das ist ein biblisches Wort. Das hat der Prophet Esra in einer schweren Zeit, da sich die Israeliten ...(Anmk.: Auslassung im Original!), ihnen gesagt, als sie beschlossen hatten, wieder zum Herrgott zurückzukehren, da hat er ihnen gesagt: "Die Freude im Herrn ist Eure Stärke." Das wollen auch wir uns sagen. Wir wollen nicht nur gelangweilt, weil es sein muss, in den Gottesdienst, die heilige Messe gehen, es muss uns mit einer inneren Freude erfüllen, und so können wir unsere Opfer weiter bringen, und so wird uns der Segen und die Gnade begleiten.
Und mit einem aus dem Herzen kommenden Glaubensbekenntnis, ein Gelöbnis zum heiligen katholischen Glauben, wollen wir schließen. Gott segne Euch, Eure lieben Eltern, grüßt sie alle von mir und das soll eine Botschaft an sie alle sein. Amen.






