Wien: 101-jähriger Akteur des Oktober 1938 gestorben
Alois Holzhacker war bei der "Rosenkranzandacht" der Katholischen Jugend mit Kardinal Innitzer im Stephansdom der Organist
Wien, 30.11.05 (KAP) Einer der unmittelbaren Zeitzeugen des katholischen Widerstands gegen das NS-Regime im Jahr 1938, Alois Holzhacker, ist im Alter von 101 Jahren in Wien gestorben. Holzhacker saß bei der "Rosenkranzandacht" der Katholischen Jugend im Stephansdom am 7. Oktober 1938 an der Orgel. Bei dem Gottesdienst löste der damalige Wiener Erzbischof, Kardinal Theodor Innitzer, mit dem Satz "Christus ist euer Führer" spontane Begeisterung bei den etwa 7.000 teilnehmenden Jugendlichen aus. Vor dem Erzbischöflichen Palais skandierten die katholischen Jugendlichen - in satirischer Verfremdung des Nazislogans "Wir wollen unseren Führer sehen" - lautstark "Wir wollen unseren Bischof sehen".
Holzhacker war Zeitzeuge dieser Ereignisse. Er spielte nach der Predigt Innitzers das christliche Bekenntnislied "Auf zum Schwure, Volk und Land" spontan auf der Orgel "mit vollem Werk": "Das Lied ist Begeisterung, wenn man das liest und wenn man das singt", erinnerte sich Holzhacker später in einem Interview an die Stimmung von damals. Als sich die Jugendlichen vor dem Palais versammelten, sei Innitzer erst nach einiger Zeit ans Fenster gekommen und habe an die jungen Leute appelliert, ohne großen "Wirbel" nach Hause zu gehen. Schon am darauf folgenden 8. Oktober schlug das Regime zurück: Die "Hitler-Jugend" (HJ) stürmte das Erzbischöfliche Palais. Das Regime hatte die "Rosenkranz-Kundgebung" als unerträgliche Provokation empfunden.
"Spontan", tatsächlich aber gut organisiert, stürmten die Schlägertrupps, bestehend aus 17- bis 25-jährigen, das Erzbischöfliche Palais und das Curhaus am Stephansplatz 3. Kardinal Innitzer konnte im letzten Moment in Sicherheit gebracht werden, das Palais wurde total verwüstet. Ein Christusbild, das die jungen Nationalsozialisten mit ihren Dolchen zerfetzten, hängt heute im Konsistorialsaal des Palais. Im Curhaus fiel den Nazischlägern der Domkurat Johannes Krawarik in die Hände. Er wurde aus dem Fenster geworfen und fiel auf einen Sandhaufen - bis Februar 1939 musste er im Spital bleiben. Zuvor wurde ihm mehr als eine Stunde ein Arzt verweigert. Die Polizei sah dem Treiben der Nazis untätig zu. Der nationalsozialistische Polizeipräsident saß im Kaffeehaus und schaute auf die Uhr, ob die mit der Parteileitung vereinbarte Zeitspanne für die inszenierten Ausschreitungen schon abgelaufen war.






