Kardinal Schönborn eröffnete am Donnerstagnachmittag die 3. Wiener Diözesanversammlung - Mehr als 1.400 Delegierte aus den Pfarren, katholischen Organisationen und kirchlichen Einrichtungen beraten
Wien, 14.10.10 (KAP) Mit der Skizze eines "Masterplans" zur Durchführung dringend notwendiger kirchlicher Strukturreformen hat Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstagnachmittag die Dritte Diözesanversammlung im Wiener Stephansdom eröffnet. "Jetzt ist der Moment, Veränderungen aktiv anzugehen. In zehn Jahren können wir sie nur mehr erleiden", betonte der Wiener Erzbischof. Während in vielen Diözesen Europas die Reformen nach einem Rasterplan geschehen und mit radikalen Einschnitten einhergehen, werde man in Wien aber bewusst einen anderen Weg suchen. "Strukturreform und Missionsgedanke dürfen nicht voneinander getrennt" werden, gab Kardinal Schönborn den rund 1.400 Delegierten aus den Pfarren der Erzdiözese Wien als Leitlinie vor, die noch bis 16. Oktober im Stephansdom über den zukünftigen Weg der Kirche in Wien beraten werden.
Das kirchliche Krisenjahr 2010 mit seiner "enormen Zahl an Kirchenaustritten" habe "schmerzlich deutlich gemacht, dass die Entwicklung schneller als gedacht" vor sich gehe. Nun gelte es, Veränderungen aktiv anzugehen und es bestehe auch in der gegenwärtigen Krise die Chance, "mitgestaltend sich in dem beschleunigten Umwandlungsprozess zu beteiligen", so Kardinal Schönborn, der betonte, dass ein "Masterplan" für die Kirche an ihrem Meister, Jesus Christus, Maß nehmen müsse.
Im Zentrum eines solchen "Masterplans" müsse laut Schönborn die "Jüngerschulung" stehen, d.h. die Stärkung der missionarischen Initiativen in den Gemeinschaften, Orden und Pfarren, um "neue Gemeindebildungsprozesse zu fördern". Zentrale Elemente des Plans seien dabei das "'Ja' zur Welt und die Bereitschaft, sich wirklich als Kirche auf die säkulare Welt einzulassen". Weiters bedürfe es einer bewussten Wahrnehmung der "Vielfalt der Religionen, wie sie bei uns leben", inklusive des Islams, so Kardinal Schönborn.
Ein wichtiges Element komme in diesem Plan auch der Vielfalt der christlichen Konfessionen zu. So bilden etwa die orthodoxen und altorientalischen Konfessionen mit rund 500.000 Christen nach den Katholiken die zweitgrößte Gruppe in Österreich. "Es muss unser vitales Interesse sein, diese zu fördern, ihnen zu helfen - auch mit Kirchen und Gebäuden". Schließlich gelte es auch, die große Zahl der anderssprachigen Gemeinden zu berücksichtigen: "Sie sind ein wichtiger Teil unserer Zukunft", denn schon jetzt besitze rund ein Viertel der Katholiken in Wien Migrationshintergrund.
Ein letztes, wesentliches Element des Masterplans müsse laut Kardinal Schönborn in einem neuen Zusammenwirken in der Pfarrleitung gesucht werden: "Vielleicht war ich da in den letzten Jahren zu ängstlich bei der Zulassung und Förderung des Miteinanders in der Leitung unserer Gemeinden", räumte Schönborn ein. Tatsächlich gebe es zahlreiche positive Erfahrungen, wo die gemeinsame Leitung von Gemeinden mit Beteiligung der Laien gut funktioniere. "Da haben wir viel zu lernen", so Kardinal Schönborn.






